Jugendamt sieht sich als Dienstleister für Familien

Von: Michael Grobusch
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Adnan Akyaman-Wagner leitet als Nachfolger von Roland Herzig den Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) in Stolberg. Foto: Grobusch

Stolberg. Der Mann ist definitiv niemand, der sich in den Vordergrund spielt. „Ich bin nicht wichtig. Wichtig ist alleine die Arbeit, die wir leisten“, sagt Adnan Akyaman-Wagner, der als Nachfolger von Roland Herzig die Leitung des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) im Stolberger Jugendamt übernommen hat.

Aus den Worten des 50-Jährigen klingt eine innere Überzeugung: „Wir sind Dienstleister für Familien und junge Menschen.“ Das ist ihm eine Herzensangelegenheit.

Umso mehr bedauert es Akyaman-Wagner, dass bei vielen Menschen immer noch ein negatives Klischee verhaftet ist. Wohl auch deshalb beteiligt sich das Jugendamt der Kupferstadt an einer Image-Kampagne des Bundesfamilienministeriums. Der Titel gilt zugleich als Anspruch für die tägliche Arbeit: „Das Jugendamt. Unterstützung, die ankommt.“

Das ist laut Adnan Akyaman-Wagner in der Tat sehr oft der Fall. Unter einer Bedingung allerdings: „Wir können Menschen befähigen, ihre Probleme zu lösen. Dafür müssen sie jedoch eine grundsätzliche Offenheit für unser Angebot haben.“ Das gelte auch für die zunehmende Zahl von Trennungs- und Scheidungsfällen, die im Rathaus registriert werden. „Die Frustrationsschwelle wird immer niedriger. Und gleichzeitig sinkt die Bereitschaft, durch Konflikte zu gehen“, hat der Leiter des ASD beobachtet.

Die Konsequenzen lassen sich in den Statistiken leicht ablesen: „Immer schneller führt der Weg zur Trennung.“ Für Akyaman-Wagner ist das eine dramatische Entwicklung. „Ich bin der Überzeugung, dass es in unserer Gesellschaft drei wichtige Güter gibt: Gesundheit, Wohlstand und Familie. Wobei die Familie vielleicht das höchste Gut ist.“ Als ausgebildeter Psychologe und Sozialpädagoge betrachtet er die Dinge von verschiedenen Seiten. Einen grundsätzlichen Schluss hat er nach eigener Aussage aber in allen Fällen gezogen, die von ihm begleitet wurden: „Mit der Familie wird uns ein ganz sensibler und fragiler Bereich anvertraut.“

Trotz der vielfältigen Problemlagen, mit denen er in seinen inzwischen 15 Jahren in der Jugendhilfe konfrontiert worden ist, hat sein positives Denken nicht gelitten: „Ich bin fest überzeugt davon, dass Eltern ihre Kinder und Kinder ihre Eltern lieben. Auch wenn das Verhalten manchmal nicht den Eindruck macht.“ Akyaman-Wagner berichtet von Menschen, „die überfordert sind und nicht wissen, wie man es anders macht“. In diesen Fällen könne das Jugendamt Hilfe leisten. „Schließlich kommt man nicht als Mutter oder Vater zur Welt.“ Und auch nicht als problemfreies Kind. Immer häufiger, so ein aktueller Trend, lehnen Jugendliche ihre Eltern ab und wollen diese verlassen. „Die Idee der Familie wird immer diffuser“, hat Adnan Akyaman-Wagner festgestellt.

Arbeitsintensität und Arbeitsumfang im Allgemeinen Sozialen Dienst haben in den vergangenen Jahren zweifellos zugenommen. Da trifft es sich gut, dass der Stadtrat 2010 der Schaffung von fünf zusätzlichen Stellen zugestimmt und zudem in diesem Jahr kurz vor den Sommerferien die dauerhafte Einrichtung einer zunächst befristeten Anstellung in der Fallrevision beschlossen hat. Doch auch im Sinne eines frühzeitigen Eingreifens macht sich die personelle Aufstockung bezahlt – und das im doppelten Sinne. Allein im Bereich der Fallrevision, das heißt der Vermeidung oder Verkürzung von stationären Aufenthalten von Kindern und Jugendlichen, musste die Stadt dank intensiver Betreuung im vergangenen Jahr rund 1,22 Millionen Euro weniger ausgeben als noch 2011.

„Eine Heimkarriere ersparen“

Damit kam sie dem von Willi Seyffarth formulierten Ziel ein ganzes Stück näher: „Wir müssen den jungen Menschen eine Heimkarriere ersparen“, hatte der zuständige Fachbereichsleiter zuletzt auch gegenüber unserer Zeitung gefordert. Das entspricht in vollem Umfang der Überzeugung von Adnan Akyaman-Wagner, der Prävention über Reaktion stellt. „Je mehr Kollegen wir haben, die qualitativ gut in die Beratung einsteigen, desto mehr können wir hochintensive Maßnahmen verhindern.“

Das gelte im Übrigen nicht alleine für die sogenannten unteren sozialen Schichten. „Im ASD haben wir es nicht nur mit den klassischen bildungsfernen Menschen zu tun. Wir betreuen Familien aus allen Schichten und mit unterschiedlichster Herkunft und Biografie.“ Womit ein weiteres Klischee widerlegt sein dürfte.

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