Jubiläum Grundschule Zweifall: In 50 Jahren hat sich viel verändert

Von: Michael Grobusch
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Sie stehen für zwei Generationen an der Grundschule Zweifall: Sigrid Spiertz war dort von 1965 bis 2004 Lehrerin, Ute Esser leitet seit 2010 die Schule. Foto: M. Grobusch

Stolberg-Zweifall. Sigrid Spiertz hat so manche Anekdote auf Lager. Mit ihren fast 40 Dienstjahren gilt sie als eines der „Urgesteine“ der Grundschule Zweifall. Wenn sie so erzählt, spricht sie stets von „ihrer Schule“. Dabei ist es mittlerweile schon zehn Jahre her, dass die Lehrerin in den Ruhestand gegangen ist.

 Die Identifikation aber ist geblieben. Und das Interesse für die Zeit nach dem Dienstende. So verwundert es nicht, dass sich die 73-Jährige auch an den Vorbereitungen für das Jubiläumsfest beteiligt hat, das am morgigen Samstag ab 10.30 Uhr gefeiert wird.

Auch dann wird Spiertz sicherlich die Gäste mit ihren Erzählungen unterhalten. Davon berichten, dass die Kinder am Anfang in eine katholische und eine evangelische Volksschule gingen – auf zwei unterschiedlichen Etagen und mit getrennten Lehrerzimmern. Vom Lehrerhaus gleich in der Nachbarschaft erzählen, in dem drei Kollegen mit ihren Familien wohnten. Und von Schulleiter Werner Nerlich schwärmen, der das Geschehen in der Zweifaller Einrichtung wie in einer Chronik festgehalten und so einen wesentlichen Beitrag zu der Ausstellung geleistet hat, die den Titel „Das Leben vor 50 Jahren“ trägt. Sie ist mit den dazu gehörigen Originaldokumenten nur am Samstag während der Feierlichkeiten zu sehen.

Schulprogramme ab 90er Jahren

Für Ute Esser lässt sich an den Exponaten gut ablesen, wie sehr sich Schule in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten verändert hat. So wurden beispielsweise in den 1990er Jahren Schulprogramme entwickelt, denen das jeweilige Profil einer Schule zu entnehmen ist. Und Anfang des neuen Jahrtausends begann die Zeit des offenen Ganztagsbetriebes, der zügig auf alle Grundschulen im Stadtgebiet ausgeweitet wurde. „Die Eltern gehen nach der Geburt immer früher wieder arbeiten. Außerdem hat das pädagogische Konzept viele Mütter und Väter einfach überzeugt“, stellt Ute Esser rückblickend fest.

Zweifall liefert hierfür ein gutes Beispiel: Von den im nächsten Schuljahr 160 Kindern werden 110 auch die OGS besuchen. Da scheint der nächste Schritt hin zum gebundenen Ganztag eigentlich nicht mehr weit. Und doch ist diese Umstellung wohl vor allem aus finanziellen und organisatorischen Gründen in Nordrhein-Westfalen derzeit nicht in Sicht. Die Zweifaller Schulleiterin zeigt sich dennoch überzeugt: „Grundsätzlich bin ich ein großer Freund des gebundenen Ganztagesbetriebes. Nur mit ihm lässt sich wirklich soziale Gerechtigkeit erreichen. Nicht nur im Primarbereich, sondern auch in den weiterführenden Schulen.“

Ute Esser bekennt sich auch zur Freude am Lernen. „Sie muss in der Schule an allererster Stelle stehen.“ Wenig angetan ist sie deshalb vom zunehmenden Leistungsdruck, den sie bei immer mehr Kindern festgestellt hat – oftmals ausgelöst durch die Erwartungshaltung der Eltern. „Wir versuchen, diesen Druck hier in der Schule herauszunehmen. Deshalb arbeiten wir bei uns nicht fehlerorientiert. Wir helfen vielmehr unseren Schülern, ihre Stärken zu erkennen und damit die Freude am Lernen zu steigern.“

In erster Linie ist es die Aufgabe der Schulleiterin, solche Grundsätze zu vermitteln – eine von vielen Aufgaben, die es zu erfüllen gilt. „Ein bisschen muss man das schon als Berufung sehen“, meint Ute Esser. „Denn Schulleitung ist mit immer mehr Arbeit verbunden.“ Und mit immer weniger Unterricht: Nur elf Stunden pro Woche verbringt die 44-Jährige in den Klassen. „Das war früher anders“, weiß Sigrid Spiertz von weniger Auflagen und Bürokratie zu berichten. „Schule ist halt immer spannend und verändert sich stetig“, stellt Ute Esser fest. Davon können sich die Besucher des Jubiläumsfestes am Samstag ein Bild machen.

Und wie wird es in fünf Jahren an der Grundschule Zweifall aussehen? „Ich hoffe, dass wir unsere Schülerzahlen halten können“, blickt Esser nach vorne. Wesentliche konzeptionelle Änderungen sind derzeit nicht vorgesehen. „Als Aachener-Modell-Schule und Nationalpark-Schule haben wir uns schon viel vorgenommen. Wir wollen diese Schwerpunkte weiter vertiefen und deshalb vorerst keine weiteren Projekte starten.“

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