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Jens Neutag als Wortführer einer neuen Stolberger Streikbewegung

Von: Esther Kellen
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Drehte zur Freude der Zuschauer bei seinem Auftritt in Stolberg mächtig auf: Jens Neutag. Foto: E. Kellen

Stolberg. „Deutschland braucht mehr Mut!”. Davon ist Kabarettist Jens Neutag fest überzeugt. Erster Schritt zu mehr Courage: einfach den Müll mal einen Tag früher raussetzen oder morgens Elmex und abends Aronal benutzen. Das allerdings sei schon ein schwieriges Unternehmen für die meisten Deutschen.

„Was sollen bloß die Nachbarn sagen? Wahrscheinlich werden sie hektisch und wollen den Müll auch früher rausstellen.” Denn auch der Müllkalender hilft nichts, wenn dort die Geburtstage der ganzen Familie eingetragen sind.

„Streik ist geil! Aufstehen zur Sitzblockade,” heißt das Programm des Kabarettisten, das er jetzt dem Stolberger Publikum im „Savoy” vorgestellt hat.

Den Gästen standen bald die Tränen in den Augen, denn bei den bissigen Späßen von Jens Neutag bleibt selten ein Auge trocken. Ob die Kanzlerin in der Styling-Show oder Guido Westerwelle in der Arbeitsagentur - besonders Politiker bekommen ihr Fett weg.

So sei der Wirtschaftsminister zu Guttenberg mit seinen zehn Namen nun nicht gerade volksnah: „Aber da sieht man es wieder. Kaum ist Bankenkrise, müssen auch solche Leute wieder arbeiten”, erklärt der Kabarettist den plötzlichen Aufstieg des Ministers.

Vielleicht könne ja Präsident Obama die Welt retten. „Das ist ja kein Präsident, das ist der Messias. Obama von Nazareth ist vom Himmel herabgestiegen, um uns zu retten”, nimmt Neutag die „Obamania” aufs Korn. Wenigstens zeige der amerikanische Präsident den Leuten, wo es lang geht.

Ganz anders die Kanzlerin. „Die läuft ja schon seit Jahren mit dem passenden Gesicht zur Krise herum. Aber Kompetenz haben wir ja seit Gerhard Schröder eh nicht mehr erwartet.”

Da könne man die Bundesregierung ja gleich durch ein Callcenter an der tschechischen Grenze ersetzen. „Dann gibt es eine Ansage auf dem Anrufbeantworter: Guten Tag, hier ist die Bundesregierung. Wollen sie uns loben, drücken sie die Eins, wollen sie spenden, drücken sie die Zwei. Für alle weiteren Anfragen legen sie bitte auf und schreien.”

Genau deshalb sei es an der Zeit für eine Revolution. „Die Bewegung 5. April wird nun hier gegründet. Aber wir fangen mal mit der Sitzblockade an, die ist weniger anstrengend als eine Straßenschlacht.” Und wenn dann die Politiker alle arbeitslos sind, dann muss man sie versorgen. Alle geraten an den Berufsberater der Arbeitsagentur.

„Herr Westerwelle, was haben Sie denn für Qualifikationen? Sie waren doch nie in der Regierung, wie soll ich sie ohne Berufserfahrung vermitteln?” Die CSU-Politiker der hinteren Reihen habe er zumindest als Spargelstecher vermitteln können, denn „ohne Rückgrat ist das ein sehr einfacher Job”.

Auch bei den Grünen sei die Arbeitsvermittlung kein Problem: „Die haben sich einfach selbständig gemacht mit ihrer Firma „Rent a Demonstrant”.”

Bei so vielen inkompetenten Politikern sei es nur logisch, wenn Jugendliche durchdrehen. „Und dann kommen diese Speichellecker wie Johannes B. Kerner und heucheln Mitleid. Dabei hätte er am liebsten eine Standleitung ins Jenseits: „Thorsten, Sie sind tot, wie fühlen Sie sich?”

Gesellschaftliche Missstände und die Mentalität des Wegschauens müssten endlich enden. Und wenn der Tag gekommen sei, dass endlich alle Deutschen gemeinsam streiken, dann „liegen sich 82 Millionen Bürger in den Armen, und die Aldi-Brüder verschenken ihr Privatvermögen”.

Benzin und Heizöl gäbe es dann für zehn Jahre kostenlos, und alle seien sich einig: „Streik ist geil!”. Die Gäste im Savoy fanden das auch. Streik kann tatsächlich lustig sein - jedenfalls mit Jens Neutag als Wortführer.
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