Stolberg - Interessen und Wohl des Kindes haben oberste Priorität

CHIO-Header

Interessen und Wohl des Kindes haben oberste Priorität

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:

Stolberg. Der Trend ist unter zwischenmenschlichen Gesichtspunkten eindeutig negativ: „Leider nimmt das Konfliktpotenzial zu. Das führt dazu, dass der Streit nach einem Beziehungsende immer häufiger über das Jugendamt ausgetragen wird.” Christian Dolfen weiß das aus der täglichen Praxis.

Gemeinsam mit zwei Kolleginnen ist er im städtischen Jugendamt für die Abteilung „Beistandschaften” zuständig. Und damit für einen sensiblen Bereich, in dem bei allen Bemühungen immer zwei Dinge absolute Priorität genießen: das Interesse und das Wohl des beteiligten Kindes.

Die meisten Beratungs- und Vermittlungsfälle beschäftigen sich mit dem Thema Geld und ganz konkret mit dem Unterhalt für das gemeinsame Kind. „Das Jugendamt informiert und berät umfassend und kostenlos”, erklärt die stellvertretende Amtsleiterin Käthe Büchel.

Allerdings richtet sich dieses Angebot ausschließlich an den Elternteil, der das Kind in seiner Obhut und mindestens das gemeinsam oder aber das alleinige Sorgerecht hat. Büchel stellt klar: „Wir beraten nicht diejenigen, gegen die Unterhaltsansprüche geltend gemacht werden sollen.”

Beurkundung der Pflicht

Grundsätzlich können zwei Wege zum Ziel, sprich zu einer Lösung führen. „Der Unterhaltsanspruch des Kindes kann errechnet werden, nachdem die Leistungsfähigkeit des anderen Elternteils überprüft worden ist”, beschreibt Christian Dolfen den ersten Schritt.

Der setzt freilich voraus, dass der Unterhaltspflichtige sich kooperativ zeigt und die erforderlichen Unterlagen zur Verfügung stellt. Geschieht das, ermittelt die Stadt den Anspruch. „Und zwar nur den gesetzlich vorgesehen. Unsere Aufgabe ist es nicht, das Maximum herauszuholen”, tritt Dolfen einem anders lautenden Gerücht entgegen.

Kommt es zu einer Einigung, sollte diese durch eine Beurkundung der Unterhaltspflicht dokumentiert und damit rechtlich abgesichert werden, empfiehlt der Fachberater. Die Beurkundung leistet das Jugendamt kostenfrei.

Allerdings lassen sich längst nicht alle Fälle im Einklang regeln. Vielmehr führt das bereits erwähnte Konfliktpotenzial häufig dazu, dass Ansprüche juristisch durchgesetzt werden müssen. In einer solchen Situation empfehlen die Experten des Stolberger Jugendamtes die Beantragung einer Beistandschaft, denn: „Falls der unterhaltspflichtige Elternteil die erforderlichen Unterlagen nicht vorlegen will oder er nicht bereit ist, den Unterhalts urkundlich festzulegen, kann der Anspruch nur noch durch ein gerichtliches Verfahren geltend gemacht werden”, so Christian Dolfen.

Im Zuge der Beistandschaft wird das Jugendamt von dem Elternteil beauftragt und ermächtigt, Unterhaltsansprüche für das Kind geltend zu machen und notfalls auch juristisch durchzusetzen. Erste Anlaufstelle ist, wenn der Wohnsitz in Stolberg liegt, das Familiengericht am Amtsgericht Eschweiler. „Das Jugendamt tritt im Rahmen der Beistandschaft dort als gesetzlicher Vertreter auf”, erläutert Käthe Büchel. Das gilt auch, wenn im Zuge von Berufungsverfahren die nächst höheren Instanzen angerufen werden müssen.

„Eine Beistandschaft kann jederzeit beendet werden”, betont die stellvertretende Jugendamtsleiterin. In jedem Fall aber endet sie mit der Vollendung des 18. Lebensjahres des Kindes.

Das Beratungsangebot der Stadt geht jedoch darüber hinaus: Bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres können junge Volljährige das Jugendamt um Unterstützung bei der Geltendmachung von Unterhaltsansprüchen gegenüber ihren Eltern oder einem Elternteil bitten.

Allerdings sind, darauf verweist Christian Dolfen ausdrücklich, dieser Hilfe Grenzen gesetzt: „Eine eventuell erforderliche gerichtliche Durchsetzung der Ansprüche durch das Jugendamt ist nicht möglich.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert