Stolberg - Initiativkreis Bürgerstiftung ist mit Auftaktveranstaltung sehr zufrieden

Initiativkreis Bürgerstiftung ist mit Auftaktveranstaltung sehr zufrieden

Von: Nicola Gottfroh
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Der Vater der Bürgerstiftunge
Der Vater der Bürgerstiftungen konnte sie alle bei der Auftaktveranstaltung überzeugen: Am Donnerstagabend haben sich 22 Kupferstädter verpflichtet, Stifter der Stolberger Bürgerstiftung zu werden. Foto: N. Gottfroh

Stolberg. Die gute Nachricht vorweg: Die Bürgerstiftung Stolberg wird es geben. Zumindest wenn man den Optimismus von Wolfgang Hennig, ehemaliger Bürgermeister und Mitglied des Initiativkreises Bürgerstiftungen, teilt.

„Nach diesem Abend habe ich gar keine Zweifel, dass wir die 50.000 Euro Startkapital zusammenbekommen werden”, sagte ein begeisterter Hennig im Anschluss an die Auftaktveranstaltung zur Bürgerstiftung im Evangelischen Gemeindezentrum, zu der der Initiativkreis Stolberger Bürgerstiftung eingeladen hatte.

Auch wenn nur rund 50 interessierte Stolberger in den Gemeindesaal gekommen waren, um den Ausführungen des Urvaters der deutschen Bürgerstiftungen, Professor Dr. Christian Pfeiffer, zu lauschen - der Löwenanteil dieser Besucher war schon am Ende der Veranstaltung gerne bereit, symbolisch die Geldbörse zu zücken und sich verbindlich als Stifter zu verpflichten: Zu den 15 Personen, die sich bereits im Vorfeld der Veranstaltung entschlossen hatten, unter die Stifter zu gehen, kamen am Donnerstagabend weitere 22 Persönlichkeiten aus Stolberg, die sich vor allem von Christian Pfeiffer für das Stifterdasein begeistern ließen. Kein Wunder, hatte der Experte doch viel zu berichten.

Verantwortung übernehmen

Professor Dr. Christian Pfeiffer hat die Idee der Bürgerstiftung aus Amerika nach Deutschland gebracht. 1996 gründete er die Bürgerstiftung Hannover, die heute mehrere Millionen Euro an Kapital besitzt. Pfeiffers Credo, als Bürger selbst Verantwortung für die Jugend, für Soziales und Kulturelles in der eigenen Region zu übernehmen, fand viele Nachahmer in ganz Deutschland. 313 Bürgerstiftungen in der gesamten Republik folgten dem Hannoveraner Beispiel in den vergangenen Jahren. Viele hat Pfeiffer bei der Gründung begleitet, und er musste die Euphorie vieler Stolberger, die am liebsten morgen schon mit der Arbeit loslegen wollten, bremsen.

„Bis eine Bürgerstiftung genug Kapital hat und endlich richtig arbeiten kann, ist es ein langer, steiniger, zäher und anstrengender Weg”, gab Pfeiffer seine Erfahrungen weiter. Zunächst einmal müsse das Startkapital von 50.000 Euro zusammenkommen, anschließend brauche man eine Satzung. „Am besten sehr breit gefächert, damit man offen sein kann und Spielraum in den Angeboten hat. Vielleicht fokussiert man ja derzeit die Jugendarbeit, möchte eines Tages aber dann doch kulturelle Angebote schaffen. Dann ist es hilfreich, wenn dies in der Satzung festgelegt ist”, gab Pfeiffer einen wichtigen Tipp.

Auch wenn der Weg lang sei, lohne er sich nicht nur, „ihn zu gehen ist auch dringend notwendig”, betonte der Experte. Denn auf den Staat alleine könne man nicht mehr setzen. „Der Staat ist hoch verschuldet, die Angebote für junge Menschen in den Bereichen Kunst, Musik und Sport werden immer weniger”, erklärte Pfeiffer. Man müsse selbst Initiative ergreifen, wenn man keine Generation junger Menschen wolle, deren PC-Konsum dazu führe, dass sie nur in einer virtuellen Welt leben oder auf der Straße hängen und Unsinn anstellen.

Auch in Stolberg gelte es anzupacken, wenn man nicht wolle, dass das Potenzial von Kindern mit Migrationshintergrund vergeudet werde. „Natürlich kann der Bürger nicht alles selbst bezahlen. Der Staat kommt für den Kuchen auf, aber die Sahne obendrauf müssen sich die Bürger in Zeiten wie diesen selbst finanzieren”, hielt sich Pfeiffer allgemeinverständlich.

Was nun ein „Sahnehäubchen” sei, das hänge ganz von den Ideen der Stolberg Stifter ab. Und sprach damit ein besonders wichtiges Thema an: Denn eine Bürgerstiftung sei nicht nur etwas für die Geldreichen. Natürlich sei enorm wichtig, Kapital anzusparen, um von den Zinsen Projekte zu finanzieren.

Doch ohne gute Ideen und Menschen, die Projekte umsetzen, und sich bereiterklären, Kindern aus sozialschwachen Familien kostenlose Nachhilfe zu geben, ihnen das Spielen eines Instruments beizubringen oder ein Theaterstück auf die Beine zu stellen, ohne diese Menschen nutzten auch Millionen auf dem Konto nicht viel. „Deshalb wird eine Bürgerstiftung stets von drei Säulen getragen. Von den Ideenreichen, den Zeitreichen und den Geldreichen”, so Pfeiffer.

„Wir müssen aufhören, immer nur rumzujammern, und selbst aktiv werden”, betonte der Experte und traf damit bei vielen Anwesenden ins Schwarze. Übrigens: Um Stifter zu werden, braucht man nicht „reich” zu sein. Bereits mit 500 Euro wird man in Stolberg zum Stifter und kann die eigene Stadt positiv mitgestalten und etwas an den vorherrschenden Bedingungen ändern. Auch wenn Wolfgang Hennig sich optimistisch zeigt: Die Bürgerstiftung braucht weitere Persönlichkeiten, die sich verpflichten, Stifter zu werden.

Bis zum 31. Dezember 2013 müssen die 50.000 Euro Startkapital aufgebracht sein. Sollte dies nicht gelingen, bleibt die Idee vom bürgerschaftlichen Engagement in Stolberg nichts weiter als eine schöne Idee.
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