„In Memoriam“ beginnt mit Erotik, Fernweh und Zeitgeist

Von: Dirk Müller
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Dieter Ostlender von „fahrzoom“, Helmut Oedekoven, die stellvertretende Bürgermeisterin Hildegard Nießen, Karl-Heinz und Christa Oedekoven, Dr. Dirk Tölke, Elke Koch und Museumsleiter Sebastian Wenzler (v.l.) laden zur Hermann-Koch-Ausstellung ein. Foto: D. Müller
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Hermann Koch: Seine Werke bestechen durch Facettenreichtum und Experimentierfreude.

Stolberg. „Hermann Koch – Kunstmaler und Art-Direktor“ ist die ganz besondere Schau überschrieben, mit der am Sonntag, 1. September, die neue Ausstellungsreihe „In Memoriam“ in der Villa des Museums Zinkhütter Hof beginnt.

Koch, geboren 1920 in Stolberg, war Maler, Bildhauer, Grafiker und Lithograph. Von 1957 bis 1985 leitete er die 20-köpfige Graphik- und Werbeabteilung bei Mäurer & Wirtz. 1988 stiftete er die von ihm entworfene Stein-Metallskulptur an der Ecke Wilhem-Pitz- und Neustraße in Breinig. Koch, der 1997 in der Kupferstadt verstarb, war als freischaffender Künstler aber eher zurückhaltend, stellte seine Werke nicht oft aus.

Elke Koch kuratiert Nachlass

Nun werden in der 1839 erbauten Villa des Zinkhütter Hofs mehr als 30 Exponate von Hermann Koch zu sehen sein. „Mehr als die Hälfte dieser Bilder sind noch nie öffentlich gezeigt worden, sondern bisher immer privat geblieben“, erklärt seine Witwe Elke Koch, die den künstlerischen Nachlass kuratiert.

So können die Organisatoren Christa und Karl-Heinz Oedekoven die von „fahrzoom“ unterstützte neue Ausstellungsreihe mit einer exklusiven und anregenden Schau eröffnen. „Während Hermann Koch beruflich als Gestalter klare Proportionen und Strukturen wähl­te, ist seine Malerei dagegen sehr frei“, beschreibt der Kunsthistoriker Dr. Dirk Tölke einen Aspekt, der bei der Ausstellung ins Auge fällt.

Die Schau besticht durch ihren Facettenreichtum, denn Koch war enorm experimentierfreudig, probierte sich künstlerisch in verschiedenen Stilrichtungen. Er malte Frauen voller sinnlicher Erotik, aber auch in nachdenklicher Pose oder mondän bis hin zu Darstellungen mit morbider Aura.

Kochs Farbgebung ist teils kraftvoll und ungewöhnlich intensiv, teils dezent wie unter einem Sepia-Schleier. Als Marinesoldat hat der Maler viel von der Welt gesehen. „Diese Erfahrungen thematisiert er in einigen seiner Bilder. Er lebt Sehnsucht und Fernweh künstlerisch aus, zeigt sich auf der Leinwand als weltmännischer Lebemann mit Leidenschaft“, sagt Tölke. Der Kunsthistoriker verweist im Kunst-Department der Villa auf exotische Frauen im Orient, barbusige Südsee-Schönheiten oder eine Kohlezeichnung, die eine Stadtszene in Paris darstellt.

Doch die Ausstellung „In Memoriam“ zeigt auch Stolberg-Bilder des Künstlers, Stillleben und andere Motive, die an die Themenwelt und den Zeitgeist des Wirtschaftswunders angelehnt sind. Etwa die „Schmuggelkinder“, ein Bild, das kein Verbrechen darstellt, sondern vielmehr eine alltägliche Szene, eine Selbstverständlichkeit im Dreiländereck der 50er und 60er Jahre.

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