Stolberg - In Krewinkel geben die Autos wieder Gas

In Krewinkel geben die Autos wieder Gas

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Hat man erst einmal die Engstelle in Krewinkel passiert, kann man wieder ungehindert Gas geben: Die Anlieger fordern von der Stadt Maßnahmen zur Beruhigung der gefahrenen Geschwindigkeiten. Foto: J. Lange

Stolberg. In Krewinkel scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Morgens kräht hier noch der Hahn in dem alten Dorf, die Bewohner engagieren sich seit über 25 Jahren mit einem Volksfest für soziale Projekte, Rinder und Pferde fühlen sich hier Zuhause, und die Nähe zum Wald verspricht eine ruhige Wohnlage, bei der auch Kinder ungefährdet herumtollen könnten.

Doch das können sie nicht und mit der Ruhe in Krewinkel ist es dahin, seitdem die Stadtverwaltung dem am 14. April tagenden Beschwerdeausschuss empfiehlt, den Wunsch fast aller Anwohner aus dem Dorf erst einmal zu den Akten zu legen, bis die Stadt irgendwann einmal wieder zu Geld gekommen ist.

„Sorge um die Kinder”

Dabei ist es die Vekehrssituation, die die Krewinkler auf die Palme bringt. Auf den beiden Zufahrtsstrecken durch Mausbach und über die Wasserkaul sorgen noch Aufpflasterungen und Blumenkübel für eine angemessene Fahrweise. Haben die Autofahrer erst einmal die Engstelle im Dorf passiert, können sie Gas geben auf der Fahrbahn ohne Bürgersteig in Richtung Wald und nach Gressenich. Insbesondere zu Schul- und Berufsverkehrszeiten sowie in den Abendstunden, beschweren sich die Anwohner mit ihren Unterschriften bei der Verwaltung.

„Tempo 30 wird hier von vielen Verkehrsteilnehmern einfach missachtet”, klagen sie über „rücksichtslose Autofahrer, die an Fußgängern und Radfahrern vorbeischießen”. Auch die Einbahnstraße am Schulwald werde ebenso regelmäßig missachtet. Und dabei müssten sich die Kinder die Straße mit dem Berufsverkehr auf ihrem Schulweg teilen - zu Fuß entweder zum Mausbacher Schulzentrum oder zu den Bushaltestellen an der Landesstraße.

Die Krewinkler schlage eine Verkehrsberuhigung durch Berliner Kissen und Blumenkübel wie an der Wasserkaul, eine Tempo-Beschränkung auf 20 km/h wie auf der Mühle und eine Durchfahrtsbeschränkung nur für Anlieger wie vielerorts in Stolberg vor. Eine hilfreiche Alternative wäre aus ihrer Sicht auch eine Schranke, die dem Individualverkehr die Durchfahrt nach Gressenich-Buschhausen verwehrt, während Landwirten und Forst Schlüssel ausgehändigt werden könnten.

Doch die Verwaltung winkt in ihrer Vorlage für die Politik ab. Eine Abkürzung sei Krewinkel nicht wirklich, allenfalls mit dem Ziel Buschhausen oder für Spaziergänger.

„Nur subjektiv” würden die Anwohner die Verkehrssituation als problematisch empfingen, denn die Verwaltung habe sie objektiv - aus Sicht der Anlieger an exakt der falschen Stelle, an der man nur langsam fahren könne - gemessen: Die durchschnittlich 385 Fahrzeuge am Tag entsprächen dem „sehr geringen Wert” des Verkehrsgutachtens für die östlichen Stadtteile (300 Kfz). Von denen seien lediglich 1,9 Prozent (=58 Autos in 8 Tagen) schneller als 41 km/h gewesen. „Die Zahlenwerte sind entsprechend der Verkehrsbedeutung der Straße eher unterdurchschnittlich”, bilanziert die Verwaltung, und eine „Sperrung unangemessen”.

„Schilder helfen nicht”

Berliner Kissen kann die Verwaltung auch schon „nicht mehr empfehlen”, weil sie den „Verkehrslärm durch Beschleunigungsvorgänge” erhöhen würden und für den „Winterdienst problematische” Hindernisse seien. Vor allem aber, weil sie sehr teuer seien, und die Stadt sie angesichts ihrer Finanzlage nur da, „wo tatsächlich nennenswerte Verkehrsmengen und Geschwindigkeitsüberschreitungen vorsehen” könne. Auch die vorgeschlagenen Beschilderungen erscheinen ihr wenig hilfsreich, weil sie „sowieso das Fahrverhalten nicht beeinflussen” würden - ebenso wie eine Beschränkung auf Anlieger.
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