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In der Krise die Ruhe bewahrt

Von: Johannes Mohren
Letzte Aktualisierung:

Stolberg. Es ist eine wirklich erschütternde Geschichte, die die unglaubliche Not unmissverständlich vor Augen führt. Ein Einzelschicksal, das jedoch nicht alleine steht, sondern stellvertretend für viele.

Der THW-Hochwasserexperte Thomas Johnen aus Büsbach berichtet von einer thailändischen Marktfrau. Auf einem Platz in Bangkok verkaufte sie Obst und Gemüse, bot ihre Ware feil und wich nicht zurück, auch, als das Wasser ihr bis zu den Knien stieg. Bis zum letzten Moment hielt sie stand. Doch dann ging ihre Existenz unter und verschwand in den braunen, unbarmherzigen Wasserfluten.

Wasserfluten, hervorgerufen durch heftige und lang anhaltende Regenfälle sowie tropische Stürme, die seit Mitte August zu großflächigen Überschwemmungen im südostasiatischen Raum führen. Diese schreckliche Realität, die inzwischen nur noch sporadisch durch Fernsehbilder in unsere Wohnzimmer transportiert wird, erlebte der Stolberger Johnen als THW-Helfer hautnah. Er sah die überfluteten Ortschaften der thailändischen Hauptstadt mit eigenen Augen - die Wassermassen, die Menschen, das Leid. „Es gibt Leute, die wohnen schon seit Wochen im Wasser. Jeden Tag müssen sie aufs Neue hart um ihr Dasein kämpfen”, berichtet er, „viele fragen sich, wo und wovon sie noch leben sollen.”

Die schwelenden Unruhen seien deshalb nicht verwunderlich, „die Bevölkerung ist aufgebracht”, hat Johnen beobachtet. Chaotisch sind deshalb die Zustände, viele versuchen das zu retten, was ihnen bleibt. An einen geregelten Alltag sei in den überschwemmten Gebieten gar nicht zu denken, weder in diesen Tagen noch in näherer Zukunft: Denn so wie der namenlosen Marktfrau, die in den Fluten alles verlor, geht es hier in der 18 Millionen-Metropole Bangkok zahlreichen Menschen.

Die Verkäuferin ist letztendlich nur ein tragisches Schicksal von so vielen. Besserung sei aber zunächst nicht in Sicht, befürchtet Johnen. „In den nächsten Tagen und Wochen kann man eher noch eine weitere Krisenverschärfung erwarten”, hebt der 42-jährige Fachmann hervor, denn neben dem Wasser selbst wird auch der Ausbruch von Epidemien zu einer immer größeren Bedrohung in den Überschwemmungsgebieten.

Johnen ist inzwischen dennoch wieder in die Kupferstadt zurückgekehrt, seine Mission in der thailändischen Hauptstadt ist abgeschlossen. „Meine Aufgabe war es, die deutsche Botschaft in Bangkok zu beraten und zu unterstützen, um ihre Sicherheit bestmöglich zu gewährleisten”, erläutert er. Ein Maßnahmenkatalog wurde ausgearbeitet, auch hinsichtlich einer möglichen Evakuierung deutscher Bundesbürger. Denn endgültig auszuschließen ist dieser Fall momentan nicht. Dafür scheint die Lage in Bangkok von zu vielen Unwägbarkeiten geprägt.

Auf diese vorbereitet zu sein und angemessen reagieren zu können - dazu hat die Arbeit des Büsbachers im Auftrag der Bundesregierung tausende Kilometer von der Heimat entfernt entscheidend beigetragen. Gleichzeitig hat er auch an vielen anderen Stellen weitergeholfen: Der auslandserfahrene Johnen hat deutsche Firmen im Land ebenso mit seiner enormen Fachkenntnis beraten wie internationale Schulen und bei wichtigen Sicherung des Flughafens war er ebenfalls federführend beteiligt.

Eine lange Vorbereitungszeit blieb ihm für diese Aufgabe allerdings nicht. „Drei Stunden nach der telefonischen Anfrage der Bundesregierung saß ich bereits in Frankfurt am Main im Flieger”, erzählt er. In gewisser Hinsicht führt er immer ein Leben aus gepackten Koffern: Eine fertig gepackte Kiste steht stets bereit, je nach Einsatzort müssen dann nur Kleinigkeiten variiert werden. Doch nicht nur die materielle, sondern auch die medizinische Vorbereitung muss im Vorhinein gewährleistet sein. „Ich habe etwa einen ständigen, durchgehenden Impfschutz”, berichtet Johnen.

Die Einarbeitung in den speziellen Auftrag erfolgt dann sehr kurzfristig. „Erste Informationen über die Lage habe ich noch im Flieger studiert, alles andere gilt es möglichst schnell vor Ort im Krisengebiet zu erfassen”, berichtet er. Leicht sei das natürlich nicht immer. „Da spielte jetzt in Thailand etwa auch die Sprach- und Schriftbarriere eine Rolle”, erklärt der THW-Kreisbeauftragte.

Doch Johnen verfügt über die nötige Erfahrung - aus der Ruhe bringt ihn so schnell nichts mehr. Für seine Arbeit wurde ihm jetzt eine große Wertschätzung entgegengebracht. Keine 24 Stunden nach der Rückkehr aus Bangkok wird Johnen im Rahmen einer Feierstunde das THW-Ehrenzeichen in Bronze verliehen.

Der Termin war bereits längerfristig geplant, drohte aber bei einer minimalen Verspätung Johnens bei der Rückkehr aus Bangkok zu platzen. Doch Johnen landete pünktlich. „Kaum von der Rollbahn, schon bekommt er eine Auszeichnung” scherzt der THW-Landesbeauftragte Dr. Ingo Schliewinski, um dann begeistert hinzuzufügen: „Wir alle schätzen Ihre Kompetenz und Ruhe, auch in der Hektik des Einsatzes”.

Es folgen viele Redner und noch mehr Lob. „Wir werden auf der ganzen Welt ob des THW beneidet. Die Breite und die Möglichkeiten sind unglaublich. Sie sind mit Ihrem Lebenslauf ein ausdrückliches, wunderschönes Beispiel”, hebt etwa der Aachener Bundestagsabgeordnete Helmut Brandt hervor, Johnens Arbeit sei eine ebenso hervorragende wie notwendige Werbung für das Engagement beim THW. „Jetzt, wo durch den Wegfall der Wehrpflicht auch der Ersatzdienst entfällt, ist die Öffentlichkeitsarbeit wichtiger denn je”, betont Brandt.

Dass Johnen als Vorbild für kommende THW-Generationen dienen kann, daran besteht keinerlei Zweifel. Natürlich nicht zuletzt wegen seines großen Einsatzes in den unbarmherzigen Fluten von Bangkok: Wie immer kompetent und mit der nötigen Ruhe.

Fernsehtipp: Thomas Johnen in der Lokalzeit

Thomas Johnen ist am Montag um 19.30 Uhr live im WDR Fernsehen zu sehen. Die Lokalzeit aus Aachen berichtet zum Thema „THW bei Hochwasser in Bangkok”, der Stolberger Experte in Sachen Hochwasser/-schutz ist als Studiogast eingeladen.

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