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Im Zusammenspiel der Ebenen liegt der Reiz

Von: Toni Dörflinger
Letzte Aktualisierung:
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Verfremdung: Giovanna Prandi, die im Europäischen Kunsthof Vicht ausstellt, liebt das Spiel mit den Ebenen und verändert so die Aussagekraft ihrer Bilder. Foto: T. Dörflinger

Stolberg-Vicht. Giovanna Prandi liebt das Spiel mit den Ebenen. Von zwei unterschiedlichen Ebenen sind auch die Bilder gekennzeichnet, die die gebürtige Italienerin, die seit 1989 in Deutschland lebt, seit dem Wochenende im Europäischen Kunsthof Vicht an der Eifelstraße ausstellt.

So liegen auf der ersten Ebene Bleistiftzeichnungen, die der Erlebniswelt der 54-jährigen Künstlerin entstammen und unter anderem Tiere, Menschen und Gegenstände darstellen. Für die Herstellung der Bleistiftzeichnungen - als Untergrund dient großflächiges weißes Papier - nutzt die aus Trient stammende Malerin, die in Florenz ihr Kunststudium abgeschlossen hat, eine spezielle Maltechnik. Denn um die unterschiedlichen Graustufen des Schwarz-Weiß-Bildes dazustellen, zeichnet sie konzentrische Kreise, die wie die Rasterpunkte eines gedruckten Bildes wirken.

Über diese „Realitätsebene” wird eine mit Polyesterharz farbig bearbeitete Plexiglasscheibe gelegt, die als die Ebene der unterschiedlichen Sichtweisen bezeichnet wird. Durch das Zusammenspiel der beiden Ebenen verändert sich das ursprüngliche Bild. Es entsteht ein neues Bild, das sich laut Prandi aus Vorurteilen und persönlichen kulturellen Erfahrungen zusammensetzt. „Doppi pensieri” nennt Giovanna Prandi eine 2009 entstandene, aus neun großflächigen Werken bestehende Serie, die in der Ausstellung einen Blickfang darstellt und der bis zum 13. März gezeigten Schau ihren Namen gegeben hat. „Doppi pensieri” bedeutet doppelte Gedanken. Doppelte Gedanken, die mit Hilfe der beiden Bildebenen wiedergegeben werden.

Bleistiftzeichnungen

Denn die als Bleistiftzeichnungen dargestellten Menschen und Tiere werden von Plexiglasscheiben überlagert, auf denen aus Polyesterharz hergestellte Umrisse und Silhouetten zu sehen sind. Die in Rosa gehaltenen schattenhaften Umrisse setzen sich aus Bildelementen zusammen, die ursprünglich nur auf der ersten Ebene zu sehen waren. Durch diese Verbindung wird die Aussagekraft des Bildes verändert und ermöglicht so quasi doppelte Gedanken.

Dem Ausstellungsmotto wird auch eine aus vier Bildern bestehende Serie gerecht, die Schafsköpfe zeigt, die durch die Überlagerung von farbigen Silhouetten verfremdet werden. Die Ursprungsbilder werden so verändert, dass nun religiöse Bezüge möglich sind. So wird das Bild, das den Buddhismus darstellen soll, von einem aus gelb-orangen Polyesterharz bestehenden Umriss überlappt, der wie die Kutte eines buddhistischen Mönches wirkt.

Die sehr gut besuchte Vernissage am Samstagnachmittag wurde von Lothar Ratei aus Düsseldorf gestaltet. Er ist der Ehemann der italienischen Künstlerin und verstand es, in kurzer, prägnanter Form die Herstellungs- und Darstellungsweise der gezeigten Werke zu erläutern. Präsentiert werden die Prandi-Bilder in der ehemaligen Scheune des in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstandenen Anwesens. Galeristin Angelika Kühnen nutzt diesen Bereich (wie berichtet) seit September des vergangenen Jahres für Wechselausstellungen.

Noch bis zum 13. März geöffnet

Gezeigt wird die Ausstellung „Doppi pensieri” noch bis zum 13. März. Geöffnet ist sie samstags und sonntags von 12 bis 17 Uhr.

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