Stolberg - Hotels und Gaststätten klagen über weniger Auszubildende

CHIO-Header

Hotels und Gaststätten klagen über weniger Auszubildende

Von: Robert Flader
Letzte Aktualisierung:
„Viele haben andere Vorstellu
„Viele haben andere Vorstellungen”: Azubi Liane Joußen schenkt im Hotel zum Walde ein. Foto: Eisenmenger

Stolberg. Es könnten zwei Jahre sein, vielleicht auch drei. Oder mehr. Wann er im Parkhotel das letzte Mal einen potenziellen Auszubildenden per Handschlag begrüßte, das weiß Dirk Stock auf Anhieb nicht.

Im Grunde spielt es auch keine Rolle, denn das Thema „Azubi” liegt in dem kleinen Betrieb am Hammerberg schon seit einiger Zeit auf Eis. „Und es ist nicht so”, sagt der Inhaber, „dass wir keine geeigneten Bewerber mehr finden. Wir erhalten überhaupt keine Bewerbungen mehr.”

Das Problem des Parkhotels steht stellvertretend für eine Entwicklung, die das Hotel- und Gaststättengewerbe zunehmend in ernste Schwierigkeiten bringt. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) schätzt, dass den Hotels und Gaststätten in der Städteregion zum neuen Ausbildungsjahr 2012/13 127 Azubis fehlen, Tendenz stark steigend.

„Azubi-Offensive” geplant

Und jetzt? Nun, eine „Azubi-Offensive” soll helfen, wieder mehr Köche, Hotelfachfrauen und -männer in die Küchen, Zimmer und Speisesäle der Region zu entsenden, um den Fachkräftemangel aufzuhalten. Konkret will die NGG in den laufenden Tarifverhandlungen die Qualität der Ausbildung verbessern, Arbeitsbedingungen attraktiver gestalten und für mehr Lohn kämpfen. Es sind Forderungen, die sich gut und einfach anhören - und möglicherweise doch nur ein Teil der Problemlösung sein könnten. Vielleicht ist es dafür aber auch schon zu spät, um junge Leute wieder für das Hotel- und Gaststättengewerbe zu begeistern.

Im Parkhotel, in dem tatsächlich bereits vor mehr als vier Jahren die letzte Auszubildende ihre Arbeit aufgenommen hatte, sind die Schwierigkeiten wohlbekannt: „Die Arbeitszeiten, die Schichten am Wochenende wiegen schwer”, gibt Dirk Stock zu. „Aber die ganze Misere fing mit der Senkung der Hotel- und Mehrwertsteuer an. Das ist nach wie vor ein Debakel für unseren Beruf, wir kommen vom Image her gleich hinter raffgierigen Börsenmaklern.”

Geld ist ein ganz gutes Stichwort: Ein angehender Einzelhandelskaufmann im Vergleich verdient im ersten Lehrjahr (in den alten Bundesländern) etwa 620 Euro im Monat, ein Hotelfachmann 520 - brutto. Stock: „Keine Frage, das schreckt ab.”

Seit 2006 führt er, der auch Vorsitzender der Dehoga-Ortsgruppe (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) seinen Betrieb in der Kupferstadt, und mit jedem Jahr sei es schwieriger geworden, geeignete Bewerber für eine Ausbildung zu gewinnen - bis im vergangenen Jahr noch nicht mal eine einzige Bewerbung am Hammerberg ankam. „Die jungen Leute können sich nicht mehr für diesen Beruf begeistern. Zumindest die meisten nicht”, sagt Stock. Nur das

Diese Meinung hat er nicht exklusiv, ein paar Kilometer weiter, im Vichter Landhaus, haben die Inhaber gleich Konsequenzen aus dem Mangel an brauchbaren Nachwuchsleuten gezogen. „Auszubildende? Haben wir gar nicht mehr”, sagt Hotel-Chef Stefan Gogic. „Wir haben wirklich schlechte Erfahrungen gemacht. Viele junge Leute haben ganz andere Vorstellungen von diesem Beruf.” Abbrecherquoten zwischen 60 und 70 Prozent seien in den vergangenen Jahren keine Seltenheit gewesen. „Es bringt ja nichts, wenn die Leute innerhalb der ersten drei Monate direkt wieder aufhören.”

So ging es nicht weiter: Die Gogic-Brüder Stefan und Robert, denen Hotel und Gaststätte Vichter Landhaus gehören, haben im vergangenen Herbst für ihre beiden Betriebe einen Ausbildungsstopp verhängt. „Und wenn wir es irgendwann wieder versuchen sollten, dann nur mit Bewerbern von außerhalb”, sagt Stefan Gogic. Warum? „Die haben ihren unmittelbaren Freundeskreis nicht hier, für sie steht nicht die Party am Wochenende, sondern ihre Arbeit an erster Stelle.”

Dieses Anspruchsdenken und Freizeitverhalten sei, so sagt Eva Carlitz, „anders geworden”. Die Chefin des Zweifaller Hotel zum Walde hat auch innerberuflich ein grundsätzliches Umdenken festgestellt: „Viele denken, dass man als Hotelfachmann in erster Linie Manager-Aufgaben übernimmt.” Das sei „natürlich Quatsch”.

Was wirklich zähle, so sagt es Carlitz, das werde bei der Diskussion um Geld, Zeit und Perspektive leicht vergessen: „Die Leistung am Gast ist letztlich entscheidend.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert