Höhepunkt im Stolberger Kulturleben

Von: mlo
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Hochmotiviert (v.l.): Kalliopi
Hochmotiviert (v.l.): Kalliopi Zavridi, Jia Li Yang, Margit G. Fodor, Roman Verhees, Maria Francés Pena und Zoé Karlikow. Foto: M.L. Otten

Stolberg. Es gibt nicht viele Konzertveranstaltungen, die sich gleich drei programmatische Höhepunkte leisten. Zu groß ist die Gefahr, dass der eine dem anderen die Show stiehlt.

Das Eröffnungskonzert im Rahmen des Stolberger Musiksommers mit dem Dvorák-Quartett des Aachener Hochschulstandorts für Musik und Tanz mit Roman Verhees und Kalliopi Zavridi (beide Violine), Maria Francés Pena (Viola) und Zoé Karlikow (Violoncello) zählte jedoch mit den drei viel zu selten aufgeführten Kompositionen zu den Höhepunkten im Stolberger Kulturleben überhaupt.

Im Rittersaal der Burg gaben die Künstler gleichzeitig ein lebendes Beispiel für gelungene Globalisierung in der Musik. Die hochmotivierten Musiker aus Deutschland, Griechenland, Spanien und Frankreich glänzten durch kompetente und lebensfrische Interpretationen, homogenes und ausdrucksstarkes Spiel. Schon das erste Stück, „Divertimento I D-Dur”, von Wolfgang Amadeus Mozart im Alter von 15 Jahren komponiert, verlangte den jungen Virtuosen alles ab. Sie bewiesen ein bemerkenswertes Einfühlungsvermögen, wussten jeden Satz einzeln in seinen Charakterzügen wiederzugeben und ihn trotzdem in ein Ganzes einzufügen. Saubere Intonation war selbstverständlich.

Aus der Interpretation von Dmitri Schostakowitschs „Streichquartett c-Moll op 110” , dem achten und berühmtesten seiner Streichquartette, klang deutlich die Trauer des Komponisten über die Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg, aus deren Anlass das Stück geschrieben wurde. Von fünf Sätzen drei „Largo” zu nennen, bedarf schon eines starken Mitgefühls. Das wussten die Streicher musikalisch darzustellen. Stellenweise war die vom Werk ausgehende Spannung kaum zu ertragen - was gewollt ist - und besonders in den Schostakowitschs Initialen „D-Es-C-H” am Anfang und am Ende beeindruckend wirkte.

Sopranistin setzt Akzent mit Arien

Einen vokalen Akzent setzte die junge ungarische Sopranistin Margit G. Fodor. Mit raumgreifender und gepflegter Stimme intonierte sie zwei Arien von G.F. Händel und J.S. Bach, deren emotionaler Gehalt sehr eindringlich und klangsinnlich war. Begleitet wurde sie am Cembalo von der in Toronto aufgewachsenen und jetzt in Köln lebenden Chinesin Jia Li Yang, an der Geige stand der Stolberger Roman Verhees, dessen künstlerische Verbindungen diesen Auftritt erst möglich gemacht hatte.

Die mehrfach ausgezeichnete griechische Preisträgerin Kalliopi Zavridi spielte als Geigensolistin den dritten und vierten Satz aus der barocken „Sonate Nr. 2 a-Moll” von Johann Sebastian Bach. Mit bester Technik und fein durchdachter Artikulation vermochte sie das Publikum zu überzeugen. Ein wichtiges Anliegen dieser Kammermusiker war es, Musik nicht nur hörbar, sondern für die Zuhörer auch erfahrbar zu machen. Die hervorragenden und so lebhaft gestalteten Werkeinführungen von Peter Verhees setzten hier einen wesentlichen Akzent.

„Amerikanisches Quartett”

Antonin Dvorák, der dem multikulturellen Quartett den Namen gab, schrieb sein „Streichquartett in F-Dur” während seiner Jahre in Amerika zwischen 1892 und 1894, daher der Beiname „Amerikanisches Quartett”.

Es zählt zu den Schlüsselwerken des tschechischen Komponisten und kennzeichnet die Sehnsucht nach dem geliebten Böhmen und die Lust am Entdecken des Neuen, die Anklänge an indianische Weisen und Schilderung einer weiten und wilden Natur, wie sie Europa nicht kennt. Mit Charme und Musizierfreude gestalteten die brillanten Musiker das vom Jazz inspirierte Werk. Stimmungsschwankungen, die das Stück beherrschen, gelangen perfekt und rissen das Publikum mit.

Am Ende gab es Bravorufe und verdienten Beifall für ein Programm, das wahrlich mehr Zuhörer verdient gehabt hätte. Weiter geht es im Musiksommer mit dem Vuillaume Trio aus München, das am 23. Juni, 20 Uhr, im Rittersaal der Burg Klaviertrios von Joseph Haydn, Hans Pfitzner und Ludwig van Beethoven spielen wird.
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