Stolberg - Hochwasserschutz: Beim Sandsack kann man vieles falsch machen

Hochwasserschutz: Beim Sandsack kann man vieles falsch machen

Von: Heike Eisenmenger
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THW-Ausbilder Thomas Johnen (l
THW-Ausbilder Thomas Johnen (l.) und einige Kursteilnehmer errichten hier eine Quellkade.

Stolberg. Einen Sandsack zu befüllen, das dürfte ja wohl kein Problem darstellen - sollte man meinen. „Ist der Sandsack zu voll, wird er kugelförmig und lässt sich nicht mehr planmäßig aufschichten. Dadurch würde der Schutzwall durchlässig und auch instabil”, erklärt Ausbilder Joachim Mülly den Teilnehmern des THW-Lehrgangs „Deichsicherung und Hochwasserschutz”.

„Ist zu wenig Sand drin, ist die Saugfähigkeit geringer, und das Stapeln wird schwieriger.”

Das vorschriftsmäßige Befüllen von Sandsäcken ist also keine Erbsenzählerei, sondern eine Notwendigkeit bei der Deichsicherung und bei Hochwasseralarm. Tausende Sandsäcke werden bei Hochwasser zu Wällen aufgeschichtet. Wie das geht und wie man effizient „stapelt”, erklären Mülly und sein Kollege Thomas Johnen den Teilnehmern in der Theorie und in der Praxi.Das eintägige Seminar wird auf Wunsch des Wasserverbandes Eifel-Rur und des Erftverbandes Bergheim durchgeführt, die rund 30 Mitarbeiter zum Lehrgang in der Unterkunft des Technischen Hilfswerks (THW) in Stolberg geschickt haben.

Das richtige Befüllen und Stapeln von Sandsäcken, ja selbst das Anreichen will gelernt sein. „Wir bieten Lehrgänge zur Deichsicherung an, die eine Woche und länger dauern. Es steckt weit mehr dahinter, als nur Sandsäcke zu füllen”, betont Wolfgang Friebe, Geschäftsführer des THW Aachen, mit Blick auf die Teilnehmer, die sich zu einer Menschenkette formieren, um die Sandsäcke vom Lastwagen zum wenige Meter entfernten „Einsatzort” zu transportieren.

Faustregel beim Aufstellen

Bei der Aufstellung gilt eine Faustregel: Die Helfer stehen einander - leicht diagonal versetzt - gegenüber. Das ist viel ökonomischer, als sich nebeneinander aufzureihen. Die erste Variante hat zwei elementare Vorteile: Beim Anreichen wird der natürliche Schwung ausgenutzt, und außerdem werden Rücken, Hüfte und Arme weniger belastet, weil der Oberkörper nicht so stark gedreht werden muss. Das schont die Kräfte.

Es geht zu wie in einem Bienenstock auf dem THW-Gelände an der Ostraße. Eine Gruppe baut eine sogenannte Quellkade, die sich wie eine Art Ring um das Leck schließt. Der Kerngedanke dabei ist, dass das aufgestaute Wasser einen Gegendruck zum ausströmenden erzeugt.

„Ein Deich ist im Prinzip nichts anderes als ein großer Haufen Sand mit einer Tonschicht darüber. Ist der Deich nun undicht und tritt an einer Stelle viel Wasser aus, werden auch Sedimente mit herausgespült.” Das kann gefährlilch werden, weil die Deichkonstruktion wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen könnte, wenn zuviel Material ausgespült wird. „Man darf nicht vergessen, welche Kräfte hier im Spiel sind”, betont Mülly.

Eine Quellkade zu errichten ist eine der Maßnahmen, die die Teilnehmer beim THW-Seminar lernen. Auch wenn es hier in der Region keine Deiche gibt, so aber wohl Talsperren und Staubecken. Und es kann durch heftige Schneeschmelzen zu Überschwemmungen und auch Rissen im Bauwerk kommen. Darum legen die Wasserbände Wert darauf, ihre Mitarbeiter für den Ernstfall fit zu machen.

„Wir haben unterschiedliche Stationen durchgearbeitet”, resümiert Teilnehmer Hinrich Doering vom Erftverband. Die Idee, Mitarbeiter für den Ernstfall zu schulen, findet der 56-Jährige sehr sinnvoll. Entstanden sei das Ganze vor dem Hintergrund eines realen Einsatzes der Feuerwehr in Erfstadt, ausgelöst durch eine starke Schneeschmelze.
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