Himalaya-Marathon: „Ein bisschen verrückt muss man schon sein”

Von: Lukas Franzen
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Stolberg. Von seinen Reisen und sportlichen Höchstleistungen haben bisher nicht viele Menschen Notiz genommen. Dies könnte sich bald ändern. Dann nämlich, wenn die Veranstalter des Everest-Marathons das Interview eines tibetischen Kamerateams mit dem Stolberger Ausnahmesportler Udo Preetz auf DVD pressen lassen und er einem weltweiten Publikum von seinen Erfahrungen im Himalaya-Gebirge erzählt.

Der höchste Marathon der Welt: Für Preetz war es der 50. Lauf dieser Art, seitdem er im Jahre 2005 den Laufsport für sich entdeckte. Stolz trägt der 60-Jähige das rot-weiße Trikot des Everest-Laufs in seiner Freizeit wie auf der Arbeit, als wolle er damit sagen: „Ich war da und habe durchgehalten.” Am 29. Mai zählte er bei der 10. Ausgabe des Bergspektakels zu einem der ältesten unter den rund 170 Teilnehmern - darunter lediglich sieben Deutsche. Insgesamt drei Wochen verbrachte der Beamte im tibetischen Hochland. 14 Tage so genanntes „Trekking” standen vor dem eigentlichen Wettbewerb auf dem Programm, um den in 5364 Metern gelegenen Startpunkt am „Everest Base Camp” zu erreichen und sich an die Höhe zu gewöhnen.

In Sichtweite: Das Lager jener Wandergruppe, zu der auch der tödlich verunglückte Dr. Eberhard Schaaf und sein Freund Paul Thelen aus Würselen zählten. „Kontakt zu der Gruppe hatten wir aber keinen”, erzählt Preetz, leidenschaftlicher Bergsteiger seit 30 Jahren. Wer das Haus der Familie betritt, wird bereits von einem Gipfelstürmer in Siegerpose empfangen. Auf einem Foto im Flur posiert der Familienvater auf der Spitze des über 7000 Meter hohen Pik-Lenin-Bergs, an der Grenze zu Tadschikistan und Kirgisistan gelegen - sein bis dato höchster Berg. Weitere rund 20 sogenannter „6000er”- und noch mal so viele „5000er”-Berge hat er in seinem Leben schon bestiegen, schätzt der Weltenbummler.

Ob „Ojos del Salado” in Chile oder „Nevado Huascarán” als höchster Gipfel Perus, Preetz ist weit gereist und jeder, der die Treppen seines Hauses „erklimmt”, wird durch die zahlreichen Momentaufnahmen von den Bergen dieser Welt mit dem außergewöhnlichen Hobby des gebürtigen Stolbergers konfrontiert. Im Wohnzimmer der Familie wechseln sich derweil „typisch deutsche” Holzschnitzereien, Bergsteigerskulpturen und Buddha-Gottheiden ab.

Mitbringsel aus der ganzen Welt

Es sind Mitbringsel seiner zahlreichen Reisen, die für Preetz auch immer ein Stück Kultur und nicht nur sportliche Verausgabung gewesen sind. „Nicht alle Touren meines Mannes mache ich mit”, erzählt Preetz Ehefrau Hildegart. „Und natürlich bin ich immer erleichtert, wenn er wieder zu Hause ist”, beschreibt sie die schmale Gradwanderung zwischen Angst vor Überschätzung und Respekt vor den Leistungen ihres Mannes. „Immerhin nimmt er jetzt immer sein Handy mit.” Eine Kopfsache sei das vor allem, entgegnet der RWTH-Bedienstete auf die Frage, ob er nicht manchmal ans Aufgeben denke.

„Natürlich gehören eine gewisse Ausdauer, Erfahrung und Training dazu”, meint Preetz dazu, doch man wachse eben mit seinen Aufgaben, und was man einmal geschafft hat, das betreibe man eben weiter. Gleichzeitig gesteht er: „Ein bisschen verrückt muss man natürlich auch sein.” Keine Ermüdungserscheinungen oder Schmerzen? Keine Angst davor, seinen Körper doch einmal falsch einzuschätzen? Wenn Udo Preetz von seinen außergewöhnlichen Läufen wie zuletzt beim „Zugspitz Ultratrail” erzählt, ist davon keine Rede. Dafür berichtet der „ambitionierte Freizeitläufer” wie er sich selber charakterisiert, anschaulich von beeindruckenden Sonnenaufgängen, glühenden Bergen, Lichtern im Tal und unbekannten Geräuschen im Wald, als hätte er all das während eines entspannten Spaziergangs erlebt. Tatsächlich meisterte er den 100 Kilometer langen Lauf rund um die Zugspitze innerhalb von 23 Stunden und 50 Minuten.

Unglaubliche Distanzen

„Laufen ist für mich viel mehr als reine Gewichtsreduzierung”, stellt Preetz klar. „Für mich ist das sowas wie eine Philosophie, bei der ich meine Freiheit extrem ausleben kann.” Viel ruhiger sei er durch den Sport geworden, spricht von wahren „Glücksgefühlen und tiefer Ausgeglichenheit” und dem Bedürfnis, die Natur mit allen Sinnen genießen zu wollen.

Der Wettkampfgedanke stehe dabei nicht im Vordergrund. Werbung möchte der Marathon- und „Ultraläufer” - so die Bezeichnung für Sportler, die Strecken jenseits der Marathondistanz bewältigen - auch in seiner Heimatstadt für den Laufsport machen und ist Mitglied des „LT Projekts 2010”.

Bei den unglaublichen Distanzen eines Udo Preetz kaum vorstellbar: „Laufen ohne Schnaufen” lautet das Motto des Lauftreffs, das aktuell sieben Mitglieder zählt. „Wir sind gemeinsam auf verschiedenen Strecken unterwegs und genießen die Natur mit moderater Laufgeschwindigkeit und ohne Zeitvorgaben”, sagt der Ultra-Läufer, keineswegs müde von seinen letzten Ausflügen im Himalaya und auf der Zugspitze. Am 19. Juli zieht es den Bergsteiger schon wieder in die Ferne. Dieses Mal nach Bolivien auf den „Sajama” - ein weiterer „5000er” auf der langen Gipfel-Liste des Udo Preetz. Sein Traum als Läufer: Einmal am Transalpin-Run in acht Tagesetappen durch drei Länder über die Alpen teilzunehmen. „Doch dafür benötige ich noch einen Partner”, erklärt Preetz. Eine Teilnahme sei hier nur als Duo möglich. „Laufen ohne Schnaufen”? Bei diesem 320-Kilometer-Vorhaben wohl eher nicht umsetzbar.
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