Hilfe aus Stolberg macht Kinder in Uganda glücklich

Von: Luisa Houben
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Mit Begeisterung bei der Sache: Musik ist ein wesentliches Element des Hilfsprojektes „Gichbelu“. Die gespendeten Instrumente aus Stolberg kamen bestens an. Foto: L. Houben

Stolberg/Kampala. 15 Kilometer vom lauten und chaotischen Stadtkern von Kampala entfernt ertönt ein Trommelwirbel. Eddy (9) trägt einen Holzstab, der mal der Pfosten eines Bettes war, im Takt zur Musik voraus. Dahinter folgt eine Schar von Jungen und Mädchen mit Posaunen, Trompeten und Trommeln.

Die Band ist am Brunnen auf dem Gelände des Projekts „Gichbelu“ (Give children a better life in Uganda – gebt Kindern ein besseres Leben in Uganda) gestartet und zieht in einem Bogen vorbei an einem Unterstand für Schweine und auf die große grüne Wiese vor dem Haus. Geordnet stellen sich die Musikanten auf. Einige Kinder und Jugendliche, die kein Instrument tragen, weil es nicht für jeden eins gibt, setzen sich auf Holzbänke. Die anderen stimmen ihren ersten Song an.

Es sind Ferien in dem Vorort von Kampala. Jeden Nachmittag kommen die Kinder zur Probe. Acht Jungen unter ihnen nennen das Gelände des „Gichbelu“ seit 2014 ihr Zuhause. Das Projekt ist initiiert von einer ugandischen Initiative, die Straßenkindern ein Zuhause gibt und aus Deutschland und den Niederlanden unterstützt wird.

Aufgewachsen sind die heute 13- bis 19-Jährigen in einem Slum in der Innenstadt. Viele von ihnen haben ihre Eltern verloren, wurden misshandelt, arbeiteten statt zur Schule zu gehen und bekamen tagelang nichts zu essen. Eine Gruppe von älteren Ugandern, die selber in dem Slum aufgewachsen sind, holten sie dort heraus.

Einer von ihnen ist Vincent, er lebt gemeinsam mit den Jungs in dem Haus und betreut sie. Ohne die internationale Hilfe würde es Gichbelu“ nicht geben. Magdalena Tröndle war 2015 als Freiwillige in Kampala, lernte Vincent und die Jungen kennen und bot mit einer Freundin aus Holland finanzielle Unterstützung an.

Ein eigenständiges Leben

Heute finanzieren sie mit Spenden die Miete für Haus und Gelände, die Mahlzeiten und die Kleidung. Außerdem hat jeder der acht Betreuten einen Sponsor. Mit der monatlichen Spende von 35 Euro werden die Schulgebühr, Bücher, Hefte und Exkursionen bezahlt. „Ich finde es erstaunlich, mit wie wenig Geld man hier für ein einzelnes Kind so viel verändern kann“, sagt Tröndle, die in Dresden internationale Beziehungen studiert. Das Ziel des Projekts ist, den mittellosen Kindern ein eigenständiges Leben zu ermöglichen und sie beim Erwachsenwerden zu unterstützen.

Tröndle ist zu Besuch gekommen und hat neue Instrumente mitgebracht. Eine Trompete und drei Posaunen, die in Kellern und auf Dachböden verstaubten. Vor ihrer Reise hatte Tröndle Freunde und Bekannte auf Facebook um Spenden gebeten. Auch die Stolberger Bürgerstiftung wurde darauf aufmerksam und bot ihr Instrumente an, die bei einer Sammelaktion für die Gesamtschule übriggeblieben waren. In der Kupferstadt gab es dafür keine Verwendung (mehr).

In Uganda sind die Kinder hingegen begeistert von den Spenden. „Ich freue mich sehr, das bedeutet uns viel“, sagt Andrew (20). Er kommt aus dem Nachbarort, studiert Musik und hat Anfang 2017 damit begonnen, die Jungen zu unterrichten. Anfangs waren es nur die acht aus dem Haus.

Irgendwann kamen Nachbarskinder dazu. „Erst hören wir den Song, lernen die Töne, und dann spielen wir“, erklärt Richard. Was leicht klingt, ist mit viel Aufwand verbunden. Notenlesen können nur Vincent und Andrew. Sie zeigen den anderen Teilnehmern die Griffe auf der Trompete oder Posaune, die diese dann nach Gehör spielen. Der Rhythmus kommt von alleine.

Sally, einer der Älteren, lehnt lässig an einer Palmen im Garten und spielt ein paar Takte von „Oh, When The Saints“ auf der Trompete. Ein Junge im orangefarbenen T-Shirt wiederholt. Noch stimmt etwas nicht. Wieder spielt Sally ihm die Passage vor und zeigt ihm die Griffe. Wartend sitzen drei andere Jungs im Schatten um sie herum. Dann ist der Nächste dran, ganz selbstverständlich wechseln sie sich ab. So lange, bis alle die Stimme spielen können.

Für den Besuch aus Deutschland haben die Kinder extra die Nationalhymne einstudiert. Ihre Intonation ist nicht perfekt. Es fehlt noch an Basstönen, weil es nur eine Tuba gibt. Und manchmal klemmt eine Taste der Trompete. An dem Strahlen in ihrem Gesicht ändert das aber nichts. Und vielleicht wird es ja demnächst noch einmal eine Instrumentenspende aus Stolberg geben...

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