Hermannschule macht aus Not eine Tugend

Von: Dirk Müller
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Fleißiger Helfer im Gestrüpp: Ralf Blees, Vater einer Schülerin, bei der Arbeit. Foto: D. Müller

Stolberg. Mit Helm, Handschuhen, Lärmschutz und weiterer Schutzkleidung ausgestattet, macht sich Ralf Blees mit seiner Kettensäge an den wuchernden Gehölzen des kleinen Wäldchens hinter dem Schulhof der Grundschule Hermannstraße zu schaffen.

Seine Tochter Christina besucht die erste Klasse der Schule, und für ihn ist es eine Selbstverständlichkeit, als einer von acht Eltern und Lehrern das bisher ungenutzte städtische Areal zu durchforsten. „Es macht richtig Spaß, weil wir gemeinsam etwas für die Kinder erreichen können”, erklärt Blees, während das Team voller Elan den Boden der Grünfläche begehbar macht.

Die „Laien” erhielten am Samstagmorgen zunächst eine Einweisung durch Bernhard Frings vom Tiefbauamt und wurden dann in ihrer Arbeit von zwei Arbeitern einer Gartenbaufirma unterstützt, die mit hydraulischer Arbeitsbühne und großem Häcksler angerückt waren, um das an den Schulhof angrenzende Gelände den Schulkindern zugänglich zu machen.

„In Zeiten leerer Kassen sind Zusammenarbeit und Eigeninitiative gefragt, um etwas zu bewegen”, analysiert Josef Braun, Amtsleiter des Tiefbauamts der Stadt Stolberg. Er lobt das Engagement von Eltern und Schule, die aus der Not quasi eine Tugend machen. Das Problem auf dem Schulhof in der Hermannstraße ist das Mauerwerk an Längs- und vor allem Kopfseite.

Beide Umrandungen stellen eine akute Gefährdung für die Schüler dar und sind seit gut einem Jahr durch einen Bauzaun gesichert, der Annäherungen an die Gefahrenzone verhindert. Während die Mauer an der Längsseite relativ leicht zu sanieren sei und dann wieder eine sichere Schulhofbegrenzung darstelle, sei das Mauerwerk, das den Hof vom dahinter befindlichen Wäldchen trennt, ein echter Problemfall, bekundet Braun.

Optimale Lösung

„Eine Sanierung des total maroden Mauerwerks wäre sehr aufwendig. Die Sicherung des Pausenhofs würde die Stadt weit über 20.000 Euro kosten”, erläutert der Amtsleiter. Die nun praktizierte Lösung des Sicherheitsproblems auf dem Schulhof sei daher sowohl für die Stadtverwaltung als auch für die Schule optimal: Die Stadt saniert die Mauer auf der Längsseite und baut einen neuen Zaun, der die städtische Grünfläche zur Eschweilerstraße hin abgrenzt.

Das Mauerwerk zwischen dem Wäldchen und dem Pausenhof wird von der Initiative aus Eltern und Lehrern abgerissen, so dass die Hermannschule rund 1200 Quadratmeter Natur zu ihrem Betonschulhof hinzu gewinnt. Die Kosten, die der Stadt durch die notwendige Sicherungsmaßnahme entstehen, beziffert Braun auf zirka 12000 Euro, also nur ungefähr die Hälfte dessen, was die Sanierung des alten Mauerwerks ausgemacht hätte.

Pädagogischer Nutzen

Die Schüler der Grundschule profitieren durch eine geplante naturbelassene Bewegungslandschaft inmitten der Stadt, die in Kooperation mit der Jugendberufshilfe Stolberg entstehen wird. „Es ist für die Kinder wichtig, die Natur erleben zu können und ihren Wert schätzen zu lernen”, meint Erzieherin Brigitte Müller, die ob des zu erwartenden pädagogischen Nutzens des Geländes zu den Erwachsenen gehört, die kräftig mit anpacken, um das Projekt zu verwirklichen.

Sie verweist darauf, dass die Grundschüler von Beginn an aktiv in die Umsetzung eingebunden sind: „Den Müll in dem Wäldchen haben die Schüler zuvor schon selbst entsorgt. Das waren zwei große Säcke voll, und die Kinder haben unter anderem ein Fahrrad und eine Satelliten-Schüssel zu Tage gefördert.”
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