Heinrich-Heime-Brücke: Klares Plädoyer gegen Fußgänger-Variante

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
bridge17bus
Dem Viertel sollen weiterhin alle Möglichkeiten offen stehen: Die Bürger sprachen sich für einen Neubau der Heinrich-Heimes-Brücke aus. Foto: Lange

Stolberg. Das Votum am Ende war deutlich: Keiner der nur rund 20 Anwesenden sprach sich bei der Bürgerbeteiligung für eine Fußgängerbrücke auf der Mühle aus.

Im Gegenteil: Fast alle sprachen sich für die Beibehaltung einer Fahrzeugbrücke über die Vicht zwischen Salm-/Eisenbahnstraße und der Eschweilerstraße aus - allen voran das Stolberger Metallwerk der KME.

Sanierungsbedürftig ist die Heinrich-Heimes-Brücke, die ehemals die Landesstraße 238 trug. „Eine Sanierung, die Schwerlastverkehr weiterhin ermöglicht, ist nicht möglich”, blickte Fachbereichsleiter Josef Braun kurz in die Vergangenheit der für Belastungen ab 12 Tonnen seit sechs Jahren gesperrten Brücke.

Ihr Neubau wäre mit Kosten von rund 560.000 Euro verbunden. Angesichts der Finanzlage habe er nach einer Alternative gesucht und sie in einer mit rund 190.000 Euro zu Buche schlagenden Fußgängerbrücke ausgemacht. Diese reiche aus Sicht Brauns angesichts der auf 400 Meter Abstand vorhandenen beiden schwerlasttauglichen Brücken in Europa- und Frankentalstraße aus. Der Werksverkehr der KME sei sichergestellt und könne wie derzeit auch weiter über Eschweiler- und Birkengangstraße abfließen.

Dem widersprach vehement KME-Werksleiter Leo Bergstein auch namens des Betriebsratsvorsitzenden Heins Meuser. Das Stolberger Metallwerk sei auf die Heinrich-Heimes-Brücke angewiesen - aus Gründen der Zukunftssicherung wie auch zur reibungslosen Abwicklung des Werksverkehrs. Denn als Zulieferer der Automobilindustrie dürfe es keine Probleme bei der zeitgerechten Auslieferung der Produkte geben. Diese könnten sich jedoch sehr schnell ergeben, beispielsweise bei einem Unfall, Rohrbruch oder anderweitigen Sperrung der Ausfahrtsstrecke.

Bergstein erinnerte an alte Zusicherungen der Stadt bei der Zusammenlegung der beiden Werksteile 2003 an der Kupfermeisterstraße, aber auch an die im Rahmen der Genehmigung nach Bundesimmissionsschutz-Gesetz „geplanten, beantragten und genehmigten Streckenführung für den Werksverkehr”, sagte Bergstein: „Und diese Genehmigung beinhaltet die Route über die Heinrich-Heimes-Brücke.”

Darüber hinaus sei das seit 2004 geltende Provisorium ungeeignet, Schwerlastverkehr - durchschnittlich 20 Lkw am Tag - abzuwickeln. Bereits beim Abbiegen aus dem Werkszubringer in die Eschweilerstraße seien die Lkw-Fahrer gezwungen, verkehrswidrig die Gegenfahrbahnen zu benutzen. Dennoch reiche der Radius nicht aus, die Bürgersteige von der Lkw-Belastung zu verschonen. „Das ist nicht nur ein untragbarer Zustand, sondern auch gefährlich für alle Beteiligten”, so Bergstein.

Der Werksleiter versäumte es aber auch nicht, die Rolle des Kupferstädter Werks im Konzernverbund zu beleuchten, der als internationales Unternehmen an 14 Standorten produziere und 6700 Mitabreiter in 16 Ländern weltweit beschäftige. „Da steht der Standort Stolberg mit seinen 240 Mitarbeitern, 150 Millionen Euro Umsatz und 22000 Tonnen Produktion immer auch im internen Wettbewerb”, mahnte Bergstein.

„Unsere Position darf in keinster Weise geschwächt werden.” Aber eine Verschlechterung der strategischen Bedeutung des Metallwerks innerhalb Konzerns würde der Verzicht auf den Neubau der Heinrich-Heimes-Brücke bedeuten: „Der Totalverlust eine industriell bedeutsamen Strecke für alle Zeiten”, zeigte Bergstein auf. „KME kann es sich nicht leisten, dauerhaft auf die Lkw-Ausfahrt über die Heinrich-Heimes-Brücke zu verzichten.”

Eine Position, die auch Hartmut Simmelink-Weinstein (SPD) stützte: „Ich habe Bedenken, einen Zustand zu schaffen, der nicht mehr umkehrbar ist”, sagte der Ratsherr. Denn das einzige Argument, das für eine Fußgängerbrücke spreche, sei das finanzielle. Dies betonte auch Paul M. Kirch (CDU), der zudem die städtebauliche Situation in den Blickwinkel rückte. „Wir haben vor einigen Jahren die einst gesperrte Eschweilerstraße eigens wieder für den Verkehr geöffnet, weil eine Verödung des Viertels mit leerstehenden Geschäften drohte”, warnte der Ratsherr vor „einem Exitus wie im oberen Steinweg”.

Rückendeckung für den Brücken-Neubau gab es auch aus der Frankentalstraße, die eine weitere Lkw-Belastung vor ihrer Haustüre zusätzlich zum das Werk anfahrenden Verkehr befürchteten. Anwohner der Eschweilerstraße nannten die heutige Situation gar „ein Fiasko”, der gepflasterte Platz sei „bald ein Trümmerhaufen”. Anwohner der Hermannstraße befürchteten bei einer Fußgängerbrücke, die Abnabelung ihres verbliebenen Straßenstückes und eine Zunahme der Probleme durch den „Schülerspezialverkehr” durch die Eltern. Ohne richtige Brücke würde mehr Verkehr in die Hermannstraße gezogen, die ohnehin problematische Verhältnisse aufweise. Eine Sicht, die auch vom Bezirksbeamten der Polizei, Hanns Creutz, geteilt wurde.

Als Leiterin der Grundschule Hermannstraße enthielt sich Renate Krickel zwar einer Stellungnahme zur Brückenfrage, betonte aber, dass ein möglicher Wendeplatz für Fahrzeuge vor dem Schulgebäude nicht erwünscht sei.„Wir ziehen es vor, dass die Kinder zu Fuß kommen.” Nur eine Anmerkung wollte am Ende der Diskussion sich Renate Krickel nicht verkneifen. „Ich höre, dass man hier bereit ist, 560.000 Euro in eine Brücke, aber keine 150.000 Euro in einen Schulhof zu investieren.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert