Hauptschulkrise: „Tektonik des alten Schulsystems ist zerbrochen”

Von: Michael Grobusch
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Sieht das klassische Schulsyst
Sieht das klassische Schulsystem für die Anforderungen der Zukunft als nicht geeignet an: Wolf Krämer-Mandeau. Foto: M. Grobusch

Stolberg. In der nächsten Woche wird die sprichwörtliche Katze aus dem Sack gelassen. Dann will die Stadt Stolberg ihre Vorlage für die Schulausschuss-Sitzung am 17. Mai (16 Uhr, Ratssaal) herausgeben. Kernpunkt wird die Beantragung einer Gesamtschule zum Schuljahr 2012/13 sein. Doch nicht nur darum wird es gehen.

Zu klären ist vielmehr zudem, welche Auswirkungen die für Stolberg neue Schulform auf die übrigen Einrichtungen im Stadtgebiet hat und wie die Schullandschaft der Kupferstadt auch unter Berücksichtigung der generellen gesellschaftlichen Entwicklungen zu gestalten ist. Schulentwicklungsplaner Wolf Krämer-Mandeau hat im Gespräch mit unserer Zeitung einen Ausblick skizziert - mit dem Schwerpunkt Hauptschule.

Die verbindliche Grundschulempfehlung ist abgeschafft worden, die Anmeldezahlen sind rückläufig, und in Stolberg wird es demnächst eine Gesamtschule geben. Wie bewerten Sie vor diesem Hintergrund die Situation der Hauptschule?

Krämer-Mandeau: Ohne verbindliche Empfehlungen wird das Hauptschul-Klientel zunehmend zur Realschule übergehen. Das verschärft die Situation weiter. Um es deutlich zu sagen: Wir wohnen dem Finale der Krise der Hauptschule bei. Es gibt viele Standorte in der Region, an denen schon im nächsten Schuljahr keine Eingangsklasse mehr gebildet werden kann. Die Hauptschule hat hervorragende Arbeit geleistet, doch die nachrückenden Eltern danken es dieser Schulform nicht.

Die Hauptschule in ihrer jetzigen Form ist also ein Auslaufmodell. Wir wirkt sich das auf die übrigen Schulformen aus?

Krämer-Mandeau: Es gibt in der Tat keine Anhaltspunkte, dass sich die Entwicklung der Hauptschule noch einmal ändern wird. Und mit der finalen Krise der Hauptschule in der Fläche beginnt die Krise der Realschule. Wenn es die Hauptschule nicht mehr gibt, hat die Realschule die Hauptschüler in ihren Sitzreihen. Das wiederum wird zu einer gewissen Abwendung von Teilen der Schülerschaft hin zum Gymnasium führen.

Die Gymnasien werden also die Gewinner in dieser Entwicklung sein?

Krämer-Mandeau: Auf den ersten Blick mögen sie vielleicht die Gewinner sein. Auf den zweiten Blick wird man aber erkennen, dass sie in Zukunft 40 bis 60 Schüler pro Jahrgang haben werden, die binnendifferenziert arbeiten.

Ist das im aktuellen Schulsystem möglich?

Krämer-Mandeau: Die Tektonik des alten Schulsystems ist zerbrochen. Was die Gesellschaft braucht, ist so differenziert, dass es das klassische System nicht mehr leisten und abdecken kann. Wir müssen uns erhebliche Gedanken machen, wie die zukünftige Schullandschaft aussehen kann. Und wir müssen uns zu neuen Ufern bewegen.

Was bedeutet das für die praktische schulische Arbeit?

Krämer-Mandeau: Wir müssen Übergänge schaffen in einem strukturierten Prozess und mit einem pädagogischen Programm. Dabei ist es wichtig, dass uns die qualifizierten Pädagogen - beispielsweise beim Übergang von der Haupt- in die Realschule - nicht verlorengehen. Außerdem sollte jede neue Schulform mindestens drei Parallelklassen haben, damit die Lehrerversorgung krisensicher ist und alle Fächer verlässlich angeboten werden können.
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