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Hannes Jaenicke: „Klimaschutz ist bei uns nicht sexy genug”

Von: Robert Flader
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Das große Ganze im Blick: Han
Das große Ganze im Blick: Hannes Jaenicke engagiert sich stark für den Klimaschutz. Foto: Heike Eisenmenger

Stolberg. Irgendwie kommt dann doch wieder der knallharte Leinwand-Profi in ihm durch, auch wenn es kein Krimi und keine Komödie ist, der Hannes Jaenicke diesmal seinen Stempel aufdrückt.

Der Schauspieler, der mit seinen Rollen in deutschen TV-Serien („Tatort”) und -Filmen („Die Sieger”, „Knockin on Heavens Door”) bekannt wurde, steht ernst im Foyer der EWV. Er möchte, und das sieht man ihm direkt an, eine Botschaft loswerden. Beim achten Unternehmerforum der Stolberger Energie- und Wasserversorgung GmbH, das von Bernd Mathieu, Chefredakteur dieser Zeitung, moderiert wird und sich mit dem Klimawandel beschäftigt, schlüpft Jaenicke in seine zweite wichtige Rolle jenseits der bloßen Unterhaltungsbranche: die des einfühlsamen Klimaschützers. „Regional kann ein immenser Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden”, betont er bei seinem Vortrag „Think global, act local”.

Jaenicke muss wissen, wovon er in Stolberg so offen spricht, denn: Der 52-Jährige reiste in den vergangenen Jahren um die Welt, beobachtete Haie, Eisbären, Gorillas und Orang-Utans rund um den Globus - oder besser gesagt: die, dienoch übrig geblieben sind. Seine Dokumentationsreihe über bedrohte Tierarten und ihre mehr oder weniger verschwundenen Lebensräume eroberte seitdem Millionen Zuschauer und brachte ihm auch eine internationale Auszeichnung ein. „Natürlich kann man fragen, was das direkt mit Klimaschutz zu tun hat”, sagt Jaenicke, und gibt gleich selbst die Antwort: „Alles, worum es bei der Ausrottung von Tierarten geht, wird von der Macht des Geldbeutels diktiert. Wenn niemand mehr Haifischflossen-Suppe isst, werden auch nicht mehr jedes Jahr bis zu 200 Millionen Haie getötet.” Jaenicke geht es um das Konsumentenverhalten, durch das die Wirtschaft letztlich gesteuert werde. „Wir haben im Kleinen einen großen Einfluss auf das, was weltweit passiert.”

Und dabei gehe es nicht nur um bedrohte Tiere, durch deren Ausrottung das ökologische Gleichgewicht stark gefährdet ist. „Wie kann es sein, dass in Deutschland 96 Prozent aller Porsche Cayennes Firmenwagen und damit steuerfinanziert sind und wir über den CO2-Ausstoß reden”, schickt der Schauspieler auch gleich einen Gruß an die deutsche Automobilindustrie, bei der das Motto „Noch größer, noch stärker, noch schneller” regiere.

Hybrid-Autos seien kaum vermittelbar. Jaenicke: „Die finden die Deutschen zu hässlich.” Vor allem das Thema Tempolimit, das bei der anschließenden Podiumsrunde heiß diskutiert wird, steht im Fokus: „Der Autokäufer, der Konsument will das nicht”, sagt Dr. Thomas Manth, Geschäftsführer von Odelo LED, das die Automobilindustrie vor allem mit Brems- und Heckleuchten versorgt.

„So einfach ist das nicht”, entgegnet Professor Andreas Wahner. Der geschäftsführende Direktor des Instituts für Energie- und Klimaforschung am Forschungszentrum Jülich sagt, dass ein Wandel noch nicht im Bewusstsein der Menschen angekommen sei: „Was wir brauchen, sind neue Technologien, die umweltbewusster sind - und gleichzeitig die Lebensqualität in etwa aufrecht erhalten.”

Im Grunde, sagt Jaenicke, könne jeder Mensch - und damit auch Unternehmen - bis zu 150 umweltrelevante Entscheidungen pro Tag treffen. „Im Haushalt muss kein Gerät unnötig Strom ziehen, im Supermarkt muss man keinen Fisch kaufen und im Bekleidungsgeschäft kein T-Shirt, das durch Kinderarbeit produziert wurde.”

Doch bei allem Engagement, Jaenicke weiß, dass Klimaschutz in Deutschland differenzierter wahrgenommen wird als in anderen Ländern: „Klimaschutz ist nicht sexy bei uns. Wir diskutieren lieber ein Jahr lang, wer ?Wetten dass..? moderieren soll.”

Übrigens: Hannes Jaenickes wichtigster eigener Beitrag zum Klimaschutz beläuft sich nach eigener Angabe auf genau 15 Euro im Monat: seine Stromrechnung...
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