Große Koalition fordert AVV-Stadttarif für Stolberg

Von: Michael Grobusch
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Weil viele AVV-Nutzer seit der Fahrplanumstellung mehr zahlen müssen, fordern CDU und SPD jetzt einen Stadttarif. Foto: D. Kinkel-Schlachter

Stolberg. Der Sturm der Entrüstung hat nicht lange auf sich warten lassen. Für viele Nutzer des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ist der Himmel wolkenverhangen. Denn mit der Einführung neuer Tarifzonen zum Fahrplanwechsel am 9. Juni hat der Aachener Verkehrsverbunds (AVV) die Gewohnheiten vieler Fahrgäste durcheinander gebracht.

Und nicht nur das: Gerade im innerstädtischen Bereich ist die (Einzel-)Fahrt nun mit deutlich höheren Kosten gebunden. Die City als Tarifeinheit ist passé, in der Regel endet der Kurzstreckentarif, wenn die zurückgelegte Strecke mehr als vier Haltestellen umfasst. Dann werden nicht 1,50 Euro fällig (vorher 1,60 Euro), sondern 2,55 Euro. Eine Preissteigerung, die jetzt auch die Politik auf den Plan ruft.

CDU- und SPD-Fraktion haben die neuen Tarifstrukturen am Dienstagabend in der Sitzung des Hauptausschusses kurzfristig zum Thema gemacht und in einem gemeinsamen Antrag die Einführung eines „Stadttarifs“ gefordert.

„Durch das neue System kommt es auf breiter Front zu gravierenden Preiserhöhungen von 70 Prozent. Dies ist nach einhelliger Meinung völlig inakzeptabel und wird von vielen als unsoziale Tarifpolitik bezeichnet“, erklärten Tim Grüttemeier (CDU) und Dieter Wolf (SPD) im Vorfeld der Sitzung gegenüber unserer Zeitung. Das neue System sei nicht nur kundenfeindlich und von vielen potenziellen Fahrgästen nicht mehr zu bezahlen; es berücksichtige zudem in keiner Weise die „besonderen Gegebenheiten in Stolberg“, so die Fraktionsvorsitzenden.

„Viele Bürger sind auf den Bus angewiesen, weil sie Höhenunterschiede von rund 15 Prozent – unabhängig von Entfernungen – nicht zu Fuß bewältigen können, der demografische Wandel wird die Zahl weiter erhöhen“, argumentierten die Vertreter der großen Koalition.

Wolf und Grüttemeier sprachen ein aus Stolberger Sicht weiteres Problem an, das der Politik allerdings nicht erst seit dem Fahrplanwechsel auf dem Magen liegt: „Durch die extreme Topographie ist die Stadt Stolberg im Vergleich zu Stadtgebieten in der Ebene stark benachteiligt und muss bei der ÖPNV-Umlage mit einem Anteil von 22,78 Prozent die absolut höchsten Kosten tragen.“

Während an dem Verteilungsschlüssel in absehbarer Zeit nicht zu rütteln sein dürfte, soll über den geforderten Stadttarif kurzfristig mit dem AVV verhandelt werden. Dazu zumindest hat die große Koalition Bürgermeister Ferdi Gatzweiler aufgefordert.

Änderungen wollen CDU und SPD grundsätzlich auch durch die Einführung eines „Beteiligungscontrollings“ erreichen, um in Zukunft frühzeitig über mögliche Entscheidungen informiert zu werden, die die Kupferstadt betreffen. Die Vertreter der Stadt Stolberg sollen fortan mit dem zuständigen Fachausschuss Vorgehensweise und Abstimmungsverhalten vor den Sitzungen der jeweiligen Verbands- bzw. Anteilseignerversammlungen absprechen.

Das betrifft neben dem AVV in erste Linie die Beteiligung am Wasserverband Eifel-Rur (WVER), an der Energie- und Wasser-Versorgung (EWV) und an der Regio-Entsorgung.

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