Sporter des Jahres Freisteller Sportlerwahl Sportlergala Freisteller

Goethe-Gymnasium: Kämmerer sieht Alternative zum Mensabau

Von: Kolja Linden
Letzte Aktualisierung:

Stolberg. Es ist eigentlich eine längst beschlossene Sache, dass das Goethe-Gymnasium wie geplant seine neue Mensa mitsamt der Erweiterungsräume bekommt. Eigentlich. Denn die Situation hat sich geändert, die Stadt ist aufgrund ihrer finanziellen Situation nicht mehr alleiniger Herr der Lage.

So steht es auch in der Vorlage für den Hauptausschuss, der am Mittwoch zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenkommt. Einziger Tagesordnungspunkt: Die Fortführung des Mensa-Neubaus.

Begründet wird die Dringlichkeit der kurzfristig einberaumten Sitzung damit, dass die Kommunalaufsicht der Städteregion „aufgrund der extremen finanziellen Situation der Stadt Stolberg und der damit drohenden Überschuldung” verfügt hat, dass alle Investitionen nochmals vom Rat auf ihre Notwendigkeit zu überprüfen sind. Weil für den Neubau am Goethe-Gymnasium, mit dem Anfang März begonnen werden soll, aktuell Auftragsvergaben in Höhe von 350.000 Euro anstehen, müsse über dessen Fortführung nun eine dringliche Entscheidung getroffen werden.

Den Beschluss des Stolberger Rates, dass alle Investitionen ab Planungsphase vier zu realisieren sind, hat die Kommunalaufsicht bereits kassiert. Phase vier ist die Genehmigungsphase von insgesamt neun Phasen, in die Bauvorhaben unterteilt werden. Im Falle der Goethe-Mensa findet man sich allerdings schon in Phase sieben, Aufträge in einer Gesamthöhe von 310.000 Euro sind bereits erteilt.

Bedenken ausgeräumt

Den Beschluss, die entsprechenden Mittel bereitzustellen, hatte der Rat der Stadt bereits am 27. Oktober 2009 gefasst. Damals galten Bedenken als augeräumt, weil die Stadt zu der Investition verpflichtet sei, da es sich um eine Fortsetzungsmaßnahme handele und weil sich die Investition nicht aufschieben lasse. Dies ging hervor aus einer Stellungnahme von Willi Esser, Leiter der Kämmerei, der in Abwesenheit des damals erkrankten Kämmerers Dr. Wolfgang Zimdars handelte.

Die nun vorliegende Beschlussvorlage, unterzeichnet von Bürgermeister Ferdi Gatzweiler, empfiehlt dem Hauptausschuss, die Erweiterung des Goethe-Gymnasiums fortzuführen. Doch genau das entspricht offensichtlich nicht dem Willen des Kämmerers, der erstens längst wieder gesund und zweitens gänzlich anderer Meinung ist, wie eine Stellungnahme Zimdars zeigt.

Darin teilt der Kämmerer nach Rücksprache mit der Kommunalaufsicht mit, dass neue Investitionen grundsätzlich nicht mehr zugelassen seien, bis die Überschuldungsgefahr beseitigt ist. Im Falle der Goethe-Mensa handele es sich um eine noch nicht begonnene Maßnahme.

Und der Kämmerer geht noch weiter: Der Erweiterungsbau für das Gymnasium sei wesentlich in der Einführung des gebundenen Ganztags begründet. „Dies war eine freiwillige Entscheidung der Stadt”, so Zimdars. Und somit seien auch die Bau- und Folgekosten freiwilliger Natur. Damit widerspricht der Kämmerer seinem Amtsleiter Willi Esser, der den Bau im Oktober als Pflichtleistung eingestuft hatte und dafür vom Bürgermeister mit einem Sonderlob bedacht worden war.

Zimdars dagegen bezeichnet die Entscheidung für den Bau sogar unabhängig von der Haushaltslage der Stadt als problematisch - unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit. Der Kämmerer führt an, dass der geplante, freistehende Solitärbau Baukosten in Höhe von 2 Millionen Euro verursache, wohingegen Mensen an anderen Schulen für maximal 200.000 Euro im Bestand errichtet werden konnten.

Erhebliche Folgekosten für Unterhaltung und Instandsetzung, Abschreibung Energie und Reinigung sieht er ebenfalls, und das alles angesichts eines prognostizierten Schülerrückgangs um 11 Prozent im Jahr 2014, wenn aufgrund der verkürzten Schulzeit die 13. Klassen entfallen.

Argumente, die Stefanie Luczak nicht nachvollziehen kann: „Selbst die Schulzeitverkürzung wird das Problem der Raumnot nicht lösen”, sagte die Schulleiterin auf Anfrage. Die bestehenden Räumlichkeiten seien selbst für eine geringere Anzahl von Schülern nicht ausreichend.

Und während der Hauptausschuss am Dienstag der Vorlage des Bürgermeisters folgen und den Mensa-Neubau so wie geplant beschließen soll, schlägt Zimdars Alternativen vor. So könnten zum Beispiel Räume der benachbarten Realschule I dem Goethe-Gymnasium als Speiseräume zur Verfügung gestellt werden, ein Ansinnen, das weder bei Luczak noch bei ihrem Kollegen von der Realschule, Ferdinand Küpper-Jacobs, auf Gegenliebe stoßen dürfte.

Der rang sogar nach Fassung, als er am Montag davon hörte. Gerade hat er im jüngsten Elternbrief von der pädagogischen Architektur des Neubaus geschrieben, die es mit Leben zu erfüllen gelte. Dass nun einige dieser Räume abgegeben werden könnten, hält Küpper-Jacobs für „realitätsfremd”. Und der Schulleiter ergänzt: „Ich bin erschrocken, dass es möglich ist, so etwas vorzuschlagen, ohne ein Wort mit dem betroffenen Schulleiter darüber zu sprechen.”

Als zweite Alternative bringt Zimdars eine Mensa im Bestand des jetzigen Goethe-Schulgebäudes ins Spiel. Diese in drei Klassenräumen einzurichten würde nach Abzug des Landeszuschusses lediglich 100.000 Euro kosten.

Weil als Ersatz für die wegfallenden Klassen Container aufgestellt werden könnten (Kosten: 120.000 Euro), seien für diese Maßnahme insgesamt 220.000 Euro zu veranschlagen. Mit Wegfall der 13. Klassen im Jahr 2014 könnten die Container wieder entfallen, so Zimdars.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert