Gibt es nach dem milden Winter viele Schädlinge?

Von: Valerie Barsig
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Warmes, sonniges Wetter treibt Hobbygärtner nach draußen: Primeln und Bellis können jetzt gesät werden, mediterrane Pflanzen haben draußen noch nichts zu suchen. Foto: dpa

Stolberg. Pünktlich zum Frühlingsanfang wird das Wetter noch einmal ordentlich warm: Bis zu 20 Grad werden erwartet. Das warme Wetter freut die einen, die anderen betrachten es noch mit Skepsis: Kleingärtner und Bauern glauben zwar nicht wirklich an noch einen Frost, aber sicher sein, könne man sich nicht.

Das sagt auch Josef Wintgens, der in Stolberg einen Acker- und Rindviehbetrieb hat. „Gäbe es noch einen Frost, wäre das schon ein kleiner Rückschlag für uns.“ Im Moment sei alles drei Wochen der Zeit voraus, sagt der Bauer.

Dass der Winter so mild war, sei nicht unbedingt nur ein Vorteil für die Pflanzen gewesen. „Eigentlich braucht man schon Frost im Boden der Ackerflächen“, sagt Wintgens. Denn so würden Schädlinge bekämpft. Den Grasflächen hingegen habe der milde Winter gut getan. „Das Gras ist diesen Winter nicht so in Mitleidenschaft gezogen worden, denn es gab weder viel Frost noch viel Wind.“ Die milden Temperaturen haben allerdings auch für einen weichen Boden gesorgt, der vor allem für Mäuse ein Wühlparadies ist. Sie nisten sich im Boden ein und fressen vor allem Gräser, Getreide und Raps. Außerdem vermehren sie sich rasend schnell und sind Bauern daher ein Dorn im Auge. Der Deutsche Bauernverband geht davon aus, dass durch Mäuse jährlich ein Schaden von 130 Millionen Euro entsteht.

„Im Sommer werden uns wahrscheinlich vor allem Fliegenlarven zu schaffen machen“, prognostiziert er. Die Larven überwintern in den Güllekanälen der Bauern und schlüpfen, sobald es warm wird.

Ein anderer Feind, den vor allem Gärtner dieses Jahr in ihren grünen Paradiesen antreffen werden, sind Raupen. Auch Blattläuse und Ameisen freuen sich über die Wärme – sie sind bereits jetzt unterwegs, relativ früh. Wilfried Kühl betreibt bereits in zweiter Generation den Kleingartenverein in Kohlbusch. 34 Parzellen mit etwa 350 bis 399 Quadratmetern verwaltet er gemeinsam mit seinem Bruder und seinem Vater. Auf seiner eigenen Parzelle versucht Kühl die goldene Regel der Kleingärtner einzuhalten: Ein Drittel Obstsaat, ein Drittel Gemüse und ein Drittel Blumen. „Daran halten sich längst nicht mehr alle Parzellenbesitzer, obwohl es eigentlich im Kleingartengesetz so vorgeschrieben ist“, erzählt Kühl. Auch in seinem Garten hat sich bereits einiges getan: Die Beete sind umgegraben, das Gemüsebeet ist vorbereitet. Kühl hat Primeln und Stiefmütterchen gepflanzt und sogar schon Frühkartoffeln ausgesät.

Wer will, kann jetzt auch schon dicke Bohnen und Radieschen in die Erde setzen. „Auch Kohlrabi und Kopfsalat würden gehen, wenn man sie mit Plastikhäubchen schützt“, sagt Kühl. Das einzige Manko am schönen Wetter sei, dass der Boden eigentlich viel zu trocken ist. „Es muss unbedingt mal regnen“, sagt der Kleingärtner. Komme kein Nass von oben, fehle der Aussaat die Kraft zum Treiben.

Das Gärtner-Bauchgefühl in Sachen Frost sage ihm, dass das Wetter stabil bleibt. Hundertprozentig sicher sei er sich da aber nicht. „Im Mai kommen noch die Eisheiligen“, sagt Kühl.

Im Mai will er Rote Beete, Möhren und Astern für den Herbst säen. Mehr Ernte durch die warmen Tage erwartet er nicht. Auch Landwirt Josef Wintgens weiß, dass wärmere Temperaturen nicht unbedingt mehr Ertrag bringen. „Die Ernte ist meistens ziemlich gleich, nur der Erntezeitpunkt liegt entweder früher oder eben später im Jahr“, sagt der Landwirt. Er wünsche sich eher ein trockenes Jahr, als ein nasses. „Wenn es viel regnet, ist das Zeitfenster zum Ersten sehr klein.“ Das mache vor allem Probleme, Lohnarbeiter zu finden. „Alle wollen dann gleichzeitig die Felder abernten.“ Bleibe das Wetter stabil, sei das wesentlich einfacher.

Wem es jetzt in den Fingern jucke, der könne schon mal rückschneiden, was ausgetrieben sei, sagt Melanie von Puttkamer, die in einem Gartenbetrieb arbeitet.

„Beete vorbereiten ist vollkommen okay“, versichert sie. „Allerdings sollte man den Wetterbericht schon im Auge behalten.“ Wenn es nochmal Frost gebe, müsse man Rosen und andere Triebe mit Flies schützen: Es sei atmungsaktiv und wärme die Pflanzen angemessen.

Rosmarin oder mediterrane Pflanzen sollten erst einmal noch nicht nach draußen. Ohne Probleme könne man jetzt allerdings Primeln pflanzen oder Bellis, eine Gänseblümchenart.

„So gar keinen Winter, das hat es das letzte Mal in den 50er Jahren gegeben“, sagt von Puttkamer. Eine Prognose zu Schädlingen sei daher schwierig. „Mücken beispielsweise hat es nicht gut getan, dass es nicht gefroren hat“, sagt sie. Die Insekten würden jetzt leichter von Pilzen befallen. Wer jetzt im Garten arbeiten möchte, könne also ganz beruhigt loslegen.

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