Gewerkschafter Matthias J. Breuer stirbt im Alter von 85 Jahren

Von: joh
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Stolberg. Er war eine echte Stolberger Leitfigur – ein Mann, der die Stadt geprägt hat. Ein Hinhörer, ein Gestalter, ein Demokrat: ein Ehrenamtler par excellence.

Und auch, wenn Zahlen sein herausragendes Lebenswerk nur bedingt spiegeln können, so vermitteln sie doch einen ersten Eindruck über das, was Matthias Johann Breuer ein Leben lang geleistet hat – als Gewerkschafter, als Politiker, als Mensch: Fast 70 Jahre war der Münsterbuscher Mitglied in der IG Metall, 60 Jahre gehörte er der SPD an, ein Vierteljahrhundert war er Betriebsratsvorsitzender und jahrzehntelang aktiv in der Arbeiterwohlfahrt.

Es war die Arbeit in der IG Metall, mit der alles begann: Matthias J. Breuer war ein Gewerkschafter der ersten Stunde. Ende der 40er Jahre, unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, engagierte er sich in der Jugendarbeit der Gewerkschaft. 1999 schloss sich der Kreis, als er den Seniorenarbeitskreis der IG gründete, dessen Ehrenvorsitzender er bis zu seinem Tod blieb.

In der Zwischenzeit füllte er zahlreiche Funktionen in der Gewerkschaft aus – sowohl in der IG Metall als auch bei Prym, wo der gelernte Maschinenschlosser 25 Jahre lang als Betriebsratsvorsitzender fungierte. Mehrfach wieder gewählt, weil man seine unbedingte Zuverlässigkeit schätzte – unter den Kollegen, aber auch in der Geschäftsführung.

Aus der Gewerkschaftsarbeit rührte auch seine Motivation, in die Politik zu gehen und öffentliche Ämter zu übernehmen. 1954 trat Breuer in die SPD ein, in diesem Jahr feierte er sein „60-jähriges“. 28 Jahre saß er im Stadtrat, war unter anderem Fraktionsvorsitzender und stellvertretender Bürgermeister. Seinen Wahlbezirk gewann er einmal sogar mit über 70 Prozent der Stimmen – ein Ergebnis, nach dem sich seitdem seine Nachfolger immer wieder vergeblich recken. 17 Jahre lang gehörte Breuer zudem dem Kreistag an.

Es ist sein Lebenswerk, für das Breuer 1982 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. Es wird in Erinnerung bleiben – vor allem bei den vielen Stolbergern, die ihn kannten. Bei Hildegard Nießen etwa, vor Jahrzehnten seine Nachfolgerin an der Fraktionsspitze.

Als leidenschaftlichen Sozialdemokraten habe sie Breuer kennengelernt. Als jemanden, der große Verantwortung übernahm, und der hinhörte, gerade wenn es um die Anliegen des kleinen Mannes ging. Gleiche Chancen seien sein Antrieb gewesen.

Breuer hörte zu – und wurde gehört. Bei seinen Parteigenossen, bei denen sein Wort auch noch lange nach dem Rückzug aus der aktiven Politik Gewicht hatte, aber auch bei seinen politischen Gegnern, mit denen er stets das Gespräch suchte.

Breuers Wort hatte Gewicht, weil man ihn schätzte als „aufrichtigen Menschen, der seine Meinungen und Auffassungen vertritt, dafür auch kämpft, sich aber in jedem Fall mit dem Partner auf einer fairen Basis trifft“. So stand es schon in der Begründung zur Vergabe des Verdienstkreuzes. Dabei hatte Breuer immer eines im Blick: das Allgemeinwohl.

Die Trauerfeier findet am Freitag, 29. August, um 9 Uhr auf der Liester statt.

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