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Gewerbestandort Münsterbusch: Aufbruch im Schatten des alten Kamins

Von: Jürgen Lange
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Im Schatten des Zincoli-Schornsteins laufen Investitionen an: Ein Projektentwickler soll dort einen Baumarkt ansiedeln; die Tankstelle an der Mauerstraße wird erneuert. Foto: Lange
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Für das Plateau der Kohlbusch-Halde zeichnet sich eine Lösung ab. Foto: Lange
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Der Toom-Markt weicht im Juni dem Bau einer Aldi-Filiale. Foto: Lange
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Die Kartonagefabrik Hoyer wird saniert und mit einem Neubau ergänzt. Foto: Lange

Stolberg-Münsterbusch. Es ist offensichtlich. In Münsterbusch bewegt sich etwas. Nicht nur die Stadt möchte Mitte März mit der Sanierung der Prämienstraße und der Neugestaltung des Heinrich-Kamps-Platzes beginnen, sondern auch Unternehmen investieren an dem traditionsreichen Gewerbestandort.

Dabei fällt nicht nur die Modernisierung der alten Tankstelle des Verbrauchermarktes an der Mauerstraße ins Auge. Gleich nebenan machen Rodungsarbeiten darauf aufmerksam, dass der langen Geschichte der früheren Kartonagefabrik Hoyer ein neues Kapitel hinzugefügt wird: Eine Investition von rund fünf Millionen Euro läuft an.

1913 als Großbäckerei des Stolberger Konsumvereins gegründet, nutzte ab 1950 die Kartonagefabrik Emil Hoyer Gebäude und Gelände gegenüber der Kirche bis 2001. Ein Investor aus Eschweiler wollte die Brache neu nutzen. „Wohnen und Arbeiten“ lautete der Slogan für eine gemischte Nutzung.

Realisiert wurden lediglich der Bau einer Handvoll Einfamlienhäuser auf dem Areal. 2007 übernahm die BAG Bankaktiengesellschaft aus einer Zwangsversteigerung die Immobilie mit einer Fläche von gut 0,36 Hektar, die vor zwei Jahren der Herzogenrather Architekt Kurt Pidun erwarb. In diesen Tagen soll er die Genehmigung für eine Wohnbebauung in den Händen halten können.

Sanierung und Neubau

„Ein Bauabschnitt ist die Sanierung der ehemaligen Kartonagefabrik nach neuestem Energiestandard“, sagt Pidun. Dort entstehen 30 Wohneinheiten – zwischen 57 und 116 Quadratmeter – auf insgesamt 2400 Quadratmeter Wohnfläche. Davon sind sechs Einheiten als Wohnhäuser mit eigenem Gartenanteil und eigenem Zugang vorgesehen. Zwei Wohnungen werden als Loft errichtet.

Sämtliche weiteren Einheiten sind über einen rollstuhlgerechten Aufzug zu erreichen und werden mit bodengleichen Duschen und breiten Türen versehen. Alle Wohnungen verfügen über Balkonanlagen bzw. Loggien, sowie Kellerräume und Wasch- und Trockenraum für die Allgemeinheit. Stellplätze werden in einer Tiefgarage, Außengaragen und Außenparkplätze angeboten.

Zudem ist auf dem Gelände der bau von elf Eigentumswohnungen – zwischen 56 und 93 Quadratmeter – auf insgesamt 882 Quadratmeter mit vergleichbar hohem Standard vorgesehen. Eine Reihe der Wohneinheiten in Münsterbusch sei bereits fest reserviert, erklärte Pidun, der bei entsprechender Nachfrage auch einen baldigen Baubeginn für den Neubau mit 17 Eigentumswohnungen an der Grüntalstraße avisiert.

Garantie für Rathaus-Filiale

Mit einem Abriss wird im Juni auf dem Nachbargrundstück von Hoyer ebenfalls ein neues Kapitel aufgeschlagen: Am ersten Samstag im Mai schließt die Filiale des Toom-Baumarktes an der Mauerstraße. Im Juni soll der Abriss beginnen, und das Gelände wieder baureif gemacht werden.

Die in Eschweiler firmierende Aldi GmbH & Co. KG hat das Grundstück erworben. Zügig soll mit dem Bau einer neuen Filiale mit 1200 Quadratmeter Verkaufsfläche begonnen werden. „Wenn alles gut läuft, hoffen wir noch vor Ostern 2018 eröffnen zu können“, sagt Geschäftsführer Uwe Seiler.

Es wird die vierte Filiale des Discounters in der Kupferstadt sein neben den Standorten Mausbach und Prattelsackstraße sowie neben dem Rathaus. Für dieses Geschäft hatte Seiler angesichts immer wieder aufkeimender Gerüchte jüngst noch einmal eine Bestandsgarantie für mindestens fünf Jahre gegeben – vorausgesetzt natürlich, dass der Immobilieneigentümer nicht Aldi kündigen würde, wovon aber kaum auszugehen sei. „Der Laden läuft sehr gut“, betont Seiler. In Münsterbusch wird neben Aldi zudem eine Filiale einer Drogeriekette mit 800 Quadratmeter Verkaufsfläche entstehen.

Bleibt die Frage nach einem Ersatz für den schließenden Baumarkt: Ein Projektentwickler hat im Rathaus bereits sein Interesse bekundet, einen namhaften Filialisten in der Kupferstadt holen zu wollen. Ins Auge gefasst ist dafür das ehemalige Zincoli-Gelände an der Mauerstraße. Dort war bereits im Rahmen des seit 2007 verfolgten Strabag-Konzeptes ein großflächiger Bau- und Gartenmarkt angedacht.

In der Nachbarschaft hatten die Investoren weiteren innenstadtrelevanten Einzelhandel vorgesehen. Nach einem eindeutigen Hinweis von Regierungspräsidentin Gisela Walsken, dass das Projekt die Förderung der Wiederbelebung der Innenstadt gefährdete, beschloss der Stadtrat Anfang 2014 den Ausstieg zugunsten der mittlerweile laufenden Aufwertung der Talachse.

Nun soll der Stadtrat auf einer seiner nächsten Sitzungen über einen Optionsvertrag mit dem Projektentwickler zugunsten einer neuen Planung für das Zincoli-Gelände mit Ansiedlung eines Baumarktes befinden.

Auch für das in unmittelbarer Nachbarschaft liegende Dienstleistungszentrum (DLZ) wird über eine Erweiterung mit weiteren Werkhallen mit integrierten Büros nachgedacht, ein Ensemble, das stark nachgefragt wird. Seit der Einweihung des DLZ im Jahr 1996 sind die drei integrierten, 100 Quadratmeter großen Werkhallen komplett ausgelastet.

Immer wieder müssen Anfragen von Hochschulen und Unternehmen nach derartigen Angeboten vom DLZ abgewiesen werden. „In diesem Jahr laufen die Planungen an“, sagt Bürgermeister Tim Grüttemeier: „Im nächsten Jahr wollen wir die Erweiterung bauen“.

Bereits für eine neue Zukunft umgestaltet werden die seit 2013 nicht mehr genutzten Tennishallen an der Kesselschmiede. Der Autohändler Brian Pauli verlagert zunächst die Werkstatt seiner Firma US-Car One von Aachen nach Münsterbusch.

Später sollen auch die Ausstellungsräume nicht mehr an der Rudolfstraße in der Kaiserstadt, sondern an der Ecke zum Schellerweg in der Kupferstadt Freunde amerikanischer Autokultur von Nah und Fern anlocken.

Neue Abteilung im Museum

Da passt es wie die Faust aufs Auge, dass das 1996 eröffnete Museum Zinkhütter Hof eine neue Abteilung aufbaut: „Turbo Traffic Transport“ lautet der Arbeitstitel für ein Ausstellungsmodul rund um die Mobilität, wie es sonst nur in München, Berlin, Wolfsburg oder Stuttgart zu finden ist. Die Dauerausstellung soll die regionalen Bezüge darstellen. Die Herstellung von Automobilen in der Aachener Region geht bis in die 90er Jahre des 19. Jahrhunderts zurück.

Namen wie Cudell, Scheibler und Fafnir, aber auch Mannesmann-Mulag und Talbot stehen für bedeutende Fahrzeugproduzenten. Auch heute ist die Region ein moderner Technologiestandort, an dem aktuell Fahrzeuge durch die Streetscooter GmbH produziert werden. Die Faszination der (historischen) Technik, die Inszenierung einer Tankstelle, zukunftsweisende Projekte sowie die Entwicklung der Infrastruktur von Straße und Schiene in der Region soll die Präsentation widerspiegeln, die in der zweiten Hälfte dieses Jahres mit Unterstützung des Landschaftsverbandes Rheinland aufgebaut wird.

Reaktivierung der Industriebrache

Zwei Jahre nach der Eröffnung von Museum und DLZ versprach Dr. Günter Minninger, Vorstandsvorsitzender und Hauptaktionär der Mitte 2014 im Rahmen eines Insolvenzverfahren aufgelösten Stolberger Zink AG, für das Gelände auf der gegenüberliegenden Straßenseite „blühende Landschaften“: Aber das versprochene „Gewerbe- und Technologiezentrum Europapark“ mit 100.000 Quadratmeter Nutzflächen auf dem Plateau der Kohlbuschhalde und oberhalb des Fettbergs erreichte nie eine Realisierungsphase.

Hatte Minninger 1998 noch auf einen Immobilienbestand im Verkehrswert von 200 Millionen DM verwiesen, mussten sich vor zweieinhalb Jahren mussten sich mit 1,2 Milionen Euro Insolvenzmasse aus der Stolberger Zink AG die Gläubiger mit einer Quote von 6,93 Prozent bescheiden. Minninger kündigte daraufhin einen Verkauf des Geländes an. Für eine weitere Nutzung und Sanierung des Haldenplateaus durch Versiegelung gibt es nun einen Hoffnungsschimmer.

Bereits seit einigen Wochen wirbt ein neues großflächiges Plakat an der Industriebrache für eine Vermarktung. 40.000 Quadratmeter werden bereits als Gewerbepark Münsterbusch von unterschiedlichen Branchen genutzt. Auf weiteren 70.000 Quadratmetern weiden bislang gelegentlich nur Schafe. Eine Reaktivierung als Gewerbestandort ist angedacht. Damit wird auch die Versiegelung des Plateaus der Kohlbusch-Halde mit ihren Altlasten wieder ein Thema.

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