Stolberg - Geschäftsleute stinksauer: Eschweilerstraße bleibt Baustelle

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Geschäftsleute stinksauer: Eschweilerstraße bleibt Baustelle

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Fertig und doch nicht fertig: Während der Landesbetrieb seine Arbeiten bis etwa in Höhe des Kanalbetriebshofs nun Anfang nächster Woche abschließt, sind die Versorgungsträger weiterhin in der Eschweilerstraße aktiv.

Stolberg. Frank Wehner strahlt. Er hat noch einmal eine Waschmaschine verkauft. Telefonisch, weil ihn der Kunde von früher kennt und anrief.

„Es kommt ja hier keiner durch”, sagt der Händler, der sein Geschäft auf dem alten Schlachthofgelände an der Eschweilerstraße betreibt. „Die Baustelle ist unser Ruin”, sagt Wehner. Nur ein Drittel des Umsatzes im Vergleich zum letzten Mai hat er verbucht.

Und die Nachricht des Landesbetriebs, dass jetzt der Kreisverkehr an der Einmündung zur Münsterbachstraße fertig wird, „die Arbeiten zügiger als erwartet verlaufen und die Fertigstellung circa drei Wochen vor dem ursprünglich geplanten Ende liegt”, klingt für den Kaufmann wie Hohn. „Denn dann wird die Eschweilerstraße noch immer nicht geöffnet”, weiß Wehner. Denn die Versorgungsträger sind nicht fertig mit der Verlegung von Gas- und Wasserleitungen.

„Es ist unglaublich”, kann auch sein Geschäftsnachbar Michael Simons von „Auto Bergs” seit Baubeginn im Februar haarsträubend erscheinende Geschichte zu Baulöchern, Bauarbeitern und Bautätigkeiten erzählen. Seine Bilanz: „Die Situation ist untragbar.”

Nur dank der Geschäftskunden hängt der Laden noch am Überlebensfaden. „Laufkundschaft verirrt sich nicht mehr hierher”, so Simons. „Das dürfte sie ja auch nicht”, verweist Wehner auf die offizielle Verkehrsbeschilderung. Da helfe auch der Hinweis an der Nikolausstraße nicht mehr, dass ihre Geschäfte offen haben: „Nach hier traut sich ja kein Kunde mehr durch”, sagt Wehner.

Das bekommt Harald De Brabander jeden Tag an seiner Tankstelle zu spüren. „Ich verkaufe nur noch 1000 bis 2000 statt üblicherweise 9000 bis 11.000 Liter - am Tag”. Neben den Einbußen ärgert sich De Brabander noch viel mehr über die Stadt. „Ich habe auch Tankstellen in Düren und Aachen; da kommt ein halbes Jahr vor Beginn jemand fragen, wie die Bauzeit möglichst erträglich abgestimmt werden kann”, sagt De Brabander. „Aber in Stolberg steht morgens einfach ein Bagger in der Einfahrt und keiner weiß warum”.

Einen regen Email-Verkehr habe der Tankstellen-Pächter mit dem Bürgermeister geführt, um ihn einzuladen. „Damit er sich einmal persönlich um die Situation kümmert”, kritisiert De Brabander. „Aber der Bürgermeister interessiert sich nicht für unsere Lage.” Einmal habe der Fachbereichsleiter geantwortet, dass die Geschäftsleute mit der Baustelle zu leben hätten, einmal habe die Pressesprecherin gemailt, nur der Bürgermeister habe sich nie gemeldet.

„Dabei ist der Verkehrsfluss hier für uns alle überlebenswichtig”, bringt Harald De Brabander die Stimmung unter den Geschäftsleuten auf den Punkt: „Wie lange müssen wir die Situation hier noch ertragen?” Mindestens eine Woche, könnte die Antwort lauten, wenn man die unterschiedlich beteiligten Stellen hört:

Zunächst einmal verzögert sich die Fertigstellung der Deckschicht im Bereich des Kreisverkehrs: „Weil die Asphaltiermaschine des Unternehmens defekt ist”, sagt Projektleiter Arnd Meyer vom Landesbetrieb. Vermutlich erfolgen die Arbeiten nun Anfang nächster Woche. Früher habe man nicht anfangen können, weil die Tragschicht im Bereich der Kanalbaustelle Eschweilerstraße erst in der Woche zuvor aufgebracht wurde, so Meyer: „Auch nach Fertigstellung des Kreisverkehrs bleibt die Eschweilerstraße jedoch auf Wunsch der Stadt gesperrt.”

„Das ist so nicht ganz richtig”, sagt Marcel Poqué vom Ordnungsamt. Das wäre nur der Fall gewesen, wenn der Kreisverkehr fertig, aber noch nicht alle Quergräben der Versorgungsträger geschlossen wären. Da Ersteres nun erst nächste Woche erfolgen kann, dürften Letztere bis dahin so weit sein, dass auch die Eschweilerstraße ganz für den Verkehr freigegeben werden kann. „Wir versuchen die Strecke so früh wie möglich wieder für den Verkehr zu öffnen”, betont Poqué.

Dass die Tragschicht erst letzte Woche in der unteren Eschweilerstraße aufgebracht wurde, lag an dem großen Schachtbauwerk für die städtische Kanalisation. Es dauere einige Tage, bis frischer Beton soweit erhärtet ist, dass er belastet werden kann, erklärt Bau-Fachbereichsleiter Josef Braun. Anschließend folgten Restarbeiten und das Verfüllen des Baulochs bis zum Aufbringen der Tragschicht.

„Wir stehen kurz vor der Fertigstellung”, sagt Enwor-Pressesprecher Wolfgang Fischer. Nur ein Bereich erfordere noch die Komplett-Sperrung: In Höhe der Nikolausstraße soll das neue an das bestehende Wasserleitungsnetz angebunden werden. Dazu werden die Leitungen so lange gespült, bis die bakteriologischen Untersuchungen einen keimfreien Wasserfluss bestätigen. Dann könne der Netzschluss folgen, die Baugrube verfüllt und die Vollsperrung in diesem Bereich aufgehoben werden, sagt Fischer: „Für die restlichen Arbeiten an den Hausanschlüssen ist eine Vollsperrung nicht mehr erforderlich.”

„Wenn ich´s nur wüsste?!”

„Für unsere Arbeiten hätte überhaupt keine Vollsperrung erfolgen müssen”, betont EWV-Pressesprecher Andreas Ihrig. Am 6. April habe die EWV begonnen 940 Meter neue Gasversorgungsleitung zu legen, die Arbeiten an der Hauptleitung stehen vor dem Abschluss. „Acht Wochen für fast einen Kilometer sind normal”, sagt Ihrig. Auch für die noch vier bis sechs Wochen andauernden punktuellen Arbeiten an Hausanschlüssen sei keine Vollsperrung nötig.

„Mit unserem Teil der Arbeiten sind wir eigentlich längst fertig”, sagt Helmut Kutsch von einem der beauftragten Tiefbauunternehmen. Am Montag sei dem Landesbetrieb aber aufgefallen, dass einige der Straßeneinläufe in den Vichtbach entwässern, was nicht sein darf; sie müssten jetzt noch an das Kanalnetz angebunden werden. Aufgrund der Vollsperrung für die Eschweilerstraße habe wegen der Verkehrsführung nicht wie beabsichtigt die Baustelle in der Birkengangstraße asphaltiert werden dürfen; dies soll nun nach Abschluss der Arbeiten in der Eschweilerstraße erfolgen.

„Wenn ich nur wüsste, wann wir fertig werden”, sagt Ralf Schmitz von einem weiteren Tiefbauunternehmen. Heute sollen die Gas- und Wasseranschlüsse im Bereich Nikolausstraße angebunden werden. Eine weitere Straßenquerung müsse noch in Höhe der Bäckerei Moss unter Vollsperrung erfolgen.

Für die folgenden Arbeiten an den Hausanschlüssen reichten theoretisch Kopflöcher aus, falls das Erdreich es zulässt, den Weg unter der Fahrbahn mit einer „Rakete” zu durchstoßen: Die Hauptleitungen liegen stadtauswärts am rechten Fahrbahnrand, Häuser stehen aber auch am linken. Gelingt die unterirdische Querung nicht, werden zumindest halbseitige Sperrungen erforderlich. „Wir arbeiten unter Volldampf - auch samstags und zwischen Feiertagen”, sagt Schmitz.
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