Gesamtschule ja - unter Bedingungen

Von: Kolja Linden
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Stolberg. Braucht Stolberg eine Gesamtschule? Glaubt man den schriftlichen Rückmeldungen, die die SPD nach Aussage ihres Bundestagskandidaten Martin Peters auf den Aufruf zum Bürgerdialog erhalten hat, ist diese Frage eindeutig mit Ja zu beantworten.

Doch ganz so einfach ist das nicht, wie beim ersten Bürgerdialog am Mittwochabend deutlich wurde. Es gibt nämlich auch eine Menge Vorbehalte.

Die SPD wird nach der Kommunalwahl dennoch alles daran setzen, den Bedarf für eine Gesamtschule in Stolberg ermitteln zu lassen. Dieses Ziel wird sie auch nach dem Bürgerdialog nicht aus ihrem kommunalpolitischem Programm herausstreichen müssen.

Allerdings wird sie noch einige Kriterien für die Schaffung einer Gesamtschule hinzufügen. Das ist eines von mehreren Ergebnissen der offenen Runde, bei der unter Moderation von Martin Peters das Thema Bildung im Vordergrund stand.

Pädagogische Inhalte

Der Dialog mit dem Bürger, durch den die Sozialdemokraten eine möglichst hohe Akzeptanz ihres anschließend zu fertigenden Wahlprogramms erzielen möchten, kommt allerdings noch nicht so richtig in Gang. „Wir wollen keine Expertengespräche”, hatte Ratsfrau Hildegard Nießen vorher gesagt, doch zum ersten Dialog erschienen vornehmlich genau solche, nämlich Schulleiter und Lehrer Stolberger Schulen.

Der Diskussionskultur war die übersichtliche Größe der Gruppe, die sich im Wintergarten der Stadthalle eingefunden hatte, aber durchaus zuträglich. Nach der Vorstellung der aktuellen Bildungslandschaft in Stolberg wurden schnell drei Arbeitsgruppen gebildet und Wünsche an die Politik formuliert.

Die beiden wichtigsten: Eine bessere räumliche Ausstattung aller Schulen und eine von der Stadt koordinierte, qualitativ gute Betreuung von Kindern auch außerhalb der Schulzeit.

Betreuung: Während der Schulzeit sind die Kinder - sofern sie sich im Ganztagsbetrieb befinden - von 8 bis 16 Uhr in der Schule. Doch was ist nach 16 Uhr? Und was während der Ferien? Kinder - zumindest manche - brauchen nach Ansicht der anwesenden Schulleiter und Lehrer ein Betreuungsangebot auch außerhalb der Schulzeit.

Deshalb müsse eine Ferienbetreuung durch die Offene Ganztagsschule in Kooperation mit den Trägern der Ganztagsbetreuung organisiert werden durch eine übergeordnete Stelle, zum Beispiel das Jugendamt.

Eine reine Ferienbetreuung reiche aber nicht aus. „Die Kinder in der innenstadt sind definitiv benachteiligt”, nahm Renate Krickel kein Blatt vor den Mund. „Da müssen Feriencamps her mit pädagogischen Inhalten”, so die Leiterin der Hermannschule. „An einer Schule wie meiner wäre ein Ferienangebot aber gar nicht möglich”, sagte Krickel weiter, „obwohl die Kinder es nötig hätten.” Und damit war man direkt am nächsten Punkt:

Räumliche Ausstattung von Schulen. Der Veränderungsprozess an den Schulen müsse durch den Schulträger begleitet werden, sagt Ferdinand Küpper-Jacobs, Leiter der Realschule I und Sprecher der Schulleiterkonferenz: „Wir haben mehr Lernzeit, aber auch mehr Verweilzeit an den Schulen.”

Den anwesenden Schulleitern liegt die Anpassung des Lebensraums Schule an die neuen Bedürfnisse am Herzen. Jörg Klein, Leiter der Hauptschule Kogelshäuserstraße, bemerkte zum Beispiel, die Schule sei „bereits Lebensraum, aber ein untauglicher”.

Gesamtschule: Eine sachliche Diskussion über die Gesamtschule ohne „Totschlagsargumente” wünschte sich SPD-Fraktionsvorsitzender Dieter Wolf. Und die bekam er auch - mit durchaus konträren Ansichten. Die Kommunalpolitik könne sich dem Willen der Menschen nicht verschließen, begründete Bildungspolitikerin Hanne Zakowski, warum sich die SPD für die Gesamtschule stark mache. Dass die Zahl von jährlich rund 140 zu Gesamtschulen abwandernden Schüler eine „Abstimmung mit den Füßen” sei, dem stimmten auch die anwesenden Schulleiter zu.

Pädagogische Inhalte

Bevor man eine Gesamtschule aber einrichte, müsse man wissen, welche Klientel diese dann besuche. Was für Empfehlungen die Kinder denn hätten, die an einer Gesamtschule angemeldet würden, wollte Jörg Klein wissen. Und der Leiter der Kogelshäuserschule wies darauf hin, dass der Personalschlüssel an Hauptschulen deutlich günstiger sei als an Gesamtschulen. Oft sei es eine Imagefrage, sein Kind lieber an der Gesamt- als an der Hauptschule anzumelden, auch wenn dort die Betreuung besser sei.

Martin Peters zeigte sich dankbar für die Diskussion. Und der Stadtverbandsvorsitzende zeigt sich erleichtert, dass die geplante Bedarfsermittlung nicht abgelehnt werde - unter Beachtung der besprochenen Kriterien. Die sollen nun Einzug halten in das kommunalpolitische Programm.
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