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Gericht: Misthaufen vor NPD-Stand ist Aktionskunst

Von: mik
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Stolberg/Eschweiler. Um eine „anrüchige Geschichte” ging es am Montag vor dem Amtsgericht Eschweiler, wie selbst der Richter mit einem ironischen Unterton feststellte.

Angeklagt war der sich als „Aktionskünstler” verstehende Christian Wagemann, der im August 2008 am Marktplatz in Mausbach eine Karre mit Schafsmist vor einen NPD-Infostand gekippt hatte.

Das Gericht sprach den Verursacher in der Sache vom Vorwurf der Beleidigung frei, denn „Mist auskippen” sei eine „Meinungsäußerung” - solange man dabei keine Person mit den Fäkalien gleichsetze.

Doch genau jener Vorwurf aber stand in dem nur 35 Minuten dauernden Prozess im Raum. Anmelder des NPD-Infostandes war der Stolberger Ratsmann Willibert Kunkel. Der 58-Jährige wollte gehört haben, dass Wagemann ihm vor der Tat zugerufen hatte: „Kunkel, du bist braune Sch..., ich bringe dir braune Sch...!”

Dem widersprach Wagemann vehement. Er habe gerufen: „Braune Scheiße zu brauner Scheiße!” Die ansonsten auch sehr deftige Tat an sich bestritt Wagemann, wie schon bei ähnlichen Aktionen in der Vergangenheit, nicht. Ihm sei es dabei um die symbolische Aussage gegen die NPD gegangen. Er habe aber niemanden persönlich beleidigen wollen.

Deswegen mussten sechs Zeugen vor Gericht aussagen. Kunkel blieb bei seiner Version - die allerdings seiner eigenen Aussage gegenüber der Polizei widersprach, wonach er kurz nach der Tat zu Protokoll gegeben hatte, Wagemann habe nur gerufen: „Kunkel, braune Sch...!” Alle anderen Zeugen, vier Polizisten und ein Antifaschist, widersprachen Kunkel jedoch.

Sie bestätigten in dem zuweilen von Gelächter begleiteten, unfreiwillig komischen Prozess nicht, dass Wagemann Kunkel persönlich angesprochen habe. Selbst Richter und Staatsanwalt konnten sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, als ein Polizist den Vorfall beschrieb und aussagte, er habe nur gedacht: „Ach du Sch...!” Und: „Schöne Bescherung!”

Die Polizisten hatten seinerzeit Wagemanns Personalien aufgenommen und einen Platzverweis gegen den selbst in Mausbach wohnenden Mann für dessen Heimatort ausgesprochen. Den Schafsmist - Wagemann sprach von seinem „Kunstwerk” - hatten Mitarbeiter der Stadt entfernt. Deswegen hatte die Verwaltung dem Täter auch eine Rechnung für die Reinigungskosten zugestellt, ihm diese aber letztlich erlassen. Laut Wagemann mit der Begründung, dass man „braunen Mist” auf Straßen und Bürgersteigen nun einmal nicht haben wolle.
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