Gemeinsames Gemeindehaus: Stolberg Vorreiter der Ökumene

Von: Jürgen Lange
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Setzen Zeichen des christlichen Glaubens und des Miteinanders: Kirchbaumeister Ulrich Reinäcker, Pastor Hans-Rolf Funken, Pfarrer Jens Wegmann und Kirchmeister Karl-Gottfried Freyberger bei der Auszeichnung des neuen Ökumenischen Gemeindehauses. Foto: J. Lange

Stolberg. Stolberger sind die Vorreiter. Deutschlandweit! „Zumindest ist uns kein anderes Beispiel bekannt“, sagen Pastor Hans-Rolf Funken und Pfarrer Jens Wegmann. Die katholische Pfarrgemeinde St. Lucia und die Evangelische Kirchengemeinde Stolberg setzen Zeichen in der Ökumene – im menschlichen Miteinander ebenso wie in Stein gehauen.

Denn in der kommenden Woche beginnt der Ausbau des Gemeindehauses zu einem Ökumenischen Kommunikationszentrum.

Schon seit vielen Jahren sind die beiden Gemeinden immer weiter aufeinander zugegangen. Gemeinsam wird Karneval gefeiert, Gottesdienst gehalten oder Weltfrauentag begangen. Die immer schwieriger werdende finanzielle Lage in den Bistümern war nur der Anlass, auch das organisatorische Miteinander zu vertiefen. „Wir hätten das Evangelische Gemeindehaus alleine nicht mehr halten können“, sagt Wegmann. Funken verweist auf die Fusion von sieben Gemeinden zur Pfarre St. Lucia. Drei vakante Pfarrhäuser wurden bereits für soziale Zwecke zur Verfügung gestellt. „Das Gemeindehaus ist der Ernstfall der Ökumene“, umschreibt Funken schmunzelnd die Kooperation.

Vor einem Jahr wurde das Projekt Ökumenisches Gemeindehaus eingeleitet. „Wir sind hier in einem multikulturellen Viertel“, sagt Pastor Funken. „Da ist es wichtig, dass auch die Christen Flagge zeigen.“ Den 16.000 Katholiken und den 8000 Protestanten der beiden Kirchengemeinden gehört das Gemeindehaus nun jeweils zur Hälfte. Gemeinsam wird geplant, gemeinsam werden die Kosten getragen. Auch die für die dringend erforderliche Sanierung des Gemeindehauses.

Sie werden wohl bei mehr als 500.000 Euro liegen. Da bleiben Rendant Helmut Gottfried und Anja Keldenich, auf katholischer Seite für das Immobilienmanagement zuständig, ebenso vorsichtig wie Kirchbaumeister Ulrich Reinäcker. Immerhin geht es um einen Altbau. Seine Kirchengemeinde hat das 1968 erbaute Zentrum 1995 grundlegend und noch vor wenigen Jahren dessen Dach renoviert. Doch den aktuellen Vorschriften von Versammlungsstätten-Verordnung, Brandschutz und energetischen Standards hält das Gebäude nicht mehr stand, berichten die Architekten Silke Brumberg und Christoph Baumanns.

Zusätzliche Rettungswege für Keller, Erd- und Obergeschoss müssen her, zusätzliche Fluchttreppen angebaut, Rauchschütztüren eingebaut werden. Neue Fenster, Türen, Brennwert-Gasheizung und Raum-Luft-Technik mit Wärmetauscher sollen für eine bessere energetische Effizienz sorgen. „Und wenn wir einmal dabei sind, wollen wir auch die Nutzungsmöglichkeiten optimieren“, verweist Kirchmeister Karl-Gottfried Freyberger auf die sechs unterschiedlich dimensionierten Veranstaltungsräume für 20 bis 300 Personen nebst Küche und weiteren Nebenräumen.

Flexibler sollen die Raumangebote durch Trennwände gestaltet werden können. Im oberen Flur wird eine Theke eingebaut, die Sanitäranlagen ausgebaut und das Medienangebot durch neue Beschallungs- und Beleuchtungsanlagen für die Bühne sowie Beamer nebst Leinwand auf modernen Stand gebracht.

„Barrierefrei ist unser Gemeindehaus bereits“, sagt Pfarrer Andreas Hinze. Aufzug, Behinderten-Toiletten und Wickelraum zählen zum Standard an der Frankentalstraße. Auf den werden die bisherigen Nutzer erst einmal bis Ende Oktober verzichten müssen – angesichts der Arbeiten, die überwiegend durch Firmen aus der Kupferstadt und Umgebung geleistet werden.

Bis dahin werden die überwiegend (noch) evangelischen, aber auch nicht konfessionsgebundene Nutzer ausweichen können – natürlich auch auf katholische Liegenschaften wie das Pfarrheim an der Dammgasse.

Im Herbst wird dann nicht nur Einweihung gefeiert, sondern dann soll das Ökumenische Gemeindehaus mit Leben gefüllt werden. Dann werden auch die katholischen Gruppen, die mit Blick auf den Umbau vorübergehend noch überwiegend ihren bewährten Räumlichkeiten treu geblieben waren, in dem gemeinsamen Zentrum als ein gelebtes Zeichen des christlichen Glaubens eine neue Heimat finden.

Arbeiten dauern bis Ende Oktober

Dann wird das Haus an der Frankentalstraße der Ort sein, an dem sich Kirchensynode und Gemeinderat tagen, an dem Frauenkreise, Selbsthilfe-, Gesundheitsgruppen und kreative Kreise sich treffen, an dem Unterricht für Firmung, Kommunion und Konfirmation erteilt wird, an dem Kirchenchöre und Kantorei dank eines guten Flügels proben und konzertieren können, und an natürlich auch Gottesdienst gefeiert wird.

„Unser Haus steht selbstverständlich allen offen“, unterstreicht Helmut Gottfried, dass die unterschiedlichen Räume auch gerne für private Feiern und Veranstaltungen, für Vorträge und Diskussionsrunden genutzt werden können. „Wir haben für alle Gruppen noch immer einen passenden Platz finden können“, schmunzelt der Rendant mit Blick auf das Immobilien-Portfolio der Gemeinde. Die macht sich übrigens auch Gedanken, welche Nutzung das Rolandshaus zukünftig einmal finden wird. „Es gibt viele interessante Vorstellungen“, verrät Gottfried. Aber diese müssen erst einmal im Rahmen des Immobilien-Managements in aller Ruhe überdacht werden.

Nachgedacht wird in Form eines evangelisch-katholischen Arbeitskreises aber bereits darüber, „wie neue und zusätzliche ökumenische Angebote geschaffen werden können“, sagt Pfarrer Wegmann. Denn die Möglichkeiten, die ein ökumenisches Gebäude bietet, wollen die Stolberger auch gerne ökumenisch nutzen. Sie wollen erst recht hier in Unterstolberg Zeugnis ablegen von Jesu Christi.

„Wir sollen das Verbindende suchen“, so Pastor Funken. „Das hat auch der Weihbischof bei seiner Visitation uns zu unserem Ökumenischen Gemeindehaus gesagt“. Im Dialog könne man nur voneinander lernen. Wie erfolgreich das sein kann, das machen die Stolberger der ganzen Nation vor.

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