Stolberg - Gemalte Lebenszeichen und Fotokunst

Gemalte Lebenszeichen und Fotokunst

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:
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Die Vernissage der Gemeinschaftsausstellung im Museum Zinkhütter Hof erfreut sich großen Interesses. Foto: D. Müller

Stolberg. Mit dem verbalen Kunststück „gestern war heute erst morgen“ überschrieben ist die aktuelle Gemeinschaftsausstellung von Birgit Warmuth und Bernd Radtke im Museum Zinkhütter Hof, die mit großformatiger Malerei und Fotokunst beeindruckt.

Warmuths gemalte „Lebenszeichen“ zeigen meist Innenansichten zum Beispiel eines Treppenhauses, eines Zimmers, einer Kellertreppe. Die Räume sind leerstehend, die Szenarien verlassen und dem beginnenden Verfall preisgegeben, weisen allerdings Spuren von menschlicher Anwesenheit und Einwirkung auf. Eine Flasche und ein umgefallener Krug, ein Stuhl und ein Teddybär, eine Wandmalerei von Kinderhand oder ein altes Sofa sind die letzten Lebenszeichen der Szenarien.

In einem anderen Raum ist das Porträtbild eines Kindes zurückgelassen – jenes Porträt ist im Zinkhütter Hof in voller Größe gleich nebenan zu sehen. Die realistische Malerei Birgit Warmuths transportiert Einsamkeit, Vergänglichkeit und Trauer. Und mehr als das, denn in ihren Werken setzt die Künstlerin bisweilen Lichtakzente, die Hoffnung in sich bergen, Freiheit und Neubeginn erahnen lassen. So bedrücken die Bilder auf leichte Weise, und dem Betrachter bleibt großer Freiraum bezüglich der Interpretation, die sich im Dialog mit der eigenen Lebenserfahrung entwickeln kann.

Harmonische Ausstellung

Die dezente Farbgebung Warmuths Malerei harmoniert bei der Gemeinschaftsausstellung sehr gut mit den imposanten Schwarz-Weiß-Fotografien Bernd Radtkes. Seine Werke sind mehr als bloße Porträtaufnahmen von Menschen; sie erzählen Geschichten von Menschenleben. Es sind Lebensgeschichten, denen man sich schwer entziehen kann, da die Blicke der Fotografierten den Betrachter magisch anzuziehen scheinen, ihn nahezu hypnotisch einfangen. Radtkes Bilder wirken fast gemalt, ihre Patina verleiht ihnen eine Aura der Traumhaftigkeit und eine besondere Ästhetik.

Der Fotokünstler erzielt diesen Effekt, indem er die Werke mit dem Nass-Kollodium-Verfahren erarbeitet. Diese alte Technik wurde im Jahre 1851 von dem englischen Bildhauer und Fotopionier Frederick Scott Archer vorgestellt und galt fortan etwa drei Jahrzehnte lang als das wichtigste Verfahren in der Fotografie. Radtkes Handwerkszeug sind eine Kamera und Objektive Baujahr 1890. Die originalen Nassplatten vergrößert er digital, jedoch ohne diese nachzubearbeiten, so dass die Werke den Bildern entsprechen, wie sie aus der alten Kamera kommen.

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