Gelbe Karte für Falschparker auf Behindertenparkplätzen

Von: Heike Eisenmenger
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Das kann teuer werden: Wer hier ohne Berechtigung parkt, ist nicht nur eine Blockade, sondern muss auch ordentlich zahlen. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Im poppigen Gelb klemmt sie gut sichtbar unter dem Scheibenwischer: die „Gelben Karte für Falschparker”. Die kleinen Karten pappen an den Windschutzscheiben der Autos, die unberechtigterweise auf einem Behindertenparkplatz stehen.

Mit der witzig gestalteten Karte will der „Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderte” in Zusammenarbeit mit der Verkehrswacht Pkw-Besitzer darauf aufmerksam machen, dass sie mit ihrem Fahrzeug einen Behindertenparkplatz blockieren. „Das wollen wir aber nicht mit drohendem Zeigefinger tun, sondern mit einem Augenzwinkern”, hofft Bundesverband-Pressesprecher Peter Reichert, dass jenes „Augenzwinkern” ein Umdenken bei den Falschparkern bewirkt.

Meist keine böse Absicht

Es stecke in der Regel ja keine böse Absicht dahinter, wenn Autofahrer ihren Wagen auf Behindertenparkplätzen abstellen, weiß Bundesverband-Pressesprecher Peter Reichert um hektischen Alltag und Zeitdruck, unter dem insbesondere berufstätige Menschen stehen. Oft sei den Falschparkern nicht klar, wie sehr ihr Verhalten den Alltag von behinderten Autofahrern erschwere.

Ein schwer körperbehinderter Autofahrer ist zwingend auf die im Vergleich zum normalen Parkplatz vergrößerte Fläche angewiesen. Die wenigen zusätzlichen Zentimeter ermöglichen es dem Behinderten beispielsweise, den sperrigen Rollstuhl ein- und auszuladen, ohne dabei an das Nachbarfahrzeug anzustoßen.

Wer in Stolberg unbefugt auf einem Parkplatz mit dem Rollstuhl-Piktogramm seinen Wagen abstellt und dabei erwischt wird, muss mit einem empfindlichen Strafe rechnen. Neben der eigentlichen Strafe in Höhe von 35 Euro werden 55 Euro Verwaltungsgebühr berechnet. Hinzu kommen die Kosten für das Abschleppen (je nach Tageszeit zwischen 98 und 125 Euro).

Entgegen der landläufigen Meinung besteht in Ausnahmefällen die Möglichkeit, den Wagen auch ohne sofortige Bezahlung der Abschleppkosten frei zu bekommen, da die Stadt der Vertragspartner ist.

Prinzipiell wird jedes Auto abgeschleppt, das unbefugt auf einem Behindertenparkplatz steht. Es gab von Januar bis Juni insgesamt 67 Verwarnungen. Abgeschleppt wurden jedoch nur zwölf Autos. „Wenn der Autofahrer noch rechtzeitig auftaucht, wird der Pkw selbstverständlich nicht an den Haken genommen”, sagt Frank Siemens, Arbeitsgruppenleiter für Verkehrsüberwachung und Verkehrslenkung der Stadt Stolberg.

In der Kupferstadt gibt es 50 Parkplätze für Schwerkörperbehinderte. Nur wer im Besitz des Europäischen Parkausweises ist, darf dort seinen Wagen abstellen. Voraussetzung für diesen Ausweis ist, dass eine schwere Körperbehinderung zugrunde liegt. Der Europäische Ausweis wird immer für die Dauer von fünf Jahren ausgestellt, so Siemens, und muss nach Ablauf des Intervalls verlängert werden.

Im Schnitt sind es jährlich 55 Stolberger, die den Ausweis beantragen beziehungsweise ihn verlängern lassen. Wer einen solchen Ausweis besitzt, hat die Möglichkeit, einen Behindertenparkplatz in unmittelbarer Nähe zur Wohnung zu reservieren.

Die Reaktionen auf die Gelbe Karte sind laut Peter Reichert vom Bundesverband der Selbsthilfe Körperbehinderte höchst unterschiedlich. „In den alten Bundesländern herrscht mehrheitlich der Tenor, dass man mit einem Augenzwinkern mehr erreicht, als mit einer Geldstrafe.” Die Meinung der Menschen in den neuen Bundesländern sei genau entgegen gesetzt: „Dort glauben die meisten, dass nur empfindliche Geldstrafen eine Veränderung im Verhalten bewirken.”

Auch Privatpersonen können die Karten kaufen

Die „Gelbe Karte für Falschparker”, auf der ein Cartoon des TAZ-Karikaturisten Tom abgebildet ist, kann auch von Privatpersonen bestellt werden. Zehn Karten sind gegen Einsendung eines mit 90 Cent frankierten und adressierten Briefumschlags beim Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter, Postfach 20, 74238 Krautheim erhältlich.
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