Gehören Raucherpausen bald der Vergangenheit an?

Von: Nadine Preller
Letzte Aktualisierung:
Raucherpause über den Dächer
Raucherpause über den Dächern der Stadt: Gehört die eine oder andere Auszeit während der Arbeit bald der Vergangenheit an? Das zumindest wünschen sich die Foto: stock/Ralph Lueger

Stolberg. Während die einen von einem Befreiungsschlag und vom Kampf für Gerechtigkeit sprechen, machen auf der anderen Seite Parolen wie Nichtraucher-Diktatur und Überwachungsstaat die Runde. Es gibt wohl kaum ein Thema, das die Nation so sehr spaltet wie die Frage nach einem generellen Rauchverbot.

Einmal mehr sehen sich nun beide Positionen - Verfechter und Gegner der Zigarette - einem Disput ausgesetzt. Nachdem die rot-grüne Landesregierung in diesem Jahr ein schärferes, vielmehr uneingeschränktes Rauchverbot in Gaststätten in die Wege leiten will, melden sich jetzt auch die Unternehmerverbände zu Wort. Nach deren Willen soll es künftig keine Raucherpausen am Arbeitsplatz mehr geben.

Vorbild ist Schweden

„Raucherpausen kosten die Betriebe bares Geld und stören den Arbeitsablauf”, sagt Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands Mittelständische Wirtschaft (BVMW). Vorbild ist für Ohoven das Land Schweden, wo viele Firmen und Kommunen das Konzept der gestrichenen Raucherpausen bereits seit längerem umsetzen. Denn nach Berechnungen des schwedischen Volksgesundheitsinstituts kostet jeder Raucher seinen Arbeitgeber im Jahr mehr als 3500 Euro zusätzlich.

Die Stolberger Angestellte Sandra Witten (44) kann sich das beim besten Willen nicht vorstellen. „Wenn schon von Verlusten gesprochen wird, sollen die Unternehmen erst einmal an anderer Stelle sparen. An überteuerten Dienstreisen beispielsweise.” Mit dieser Meinung steht sie nicht alleine da.

Selbst vielen Nichtrauchern geht die Forderung der Unternehmerverbände zu weit. „Immer mehr Sanktionen, immer mehr Druck von oben - das kann auf die Dauer nicht gutgehen. Arbeitgeber sollen ihre Mitarbeiter motivieren. Aber so funktioniert es nicht”, gibt ein Stolberger Nichtraucher zu bedenken.

Doch es gibt auch die andere Fraktion. Die, die sich benachteiligt fühlt, wenn rauchende Kollegen in regelmäßigen Abständen das Büro verlassen. „Doppelt und dreifach arbeiten wir da für die Raucher mit - und am Ende steht die gleiche Summe auf dem Gehaltsscheck”, ärgert sich eine Passantin.

Eine ausweglose Lage in der andauernden Raucher-Nichtraucher-Kontroverse? Nicht unbedingt. Wie Betriebe beide Seiten zufriedenstellen können, zeigt unter anderem das Modell der hiesigen Stadtverwaltung. „Es gibt einen extra Raum für unsere rauchenden Angestellten”, erklärt Werner Wangerin, Leiter der Abteilung für Personalwesen. „Beim Rein- und Rausgehen wird gestempelt.”

Aber bei einer Gleitzeit von plus/minus 20 Stunden komme sowieso niemand über die relative Zeit. „Weder die Nichtraucher fühlen sich hier benachteiligt noch die Raucher in ihrer Freiheit eingeschränkt.” Von einem generellen Verbot hingegen hält Wangerin nichts. „So lange die Arbeitsergebnisse nicht leiden und die Zahlen am Ende stimmen, kann keiner was sagen. Viel wichtiger ist doch, dass man seine Mitarbeiter nicht frustriert - und das tut man durch Verbote.”

Auch die Angestellten der Stolberger Berzelius Bleihütte (BBH) scheinen weit entfernt von drohenden Sanktionen. „Bei uns gibt es ohnehin strenge Auflagen. Aus Sicherheitsgründen herrscht auf dem gesamten Betriebsgelände Rauchverbot”, sagt Pressesprecher Leif Kubik. Einen abgesicherten Raucherraum gebe es zwar.

Die Zahl der Besucher dort sei aber überschaubar. „Im Schichtbetrieb können die Arbeiter sowieso nicht einfach aufstehen und den Arbeitsplatz für mehrere Minuten verlassen”, erklärt er. Obendrein biete die BBH ihren rund 190 Angestellten Raucherentwöhnungskurse an. Aber rote Zahlen ob rauchender Angestellter, unzufriedene Nichtraucher - zumindest für Kubik böhmische Dörfer.

In die Stoßrichtung Vorsorge, wie die der Raucherentwöhnungskurse an der BBH, geht auch die Idee des Bethlehem-Gesundheitszentrums. „Unser Haus fühlt sich, wie der Name schon sagt, der Gesundheit verpflichtet. Und das schließt Rauchen natürlich aus”, sagt Pressesprecher Wolfgang Phi­lipp Weber. Im gesamten Haus sei daher das Rauchen untersagt. Rauchende Mitarbeiter gebe es natürlich trotzdem. Und für die stünden Raucherinseln zur Verfügung - innerhalb der festgelegten Arbeitspausen.

Keine Kontrolle mit der Stechuhr

Helmut Drummen, Personalchef am Gesundheitszentrum, sieht das Thema dennoch gelassen: „Unsere Mitarbeiter sind Menschen, die täglich Leben retten - die können selber entscheiden, ob und wann sie rauchen gehen.”

Eine Kontrolle mit der Stechuhr am Zentrum lehnt auch Geschäftsführer Thomas Schellhoff ab: „Wir sind keine Erziehungsanstalt, und die Raucher sind nicht entmündigt. Jeder trägt selbst die Verantwortung für sein Tun.” Dennoch kommt Schellhoff nicht umhin, freudig zu verkünden, dass das Rauchen bei seinen Mitarbeitern stark abnehme.

Wahrscheinlich bleibt es wohl zunächst dabei, was nach Ansicht der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) als das einzig Vernünftige erscheint: „Entscheidungen über Rauchverbote muss jedes Unternehmen selbst treffen.” Und wie der Nichtraucherschutz umgesetzt werde, solle auch künftig von Betriebsrat und Arbeitgeber bestimmt werden - jeder nach seiner Fasson eben. In Stolberg scheint das ganz gut zu funktionieren.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert