Radarfallen Blitzen Freisteller

Geglücktes Sanierungsprojekt erfüllt Job-Hoffnungen nicht

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
6446525.jpg
Fast schon idylisch plätschert die Vicht durch ihr Bachbett, das nun auf einem Teilstück einer Bachseite durch eine sanierte Mauer eingefasst ist. Die Arbeit haben Langzeitarbeitslose erledigt. Aufgrund veränderter Förderkulisse sank mit jeder neuen Qualifizierungsmaßnahme die Chance auf Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt. Foto: J. Lange
6448241.jpg
Jede Menge harte Handarbeit, wie hier beim ersten Bauabschnitt, war den Teilnehmern der Qualifizierung abverlangt. Foto: J. Lange

Stolberg/Eschweiler. Die, um die es eigentlich geht, sind schon gar nicht mehr erschienen zur offiziellen Feierstunde: Die letzten acht Mitglieder der Qualifizierungsmaßnahme für Langzeitarbeitslose sind längst wieder normale Kunden des Jobcenters der Arge. Der letzte Abschnitt der so von der öffentlichen Hand geförderten Sanierung der Bachufermauer der Vicht hat für sie nicht den erhofften Weg in eine geregelte Anstellung gefunden.

„Ein Teilnehmer möchte versuchen, sich selbstständig zu machen“, berichtet Günther Steudel. Der Meister und Anleiter der Lowtec gGmbH sieht den Abschluss der Tätigkeit seiner Gruppe denn auch mit gemischten Gefühlen.

„Wir haben den Menschen zumindest zwei Jahre Halt und eine regelmäßige Tätigkeit geben können“, bilanziert Martin Hennig, der als Architekt die Maßnahme betreute. Dabei kann es sich durchaus sehen lassen, was die Langzeitarbeitslosen im Alter von bis zu 56 Jahren geschaffen haben. „Mit ihren eigenen Händen“, wie Hennig betont.

336 Meter lang ist dieser Abschnitt des Mauerwerks von der Brücke der Europastraße bis kurz vor die Bushaltestelle am Bahnübergang der Eisenbahnstraße: Als Eigentümer dieser Landesstraße 23 hat sich neben der Arge auch der Landesbetrieb Straßenbau deutlich an den Kosten beteiligt. Dennoch wurde das eigentliche Ziel, die Kurve im Bachverlauf, nicht erreicht. 40 Meter vor Etappenende reichten die angesetzten 560.000 Euro nicht mehr für eine Vollendung. Zu umfangreich waren die Schäden in diesem Abschnitt. Weitere 300.000 Euro wären erforderlich gewesen.

Wie es mit der weiterhin erforderlichen Sanierung weitergehen soll, wird wohl ein Thema für die Haushaltsberatungen der Großen Koalition werden. „Wir müssen Lösungen suchen“, sagt Fachbereichsleiter Bernd Kistermann, der jedenfalls Mittel für das kommende Jahr beantragt hat – zumal auch noch die Bachseite an der Mohlenbend-Seite einer Restaurierung harrt.

„Ich war skeptisch, ob das so überhaupt laufen kann“, sagt Bürgermeister Ferdi Gatzweiler mit Blick zurück auf langwierige Diskussionen im Rathaus. Dann die Verwaltung hatte sich zuerst dagegen gesträubt, Qualifizierungsmaßnahmen zuzustimmen. Dabei bewies zuerst in Zusammenarbeit mit der früheren LEG Arbeitsmarkt- und Strukturpolitik GmbH mit der Lowtec im Rahmen der Euregionale beim Ausbau des Forums Zinkhütter Hof und später bei der Erhöhung der Burgumwehrungen sowie diverser weiterer kleiner Projekte in der Altstadt ebenso wie mit dem Partner VabW an der Mauer des Friedhofs Bergstraße, dass schwer vermittelbare Arbeitslose im Rahmen solcher Qualifizierungsmaßnahmen nicht nur ausgezeichnete Leistungen für das Allgemeinwesen erbringen können, sondern dass auch die Rückkehr in den ersten Arbeitsmarkt gelingen kann. „Ein halbes Dutzend Teilnehmer wurden vermittelt“, bilanzierte beispielsweise LEG-AS-Projektleiterin Ina Bisani im Juni 2009 während der Sanierung der Friedhofsmauer.

Doch für die Betreuer wurde es immer schwieriger, solche Perspektiven aufzeigen zu können. „Das liegt an den immer schwieriger werdenden Voraussetzungen für eine Förderung durch die Arge“, erklärt Lowtec-Geschäftsführer Peter Brendel. Nur maximal 50 Prozent normale Arbeitsleistung erbringen zu können, sei eines der Förderkriterien für die Teilnahme an der Maßnahme gewesen. Der hohe Grad an physischen, psychischen oder sozialer Problemstellung bei den Teilnehmern erschwere es, ihnen eine Perspektive bieten zu können. Dieses Klientel sei an Firmen fast schon unvermittelbar gewesen.

Den Grund für derartige Auswahlkriterien sieht der Bürgermeister „natürlich bei der Bundesregierung“. Sie habe die Förderprogramme zusammengestrichen. Und nun setzt Ferdi Gatzweiler wie in Stolberg auch für Berlin auf eine Große Koalition, die dann möglicherweise Rahmenbedingungen schaffe, die wieder eine aktive Förderung von (Langzeit-)Arbeitslosen ermögliche.

„Jetzt werden unsere früheren Teilnehmer doch nur wieder passiv alimentiert“, bedauert Brendel das Ende der letzten dieser Qualifizierungsmaßnahmen. Dennoch „können wir stolz sein auf das, was geschaffen worden ist“: Neben einer fachgerechten Sanierung der Bachufermauer nebst neuem Sims und Geländer sei es gelungen, den Langzeitarbeitslosen „ein Stück Selbstwertgefühl“ zu vermitteln.

Restarbeiten durch die Stadt

Doch aus das gelang nur teilweise. Denn auf dem letzten Stück der Sanierungsmaßnahme nutzte dann doch nur noch die Hälfte der Teilnehmer regelmäßiger ihre Chance auf Arbeit, bedauert Günther Steudel. Bachufermauern sind für die nächste Zeit kein Thema mehr für den Lowtec-Anleiter. Die Burgmauern in Nothberg sind derweil sein berufliches Zuhause im Rahmen einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme mit Jugendlichen.

Allerdings ist der Vichtbach weiterhin ein Thema für die Tiefbauverwaltung der Stadt. Bis Mitte November sollen die ausstehenden Asphaltierungsarbeiten am Bürgersteig der Eisenbahnstraße erfolgt sein.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert