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„Gegenwind in Schevenhütte“ im Dialog mit dem Bürgermeister

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:
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Hinter den Baumfällarbeiten im Laufenburger Wald vermuten die Mitglieder der Bürgerinitiative „Gegenwind in Schevenhütte“ Vorbereitungen für die Errichtung von Windkraftanlagen. Revierleiter Burkhard Priese dementiert das und spricht von „ganz normalen forstwirtschaftlichen Maßnahmen“, Borkenkäferbefall und Verkehrssicherungspflicht. Foto: Bürgerinitiative

Stolberg-Schevenhütte. Der Gegenwind in Schevenhütte hat an Stärke deutlich zugenommen. Dies bekamen jetzt auch der Bürgermeister, die anwesenden Ratsvertreter und der Landtagsabgeordnete Axel Wirtz zu spüren. In der Gaststätte „Casino“ stand Tim Grüttemeier den Gegnern von Windkraftanlagen im Laufenburger Wald Rede und Antwort, und das Interesse war groß.

An den Rändern des überfüllten Gesellschaftsraums mussten rund 40 der insgesamt etwa 140 Gäste mit Stehplätzen Vorlieb nehmen. Nach etwa drei Stunden war das Fazit des Abends eindeutig: Von einem Konsens sind Anwohner und Politik weit entfernt.

Viele Fragen blieben insofern offen, als die Bürgerinitiative „Gegenwind in Schevenhütte“ und der Bürgermeister zu völlig unterschiedlichen Einschätzungen neigten. Hauptstreitpunkt war die Frage, ob in Stolberg Windräder in den Wald gebaut werden können oder dort zwingend errichtet werden müssen. „Als Verwaltungschef ist es meine Aufgabe, das zu vertreten, was der Stadtrat beschließt“, schickte Grüttemeier voraus und verwies auf den Landesentwicklungsplan, in dem es heiße: „Die Kommunen müssen der Windkraft Raum verschaffen.“

Die Gegner eines Windparks im Laufenburger Wald sehen dies anders: „Die Stadt Stolberg ist nicht gezwungen, Windräder in den Wald zu bauen“, lautete die Antwort. Aus Reihen der Bürgerinitiative sagten Anwohner: „Wenn es keine geeignete Fläche gibt, gibt es eben keine. Die Stadt Stolberg kann mit Planungshoheit feststellen, dass es keine geeignete Fläche im Wald gibt – sie will das nur nicht.“ Grüttemeier konterte, „das Problem ist das Gutachten, das besagt: Der Standort ist geeignet“. Ein Punkt, der weitere Diskussionen hervorrief. Auf Nachfrage räumte der Bürgermeister ein, dass drei Gutachten von der Stadt bezahlt worden seien, das für den Laufenburger Wald vom potenziellen Investor, der Green GmbH. Prompt machte sich ein Anwohner Luft und meinte: „Wer die Musik bezahlt, bestimmt auch, was sie spielt.“ Auch die Frage, wie der Investor überhaupt auf die Idee gekommen sei, das kostspielige Gutachten in Auftrag zu geben, kam auf.

„Die Green GmbH hat das Gutachten nicht im Auftrag der Politik erstellen lassen, sondern weil sie den Standort für realistisch hielt“, stellte Grüttemeier klar. Die Anwohner verwiesen darauf, dass die Nachbargemeinde Hürtgenwald einen nur etwa 350 Meter entfernten Standort als ungeeignet für mögliche Windräder ansehe. Aus Gründen des Arten- und Naturschutzes, und weil die Flugsicherung dort keine 200 Meter hohen Windräder zulasse. „Das alles scheint in Stolberg kein Problem zu sein“, wunderten sie sich und schlossen an: „Wie können andere Kommunen den Laufenburger Wald für ungeeignet befinden, während Stolberg dem Gutachten des Investors glaubt.“ Grüttemeier betonte, Experten der Verwaltung und im weiteren Verfahren auch der Bezirksregierung würden das Gutachten prüfen.

Dem Hinweis auf den Mäusebussard, der die Ansiedlung von Windkraftanlagen nahe Zweifall verhindert habe, hielt die Bürgerinitiative entgegen, dass im Laufenburger Wald gleich mehrere besonders gefährdete Großvogelarten nachgewiesen seien und zudem der Lebensraum von Fledermausarten und Wildkatzen auf dem Spiel stehe. Grüttemeier erklärte, die möglichen Standorte bei Zweifall kämen unabhängig vom Mäusebussard nicht in Frage, weil die Schallbelastung für die Anwohner zu hoch sei: „Dort wäre die Bebauung nur 750 Meter von den Windrädern entfernt und nicht wie in Schevenhütte 1200 Meter.“ Die Argumente Arten-, Natur- und Landschaftsschutz führte die Bürgerinitiative allerdings weiter an. Das größtenteils sachlich geführte Gespräch entgleiste nur selten mit Aussagen wie: „Sie wollen uns wohl verschaukeln“, oder „Sie biegen sich doch fadenscheinige Argumente zurecht“.

Appelle an den Stadtrat

Viel Applaus erhielten Appelle an die Ratsmitglieder und den Bürgermeister wie, „Ihr habt doch eine Verantwortung für Eure Bürger“, oder die Aufforderung, den Erhalt der Natur bitte nicht aus den Augen zu verlieren. An Grüttemeier gerichtet sagte unter lautstarkem Beifall ein Anwesender: „Sie sind doch nicht der Bürgermeister der Ratsvertreter oder des Investors. Sie sind der Bürgermeister der Menschen, die heute hier sind.“ Manche der anwesenden Ratsvertreter hatten zu diesem Zeitpunkt die Versammlung bereits verlassen und standen so für persönliche Gespräche mit den Schevenhütter Bürgern nicht mehr zur Verfügung, was bei vielen Anwesenden auf Unverständnis stieß. Dem Bürgermeister hingegen dankten die Anwohner dafür, sich dem Gespräch gestellt zu haben.

Vor dem Dialog mit Tim Grüttemeier hatte Prof. Dr.-Ing. Detlef Krahé von der Universität Wuppertal zu dem Thema „Gefährdung der Gesundheit durch Windkraftwerke“ (siehe Infokasten) referiert, und die Bürgerinitiative „Gegenwind in Schevenhütte“ erstattete über ihre Aktivitäten Bericht. Unter anderem seien bereits mehr als 750 Unterschriften gegen einen Windpark im Laufenburger Wald gesammelt sowie Flyer, Plakate und T-Shirts angefertigt worden.

Auch die Kompetenzteams der Bürgerinitiative umrissen kurz ihre bisherigen Tätigkeiten. Etwa zum Thema Wirtschaftlichkeit: Zum Schutze der Natur und der Anwohner würden viele Abschaltzeiten gegen die Wirtschaftlichkeit von Windrädern im Wald sprechen. Etwaige Verluste würden auch zu Lasten der Steuerzahler gehen, da Kommunen wie Stolberg als Gesellschafter an der Green GmbH beteiligt sind.

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