Gedenkstätte für frühgeborene Kinder eröffnet

Von: Helga Giesen
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Pfarrer Hans-Georg Schornstein
Pfarrer Hans-Georg Schornstein stellte die Gedenkstätte mit dem großen weißen Kreuz unter Gottes Segen. Hier können nun nicht bestattungspflichtige Kinder aller Konfessionen die letzte Ruhe finden. Foto: H. Giesen

Stolberg/Roetgen. Mit einer ökumenischen Segensfeier ist in Roetgen eine Gedenkstätte für frühgeborene Kinder, die nicht der Bestattungspflicht unterliegen, eingeweiht worden. Die vom Cantus Oecumenicus musikalisch gestaltete Feierstunde fand unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem katholischen Friedhof statt.

Als einen „Ort des Gedenkens und des Gebets”, einen „Ort, an dem Gott wohnt”, würdigte der katholische Pfarrer Hans-Georg Schornstein in seiner Begrüßung diese neue Stätte. Hier gebe es nun Raum, um Abschied zu nehmen und Frieden zu finden, unterstrich auch Seelsorgerin Marion Behrend-Höhne, auf deren Initiative die Einrichtung zurückgeht.

In einer kurzen Ansprache nahm der evangelische Pfarrer Wolfgang Köhne Bezug auf das Wort Jesaja „Sieh her, ich habe Dich eingezeichnet in meine Hände”, das als Inschrift auf dem Gedenkstein steht. Wird ein Frühchen mit einem Gewicht von unter 500 Gramm geboren, dann war es früher und ist es oft leider heute noch gängige Praxis, dass es im Krankenhaus als „medizinischer Abfall” entsorgt wird. Erst seit einigen Jahren besteht die Möglichkeit zu Sammelbestattungen. Für die betroffenen Eltern aber ist es „ihr” Kind, nicht eines von vielen, dem sie in Vorfreude oft schon einen Namen gegeben hatten, von dem sie sich nun nicht in würdiger Form verabschieden können und keinen Ort für Trauer und Gedenken haben. Diesen Ort können sie nun auf dem Friedhof in Roetgen finden. Es ist der bisher einzige in der Region und steht offen für jeden, egal woher er kommt und welcher Konfession er angehört.

Den Gedanken an eine Gedenkstätte habe sie schon lange mit sich herumgetragen, berichtete Marion Behrend-Höhne. Als Seelsorgerin in Senioreneinrichtungen oder in der Trauerbegleitung anlässlich späterer Todesfälle habe sie in vielen Gesprächen erfahren, dass Eltern sich oft erst nach Jahrzehnten der nicht zugelassenen Trauer um ihr Kind bewusst werden und schwer an dieser Erinnerung zu tragen haben. Heute habe sich nicht nur das Bewusstsein in der Bevölkerung gewandelt, auch die Kirchen hätten endlich die Konsequenzen aus ihrer eigenen Überzeugung gezogen, dass Leben schon mit der Zeugung beginne, betonten die beiden Geistlichen.

Mit Spenden finanziert

Nachdem die katholische Gemeinde ihre Bereitschaft erklärt hatte, das Grundstück zur Verfügung zu stellen, fanden vor zwei Jahren erste Gespräche mit der Zivilgemeinde statt. Obwohl dazu keine rechtliche Verpflichtung besteht, soll jede Beisetzung eines Frühchens dokumentiert und somit auch für die Nachwelt festgehalten werden, betonte Bürgermeister Manfred Eis. Konkret wurden die Pläne dann im Frühjahr. Nach einer ersten Information im Pfarrbrief fanden mehrere Veranstaltungen statt, und es wurde um Spenden gebeten.

Im Herbst war es dann soweit, dass die Spendensumme den Baubeginn zuließ. Ein ganz besonderer Dank galt deshalb auch allen Spendern und Sponsoren, ohne deren Unterstützung der Plan nicht hätte umgesetzt werden können. Auch der gesamte Erlös des ökumenischen Pfarrfestes in Höhe von 4000 Euro ist in die Maßnahme geflossen.

Die Gedenkstätte ist noch nicht ganz fertiggestellt. Sobald wieder Geld vorhanden ist, soll unter anderem noch ein befestigter Weg von der Rampe zum Kreuz angelegt werden. Weitere Spenden sind deshalb sehr willkommen und können mit dem Stichwort „Spende Gedenkstätte” eingezahlt werden auf das Konto der Katholischen Kirchengemeinde St. Hubertus Roetgen bei der Sparkasse Aachen, Konto-Nummer 1070 839 020, BLZ 390 500 00

Die Gedenkstätte liegt auf dem katholischen Friedhof an der Hauptstraße nahe des Eingangs zwischen Kirche und Pfarrheim. Eine Treppe und eine kinderwagen- und rollstuhlgerechte Rampe führen hinauf zu dem weithin sichtbaren, weißen Kreuz und dem Gedenkstein. Eine Sitzbank ergänzt das von einer Buchenhecke eingefriedete Ensemble, an dem Eltern jetzt einen würdigen Ort zum Trauern und Gedenken finden und auch eine Kerze anzünden können.

Es besteht auch die Möglichkeit, nicht bestattungspflichtige Kinder hier in einem Mose-Körbchen - angelehnt an Moses, der in einem Weidenkörbchen ausgesetzt wurde - beizusetzen. Eine in den Rasen eingelassene Steinplatte erinnert dann an den Ort.
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