Für eine Tüte Mandeln reicht es immer

Von: Heike Eisenmenger
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Und ab geht die Fahrt im „Dschungel-Express”. Wer bei diesem Anblick Lust bekommt, aufzusteigen, hat Montag noch die Gelegenheit dazu.

Stolberg. Zwei Dinge mögen Schausteller gar nicht: Regen und das Ende des Monats. Schlechtes Wetter ist nicht eben förderlich fürs Geschäft. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass am Ende des Monats bei vielen das Geld knapp wird, „aber für eine Tüte Mandeln oder Popcorn, dafür reicht es bei den Leuten immer noch”, versichert Süßwarenhändler Hubert Gehlen.

Stadt hat ihr Möglichstes getan

Der 55-jährige Schausteller gehört zur Stammbesetzung der Kupferstädter Stadtkirmes. Die Kritik, dass sich die Kirmesbesucher aufgrund der räumlichen Aufteilung verlieren, können Gehlen und sein Sohn Thorsten nicht nachvollziehen. „Die Platzverhältnisse sind nun mal, wie sie sind. Aus den Möglichkeiten, die sich bieten, hat man das Beste gemacht”, findet der 26-Jährige Juniorchef das Konzept stimmig.

Ein Konzept, das die 60. Kupferstädter Stadtkirmes, die am Wochenende stattfand, auf die Bereiche Kaiserplatz, Bastinsweiher/Frankental und Jordansplatz aufteilte. Ebenfalls überzeugt davon, dass die Stadt eine gute Alternative gefunden hat, ist Gilbert Breuer vom Crêpesstand. „Wir können nun mal nicht alle zusammen auf einem Platz aufbauen, es ist doch in Ordnung so, wie es ist.”

Breuer ist in der achten Generation Schausteller. Im Vergleich zu damals, als sein Großvater jung war, hat sich das Geschäft sehr verändert. „Mein Opa sagt, dass die Menschen früher kaum Abwechslung kannten, für sie war die Kirmes das Ereignis im Jahr. Sie konnten sich ja auch nichts anderes leisten”, erklärt der 24-Jährige.

Der „Erlebnishorizont” des „kleinen Mannes” habe sich seither stark erweitert. Was aber nicht zwingend zum Nachteil der Rummelplatz-Macher ist. Selbst wirtschaftlich schwierigen Zeiten kann Gilbert Breuer Positives abgewinnen. „Die Leute, die nicht mehr so viel Geld im Portemonnaie haben, sagen sich: Wenn wir uns schon kein neues Auto oder einen tollen Urlaub leisten können, dann muss wenigstens der Kirmesbesuch drin sein.”

Holländer sind Kirmesfans

Geographisch betrachtet, liegen die Niederlande quasi um die Ecke. Was aber die Kirmes anbetrifft, trennen uns Welten von den Nachbarn. „In Holland hat die Kirmes einen höheren Stellenwert als in Deutschland und ist entsprechend gut besucht.” In der Konsequenz sei auch das Schaustellergewerbe sehr gut aufgestellt, „gibt es dort ganz andere Fahrgeschäfte, die in Deutschland völlig unbekannt sind”, so der Schausteller.

Was früher die Raupenbahn war, ist heute der „Dschungel-Express”: Das Karussell sichert der Schaustellerfamilie Hoster ihr Einkommen. Auch wenn diese Art von Karussell nicht zu der neuen Generation der Fahrgeschäfte gehört, so ist es immer noch beliebt. Mit gefühlten 100 Kilometer (tatsächlich sind es zirka 45 km/h) wird man in die Bank gedrückt.

Die meisten Plätze im Dschungel-Express bleiben am Samstag unbesetzt, denn es regnet. „Gegen das Wetter ist man machtlos”, sagt Juniorchef Johannes Hoster mit einem Achselzucken, der sich aber von den kleinen Widrigkeiten des Alltags nicht aus der Fassung bringen lässt.

Mit dem Platz an sich ist der 36-Jährige zufrieden, „aber man müsste an der Straße, wo es zum Jordansplatz abgeht, ein großes Hinweisschild aufbauen, damit jedem klar ist, dass dieser Bereich auch noch zur Kirmes gehört”, appelliert Hoster.

Ein sinnvoller Vorschlag, wie der anschließende kleine Test zeigt. „Echt, geht es da noch weiter?”, fragt Kirmesbesucherin Nadine. Die Antwort der 17-Jährigen ist exemplarisch: Rund ein Drittel der Befragten wusste nicht, dass der Jordansplatz Kirmesmeile ist.

Auf dem Jordansplatz steht auch die „Schiffsschaukel”. Für Nico und seinen kleinen Bruder Jonas ist dieses Fahrgeschäft das Nonplusultra. „Da ging so richtig die Post ab”, schwärmt der Neunjährige von der rasanten Fahrt.

Es brauen sich wieder dunkle Wolken am Himmel zusammen. Was dem erfahrenen Schausteller Hubert Gehlen nicht im geringsten aus der Ruhe bringt. „Irgendwann scheint auch wieder der Sonne”, sagt er zuversichtlich und wie Recht er hat, zeigt der gestrige Nachmittag: Es herrscht regelrechtes Sommerwetter, und es wimmelt nur so von Menschen.
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