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Für ein Essen reicht das Geld oft nicht aus

Von: Michael Grobusch
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Das Mittagessen in der Kita ist für viele Kinder eine Selbstverständlichkeit. Doch längst nicht alle Eltern sind in der Lage, den täglichen Beitrag aufzubringen. Foto: stock/Rainer Unkel
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Manfred Steffens (AWO) spricht von einer „zunehmenden Verarmung“. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Eigentlich galt das Projekt als Auslaufmodell. Nur noch ein Notfallfonds sollte von „Mieki“ bleiben, bis die eingegangenen Spenden aufgebraucht sein würden. Darauf hatten sich die Arbeiterwohlfahrt und die Stadt Stolberg als Initiatoren verständigt, nachdem zum 1. April 2011 das sogenannte Bildungs- und Teilhabepaket in die Sozialgesetzgebung aufgenommen worden war.

Für bedürftige Kinder und Jugendliche übernimmt der Bund seitdem einen Großteil der Kosten für das Mittagsessen in Kindergärten und Schule. Für die Eltern bleibt ein Anteil von einem Euro pro Person und Essen. Und an diesem Punkt kommt „Mieki“ wieder ins Spiel.

„Wir sind davon ausgegangen, dass es nur wenige Menschen gibt, die den Restbetrag nicht aufbringen können. Tatsächlich hat sich aber herausgestellt, dass dieser Euro in vielen Fällen ein Problem darstellt“, berichtet Manfred Steffens. Der Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt Stolberg, die die Aktion „Mittagessen im Kindergarten“ im September 2007 ins Leben gerufen hatte, registriert eine unerwartet große Nachfrage bei der Übernahme des verbleibenden Euros. Der summiert sich im Monat auf fast 25 Euro pro Kind. „Und die Familien, die an uns herantreten, haben in der Regel mehrere Kinder zu versorgen“, erläutert Steffens.

Eine Änderung der gesetzlichen Grundlage ist nicht in Sicht, auch wenn nicht nur Manfred Steffens eine Abschaffung des Eigenanteils fordert. „Der Gesetzgeber sagt, dass sich für Eltern durch den Bezug des Mittagessens eine häusliche Ersparnis ergibt“, kennt Willi Seyffarth den grundsätzlichen Ansatz, auf dem das Bildungs- und Teilhabepaket basiert. Und er hält ihn für falsch: „Wir müssen erreichen, dass allen Schul- und Kindergartenkindern ein kostenfreies Mittagessen angeboten wird“, fordert der städtische Fachbereichsleiter, auch wenn er um die finanzielle Hürde weiß, die überwunden werden müsste. Doch dieser stellt er den „wahnsinnig hohen Verwaltungsaufwand“ gegenüber, der mit der Verrechnung des Euros verbunden sei.

Für Manfred Steffens ist das ein Skandal. Vor allem, weil es um die Schwächsten in der Gesellschaft gehe. „Ich höre immer, dass Kinder unsere Zukunft sind. Doch was tun wir denn für unsere Zukunft?“, fragt er und liefert selbst die Antwort: „Viel zu wenig.“ Steffens sieht ein gesamtgesellschaftliches Problem: „Die Armut in Deutschland wird immer größer. Dass es dann am Geld für das Essen der Kinder mangelt, ist nur eine Auswirkung.“

Die Armut will die Arbeiterwohlfahrt in Stolberg zumindest etwas lindern. Das heißt konkret, dass „Mieki“ nicht auslaufen, sondern weitergeführt wird. „Im Rahmen der frühen Hilfen der Stadt Stolberg ist es von großer Bedeutung, dass dieses Angebot bestehen bleibt“, unterstreicht Willi Seyffarth.

Unbürokratische Abwicklung

Die Abwicklung soll auch in Zukunft „unbürokratisch und auf kurzem Wege“ geschehen. Das heißt, dass eine mündliche Vermittlung durch das Jugendamt, die sozialpädagogische Familienhilfe oder die Kita-Leitung ausreicht, um bei der AWO in der Kupfermeisterstraße vorstellig werden zu können. Hilfesuchende melden dann dort ihren Bedarf an, anschließend wird der Kostenanteil übernommen und an den jeweiligen Träger überwiesen, wenn die Eltern den monatlichen Bescheid vorgelegt haben.

Gut 30 Kinder profitieren derzeit von dieser Regelung, „die Tendenz ist aber weiter steigend“, betont Manfred Steffens. Entsprechend schwer ist zu prognostizieren, wie lange die angesparten Mittel noch reichen werden. „Vielleicht zwei Jahre“, schätzt der Geschäftsführer. Dann müsste sich die Arbeiterwohlfahrt um neue Spendengelder bemühen. Für den Ehrenamtler Steffens steht dies außer Frage. „Denn das sind wir den Kindern einfach schuldig.“

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