Stolberg - Für die Wehr bleibt es eine ruhige Nacht

Für die Wehr bleibt es eine ruhige Nacht

Von: Heike Eisenmenger
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Prosit mit Apfelschorle auf da
Prosit mit Apfelschorle auf das Jahr 2012: Mit Ausnahme von Schichtleiter Helmut Brück (2. von rechts), der in wenigen Wochen in den Ruhestand geht, werden diese Feuerwehrleute auch beim kommenden Jahreswechsel wieder im Dienst sein. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Vier ist die magische Zahl: Wenn vier Gongschläge durch die Hauptwache an der Kesselschmiede hallen, rennen alle zu den Einsatzfahrzeugen. Neun Feuerwehrmänner haben in dieser Silvesternacht Dienst.

Die „Blauröcke” rücken aber nicht nur bei Brandgefahr aus: Sie sind auch mit dem Rettungswagen (RTW) unterwegs. Ertönt der Gong zwei Mal, heißt das, dass bei diesem Einsatz kein Notarzt notwendig ist, drei Gongschläge bedeuten, dass der Arzt ebenfalls am Ort des Geschehens eintrifft.

Eile ist das Gebot der Stunde, denn Sekunden können über Leben und Tod oder auch über hohe Sachwerte entscheiden. Brandalarmierungen und RTW-Einsätze sind die Hauptaufgaben der Männer. Sie übernehmen aber während der Feiertage und an Wochenenden auch Notdienste, die früher das Ordnungsamt der Stadt selbst abdeckte. „Darunter fallen etwa Einweisungen”, nennt Oberbrandmeister Frank Regenfuß ein Beispiel.

Silvester im Dienst zu sein, sei kein Problem, spricht Mike Hagen für seine Kollegen. „Der Schutz der Bevölkerung muss zu jedem Zeitpunkt gewährleistet sein”, betont Schichtführer Helmut Brück, der die Verantwortung während des 24-Stunden-Dienstes trägt. Der Dienst dauert von acht bis acht Uhr. „Wir verlängern diesmal bis Sonntag um zehn Uhr. Die Jungs von der Schicht, die uns ablöst, haben gefragt, ob wir zwei Stunden länger machen können”, berichtet Brück. Das sei Ehrensache, „Kameradschaft ist sehr wichtig in diesem Beruf”, sagt der Hauptbrandmeister.

Für Helmut Brück ist es die letzte Silvester-Schicht: „Noch 25 Mal Dienst, dann werde ich pensioniert”, erzählt der 59-Jährige, und es klingt wehmütig.

Ob in einer Silvesternacht die Alarmierungen Schlag auf Schlag kommen oder alles ruhig bleibt, dazu wagen selbst Feuerwehrleute, die schon lange im Beruf sind, keine Prognosen. „In der Millenium-Nacht waren wir mit doppelter Besetzung hier, weil mit vielen Einsätzen zu rechnen war. Passiert ist aber kaum etwas. Bei einem ganz regulären Neujahrswechsel hingegen war der Teufel los”, bemerkt Frank Regenfuß.

Bei einer 24-Stunden-Schicht ist ein warmes Essen für die Männer ein Muss, denn im Einsatz wird ihnen körperlich viel abverlangt. Zum Jahreswechsel haben sie für ein Festessen zusammengelegt. Just in dem Moment, als der Mandelpudding gelöffelt wird, ertönt der Gong. Vier Mal. Hans-Peter Boßer in der Zentrale versorgt über die Lautsprecheranlage seine Kollegen mit den wichtigsten Infos. Die Brandmeldeanlage des Burgcenters an der Zweifaller Straße sei aktiviert. Im Laufschritt eilen die Männer in die Fahrzeughalle, wo die Drehleiter und die Löschfahrzeuge abgestellt sind. Die Dieselmotoren sind permanent vorgeglüht und die Batterien an die Stromversorgung angeschlossen, damit die Fahrzeuge sofort abfahrbereit sind. An der Zweifaller Straße angekommen, sehen die Feuerwehrleute aus den Augenwinkeln Jugendliche davonlaufen. Augenscheinlich haben sie im Treppenhaus des Burgcenters eine Rakete gezündet, und der Rauch hat die Sensoren der Feuermelder aktiviert.

Es soll die einzige Feueralarmierung in dieser Nacht bleiben. So viel Glück haben die Kollegen, die mit dem Rettungswagen fahren, nicht. Nach Mitternacht steigt der Alkoholpegel bei vielen Feiernden. Traurige Rekordhalterin wird am Ende der Schicht eine 16-Jährige sein, die mit 2,41 Promille Alkohol im Blut ins Krankenhaus eingeliefert werden muss.

In den Zellen der Polizeistation gleich neben der Feuerwehrwache brennt Licht. „Das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass die Kollegen zu tun haben”, erklärt Frank Regenfuß. Alkoholisierte Personen im hilflosen Zustand gab es auch vor 20 Jahren. Aber dennoch gebe es einen Unterschied. „Früher wurde auch zu viel getrunken”, meint Regenfuß. „Aber damals waren das in der Hauptsache Bier, Wein oder Schnaps.” Heute aber mischten insbesondere junge Leute harte Sachen wie Wodka mit Limonade, „das übertüncht den Alkoholgeschmack”, erklärt der 39-Jährige. „Die meisten fürchten Schwierigkeiten und rufen dann, wenn nichts mehr geht, den Rettungswagen”, erzählen Frank Aretz und sein Kollege Stephan Theis.

Der Gong ertönt erneut zwei Mal, die RTW-Besatzung ist wieder gefordert, offenbar ist wieder zu viel Alkohol der Grund. „Man hat auch seine Stammgäste, dass ist bei den Kollegen von der Polizei nicht anders”, bemerkt Schichtführer Helmut Brück.

Manchmal kommt jede Hilfe zu spät. Das zu verkraften, haben die Männer in ihrer Ausbildung gelernt, aber schwer sei es in der Praxis dennoch, sagen sie unisono.

Richtig wütend werden die sonst so besonnenen Feuerwehrleute, wenn sie bei einem Einsatz trotz Martinshorn und Blaulicht von anderen Verkehrsteilnehmern ignoriert werden. „Man kann es stellenweise gar nicht glauben. Es gibt Autofahrer, die machen einfach nicht Platz”, beschreibt Stefan Klos. Eines der Erlebnisse, die Helmut Brück fassungslos machen, ereignete sich ausgerechnet in einer Silvesternacht: „Bei einem Einsatz passierten wir die Brücke vor dem Europatunnel. Dort standen Jugendliche und haben mit einer Bierflasche auf uns gezielt.” Die Feuerwehrleute im Cockpit hatten großes Glück, weil die Flasche die Frontscheibe verfehlte und das fahrende Löschfährzeug nur am Dach traf.

Diesmal bleiben die Feuerwehrmänner von derartigen Aktionen verschont. Auch deshalb ist es eine ruhige Silvesternacht 2011/12.
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