Stolberg - Für den blauen Dunst gibt‘s die Rote Karte

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Für den blauen Dunst gibt‘s die Rote Karte

Von: Doris Kinkel-Schlachter
Letzte Aktualisierung:
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Shisha-Café in der Innenstadt: Ab 1. Mai dürfen die Wasserpfeifen hier nicht mehr blubbern. Das Verbot gilt auch für alle Raucherkneipen, -clubs und -räume in Gaststätten.
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Kommt gerne in die „Smokers Lounge“: Wilfried Rosenberg.

Stolberg. Bald hat es sich ausgequalmt: Der Countdown läuft, nur noch acht Tage, dann ist 1. Mai. Und ab diesem Tag sind in Nordrhein-Westfalen Raucherkneipen, Raucherclubs, so genannte Shisha-Bars (Wasserpfeifen) und Raucherräume in Gaststätten verboten.

Das grundsätzliche Rauchverbot erfasst auch Festzelte. Die einzige Ausnahme bilden private Feiern. Dazu gehören zum Beispiel Familienfeste, die als geschlossene Gesellschaften ganze Gaststätten oder streng abgetrennte Räume anmieten.

Das Rauchverbot gilt auch für die E-Zigarette, also die elektrische Version des Glimmstengels. Eine steigende Entwicklung bei den „Dampfern“ macht Kerstin Titz vom gleichnamigen Tabakwaren-Geschäft in der Innenstadt aus. „Wir haben die E-Zigarette bestimmt schon seit drei Jahren im Angebot.“ Die elektrische Zigarette ist eine Erfindung, die es ermöglicht, Nikotin auf alternative Weise ohne Verbrennung von Tabak zu konsumieren. Viele Dampfer begreifen sich als Nichtraucher, da sie ja ganz konkret nicht mehr „rauchen“, sondern „dampfen“.

Dabei darf natürlich nicht außer Acht gelassen werden, dass das Nikotin bleibt. Kerstin Titz glaubt daran, dass Rauchen oder Dampfen in Gaststätten auch nach dem 1. Mai noch „auf dem kleinen Dienstweg geregelt werden kann“. Der Wirt könne schließlich entscheiden, ob er zum Beispiel zu späterer Stunde ein Schild mit den Worten „geschlossene Gesellschaft“ raushänge. „So könnte ich mir das zumindest vorstellen“, sagt sie.

Von der Definition her sei es jedoch egal, ob die E-Zigarette Rauch oder Dampf ausstoße, erklärt das NRW-Ministerium für Gesundheit. Und da das Gesetz nicht auf bestimmte Rauchwaren beschränkt ist, umfasse es also auch Zigarren, Zigarillos, Pfeifen und Wasserpfeifen. Shisha-Cafés gibt es mehrere in Stolberg, allein auf der Mühle drei an der Zahl. Im legendären „Toulouse“ betreibt Abdul Nasser Mohaisch einen Shisha-Shop. Einige junge Frauen und Männer sitzen in gemütlicher Runde beisammen.

Es blubbert und dampft, der Duft von Äpfeln, Kirschen, Minze und Zitronen vermischt sich zu einem exotischen Potpourri, der den abgedunkelten Raum einnimmt. Einzig die Worte des Inhabers lassen den nicht rauchenden Besucher aus seinem kurzen Tagtraum, der sich in einem orientalischen Land abgespielt hatte, wieder in die Realität zurückkommen. „Mein Laden brummt, ich habe immer gute Kundschaft hier. Jetzt ist die Pleite in Aussicht“, sagt der Libanese. An warmen Tagen können seine Kunden vor der Tür sitzen. Dort hat Mohaisch ein paar Tische und Sitzplätze. „Aber was dann“, fragt er – und kennt die Antwort längst.

Die Shisha ist in vielen arabischen Ländern ein fester Bestandteil der Kultur, das gemeinsame Rauchen wurde und wird bis heute als Symbol der Gastfreundlichkeit angesehen. So sehen es auch die Gäste, die an diesem Nachmittag im Shisha-Café sitzen.

In seiner Freiheit eingeschränkt sieht sich unterdessen Wilfried Rosenberg. Gemütlich sitzt er im Tabakwaren-Geschäft von Petra Groten unmittelbar neben „Victor“ mit direktem Durchgang zum Kaufhaus. In der geschlossenen „Clubmaster – Smokers Lounge“ trinkt er eine Tasse Kaffee – und raucht in dieser Zeit zwei Zigaretten. Er kommt immer wieder gerne hier hin. Ab dem 1. Mai kann er sicherlich noch Kaffee trinken, der Rest wird wohl blauer Dunst sein. „Diese Politik ist verlogen. Einerseits verbieten die Herrschaften uns das Rauchen, andererseits subventionieren sie den Tabakanbau“, ärgert sich der Stolberger über eine Bevormundung seitens der Regierung.

Petra Groten weiß nicht so recht, wie es weitergehen wird nach dem 1. Mai. „Es hieß, dass jede Kommune das anders handhaben würde“, sagt die Geschäftsinhaberin. Sechs Jahre ist sie jetzt in Stolberg, seit über zwei Jahren in den jetzigen Räumlichkeiten, eigens, um dort einen „Verkostungsraum“ für Tabakwaren einrichten zu können. „Wir werden unglaublich bevormundet. Demnächst dürfen wir bestimmt auch keinen Alkohol mehr zu uns nehmen, weil er ungesund ist. Das kann für mich den Ruin bedeuten!“

Ruiniert sind Jutta und Helmut Steckmann zwar nicht, aber ihre fünfstellige Investition sehen sie nun rasch verqualmen. Als 2008 das letzte Gesetz zum Nichtraucherschutz in Kraft getreten war, mussten die Inhaber der Konditorei Urlichs Umsatzeinbußen verbuchen. Schnell reagierten sie jedoch und bauten einen Bereich zum geschlossenen Raucherraum mit Abzugsanlage um. „Wir haben uns an das Gesetz gehalten und werden jetzt bestraft“, sagt Jutta Steckmann. Und ihr Mann gibt grundsätzlich zu bedenken: „Es ist doch viel schlimmer, dass in ganz vielen Haushalten die eigenen Kinder tagtäglich vollgepiffen werden.“

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