Für das Forum ist der rote Teppich entrollt

Von: Kolja Linden
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Schauen, hören, anfassen: Im Forum Zinkhütter Hof gibt es für jedes Alter etwas zu entdecken. Foto: K. Linden

Stolberg. Für Sebastian Wenzler ist es „nur ein Etappenziel”, aber eines das kräftig gefeiert werden durfte. Und für Stolberg war es definitiv ein großer Tag: Am Sonntag wurde das Forum Zinkhütter Hof eröffnet, und es kamen so viele Gäste, dass sich in der frisch eingerichteten Häuserzeile die buchstäblich alten Balken bogen.

Brechend voll war es am Mittag in dem außerschulischen Lernort, und kaum hatte Andrea Prym-Bruck, die Vorsitzende der Stiftung Zinkhütter Hof, das symbolische Eröffnungsband durchschnitten, strömten die Besucher vom Foyer aus in die mittlerweile komplett ausgestatteten Räume: in die Museumswerkstatt, die Geschichts- und die Zukunftswerkstatt, in die Räume, die das Leben und Wohnen von Unternehmer- und Arbeiterfamilien darstellen. Lesen, schauen, hören, anfassen: alles war erlaubt.

Zuvor hatten in einer etwa einstündigen Feierstunde der Vorsitzende der Fördergesellschaft des Industriemuseums, Professor Paul Thomes, und Museumsleiter Sebastian Wenzler zurückgeblickt auf das, was bisher erreicht wurde, und zugleich einen optimistischen Blick nach vorne gewagt. „Die Zukunft hat einen neuen Namen und einen neuen Standort”, sagte Thomes: „Zinkhütter Hof.”

Selbst kreativ werden

Selbst kreativ zu werden, etwas zu machen, Hand anzulegen, darum gehe es und nicht darum, einfach nur Vergangenheit zu konsumieren. Thomes appellierte an die Politik, weiter Mittel zur Verfügung zu stellen, damit die Bildungsarbeit im Forum geleistet und von Schulen auch angenommen werden kann: „Wir brauchen Ihren Rückenwind”, ermahnte er die anwesenden Kommunal- und Landespolitiker.

Rekordverdächtig die Anzahl der Festredner an diesem Tag: Nicht weniger als sechs Grußworte gab es, angesichts der Bedeutung des Ereignisses aber „durchaus angemessen”, wie Paul Thomes befand.

Während Bürgermeister Ferdi Gatzweiler die Bedeutung der 4,5 Millionen Euro schweren Fördergelder, die durch die Bauarbeiten in die regionale Wirtschaft geflossen sind, betonte, blickte Kreisdirektor Helmut Etschenberg in die Zukunft der Städteregion: „Wir wollen die Bildungs- und Wissensregion Nummer eins in Deutschland werden”, kündigte der designierte Städteregionsrat an. „Der Zinkhütter Hof trägt dazu bei, diesem hohen Anspruch gerecht zu werden.” Wichtig sei dass es gelänge, außerschulische Angebote wie dieses transparent und allen Bildungsschichten zugänglich zu machen.

Als Vertreter der Landesregierung aus Düsseldorf war Dr. Michael Stückradt, Staatssekretär für Wissenschaft und Bildung gekommen. Für den Stolberger ein Heimspiel, und seine Freude darüber betonte er auch: „Man kann den Wert dieses Ortes für die Region gar nicht hoch genug einschätzen”, sagte Stückradt und erklärte: „Wir haben ein großes Problem - den eklatanten Mangel an jungen Menschen, die sich für eine Ausbildung in einem naturwissenschaftlichen oder technischen Beruf entscheiden. Das Forum kann helfen, dieses Problem zu lösen.”

In die gleiche Kerbe schlug auch Horst Pankatz: „Dieser Ort kann das Feuer der Begeisterung bei jungen Menschen für Naturwissenschaft und Technik entfachen”, so der stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung im Landschaftsverband Rheinland (LVR), einem der wichtigsten Geldgeber des Industriemuseums. und auch Michael Bayer, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Aachen, hofft auf die Wirkung des Forums auf Jugendliche, denn: „Wir werden jetzt in eine Zeit kommen, wo uns Auszubildende fehlen werden.”

Doch das Forum Zinkhütter ist nicht nur die Erweiterung des Museums um einen Parcours zur beruflichen Orientierung. Es soll Jugendlichen helfen bei ihrer gesamten Lebensplanung. Darum ist auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) mit im Boot. Weil die Bundeszentrale dem Forum die Nutzung ihres pädagogischen Konzepts gestattet und zugleich mit Info- und Arbeitsmaterial unterstützt, habe sie ihm gewiss eine siebenstellige Summe erspart, sagte Museumsleiter Sebastian Wenzler.

„Wir verfolgen schließlich ein gemeinsames Ziel”, erklärte Anke Erath, Diplom-Pädagogin bei der BZgA. Jugendlichen sollen Perspektiven aufgezeigt werden, und zwar mit einem pädagogischen Ansatz, der sich nicht auf die Schwächen, sondern ganz bewusst auf die Stärken der Jugendlichen konzentriert: „Finde heraus, was dich interessiert, und fokussiere dich auf das, was du kannst”, beschrieb sie den Ansatz. Für das Stolberger Forum kannte die BZgA-Expertin nur Lob: „Wir kommen viel herum in Deutschland, haben aber noch kein vergleichbares Projekt gefunden”, sagte Erath. „Das Forum Zinkhütter Hof ist einzigartig in der Bundesrepublik.”

So war der gestrige Tag wohl mehr als nur das Ende einer Etappe. Grund genug zu feiern, auch für Sebastian Wenzler und sein Team.
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