Stolberg - „Frittieren und Frisieren“ für den guten Zweck

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„Frittieren und Frisieren“ für den guten Zweck

Von: Johannes Mohren
Letzte Aktualisierung:
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Engagiert für den guten Zweck: Kendy Frings (v.l.) und Nadine Esser vom Friseursalon Haarlekin stylen die Beschäftigten des Sozialkaufhauses, hier Stephanie Joeris und Marion Ziolek. Foto: J. Mohren

Stolberg. Eigentlich verbindet sie die Leidenschaft für Heavy Metal. Er, Sascha Horbach, Sozialarbeiter im Sozialkaufhaus in Stolberg, ist der Mann an der Gitarre – sie, Andrea Münster, Inhaberin mehrerer Friseursalons, die Sängerin. Doch es ist eine Bekanntschaft, die über die harte Musik hinausgeht.

„Vor vier Jahren gab es in der Schatzinsel, einem Aachener Sozialkaufhaus, eine Frisier-Aktion“, berichtet Horbach, „und wir haben uns gedacht: Was in Aachen klappt, läuft bei uns in Stolberg bestimmt auch.“ Der Deal zwischen dem Gitarristen und der Sängerin, dem Sozialarbeiter und der Friseurin, war gemacht.

Für die Kunden – hauptsächlich die Beschäftigten des Sozialkaufhauses – ist es ein besonderes Erlebnis. Der mobile Salon, der mit zwei Stühlen und einem Spiegel in einer Ecke im Erdgeschoss aufgebaut wird, erregt sichtlich Aufmerksamkeit. „Ich habe vor drei Tagen davon gehört, dass die Friseure bei uns vorbeikommen“, erzählt etwa Marion Ziolek, die im Untergeschoss des Sozialkaufhauses Kleidung für den Verkauf vorsortiert. Zunächst, sagt sie, sei sie ganz schön misstrauisch gewesen. Eine typische Reaktion, so Sascha Horbach: „Hier sind viele Menschen angestellt, die sich so etwas sonst gar nicht leisten können“, betont er. Sie alle beziehen Arbeitslosengeld II, im Sozialkaufhaus erarbeiten sie sich für 1,10 Euro pro Stunde ein schmales Zubrot. „Viele von ihnen, da muss man realistisch sein, sind auch ziemlich ar-beitsmarktfern“, berichtet Horbach. Eine baldige Vermittlung durch das Jobcenter scheint wenig wahrscheinlich. Das Sozialkaufhaus bietet ihnen daher die Möglichkeit, ihren Tag mit sinnvoller Beschäftigung zu strukturieren. Professionelles Haarstyling, wie es Nadine Esser und Kendy Frings vom Friseursalon Haarlekin anbieten, gehört für sie nicht zum Lebensalltag.

Marion Ziolek landet trotz anfänglicher Zweifel auf dem Stuhl. „Es hat Überwindung gekostet, gerade auch, weil so viele zuschauen. Aber die anderen trauen sich ja auch“, sagt sie. Nadine Esser nimmt sich ihrer Kurzhaarfrisur an, fragt nach ihren Wünschen, es entsteht ein nettes Gespräch. „Kennen Sie so etwas“, fragt Esser zwischendurch, als sie mit verschiedenen Geräten durch Zioleks Haar geht. „Nein“, sagt diese ehrlich – unangenehm muss ihr das hier nicht sein. Am Ende gibt es noch ein bisschen Pep mit Gel. Das Ergebnis sorgt beim Blick in den Spiegel für große Begeisterung. „Das sieht prima aus“, ist Ziolek begeistert.

Und das wiederum macht Sascha Horbach glücklich. „Das ist ein toller Bonus. Es ist wirklich schön, dass die anfängliche Skepsis letztlich so großem Zuspruch gewichen ist“, sagt er. Horbach gehört zu den vier fest angestellten Leitern des Sozialkaufhauses, in dem die rund 70 Mitarbeiter in verschiedensten Beschäftigungsbereichen aktiv sind. Im Recyclinghof, bei der Möbelaufbereitung oder etwa in der Küche, aus der an diesem Tag – wie an jedem Mittwoch – die Schnitzel mit Pommes gereicht werden, die mit ihrer Zubereitung den ersten Teil des Veranstaltungsnamens „Frittieren und Frisieren“ erklären.

Gutes Netzwerk und Kontakte

Ein gutes Netzwerk und persönliche Kontakte seien wichtig, um immer wieder solche Aktionen möglich zu machen. Denn die, daran lässt der Sozialarbeiter Horbach keinen Zweifel, sind unerlässlich: „Es gibt viele Bedürftige, und es ist bei ihnen eine große Wertschätzung da, wenn so ein Event stattfindet. Das ist entscheidend, weil mit unseren Teilnehmern die Arbeit steht und fällt.“

Ein Urteil, das sein Kollege Manfred Peters nur teilen kann. „Es ist eine tolle Geste von Selbstständigen, hier so etwas zu unterstützen“, fügt er mit Blick auf die Friseure hinzu. Die erledigen ihre kostenlose Arbeit mit sichtlich viel Freude: „Es ist eine tolle Aktion, so etwas müsste viel öfter gemacht werden“, sagt Esser, die sich mit Horbach, Peters und Co. zudem über jede Spende freut, die die Frisierten – ganz nach ihren finanziellen Möglichkeiten – nach ihrem Styling abgeben können.

Denn das Geld ist schon verplant. „Weihnachten wird hier wieder alles leer geräumt, und dann laden wir 150, 160 benachteiligte Kinder ein, die sich am Weihnachtsbaum Geschenke abholen können“, erzählt Peters. Die nächste Aktion steht also bereits – und noch mehr glückliche Gesichter sind schon sicher.

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