Frauen tauchen in eine andere Kultur ein

Von: Heike Eisenmenger
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Stolberg. Was hier einen Schauer über den Rücken jagt, ist bei den Einwohnern Papua-Neuguinea etwas ganz Alltägliches: „Frauen, deren Babys gestorben sind säugen mit ihrer Muttermilch Ferkel. Und die Kindersterblichkeit in Papua-Neuguinea ist hoch.” Erzählte Nothburga Knops beim „Weltgebetstag der Frauen 2009”.

Schweine seien in Papua-Neuguinea etwas sehr Kostbares. Sie stünden für den Reichtum einer Familie, seien Zahlungsmittel und Tauschobjekt; das Schwein gelte als Glückssymbol, und deshalb erhalte es die sonst nicht mehr benötigte Muttermilch.

Auch in Venwegen und Zweifall

Es ist eine völlig andere Kultur, in die rund 130 Stolbergerinnen beim Weltgebetstag der Frauen in der Innenstadt eintauchten. Er findet zeitgleich in 170 Ländern statt. Die Christinnen verfassen für die ökumenischen Wortgottesdienste Gebete, gestalten ihn selber, sitzend anschließend beisammen und diskutieren. Der Weltgebetstag fand in St. Mariä-Himmelfahrt und im evangelischen Gemeindezentrum an der Frankentalstraße statt, aber auch in Zweifall und Venwegen tauschten sich evangelische und katholische Christinnen aus.

In jedem Jahr steht ein anderes Land im Mittelpunkt. Die Länder wechseln, die Probleme der Frauen aber seien fast immer die gleichen, resümierte Knops. „Die Frauen leiden unter Analphabetentum, es gibt kaum medizinische Versorgung, sie werden unterdrückt und ausgebeutet”, fasste Knops zusammen.

Zuvor habe sie so gut wie nichts über Papua-Neuguinea und über die dortigen Verhältnisse gewusst, sagte Nothburga Knops offen, die für den organisatorischen Ablauf der Weltgebettages in Stolberg zuständig war. Zu den Aufgaben der 68-Jährigen gehört es auch, über die Probleme der Frauen in Papua-Neuguineas zu informieren. Darum werden für die Organisatorinnen im Vorfeld Schulungen angeboten, in denen Frauen aus erster Hand über die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Verhältnisse des Landes ins Bild gesetzt werden.

Ihr neu erworbenes Wissen gab die 68-Jährige an die rund 130 Besucherinnen weiter. „Das finde ich auch so toll am Weltgebetstag: Man schaut über den Tellerrand und erfährt Wichtiges über die Menschen in anderen Ländern.”

Ziel des Weltgebetstages ist, dass Frauen Verantwortung übernehmen - und zwar in der Gemeinde wie auch auf breiter Basis, also in der Gesellschaft. Die quer über den Globus stattfindende Veranstaltung ist vor allem ein Zeichen der Solidarität: Frauen treffen sich in der Hoffnung, die Welt ein klein wenig besser zu machen.

Frauen haben in Papua-Neuguinea nicht den Stellenwert eines Mannes, ihr Leben ist meist gepägt von harter Arbeit. „Die Frauen dort müssen alle Tätigkeiten machen, die anfallen. Fast die Hälfte der Frauen kann weder Lesen noch schreiben”, berichtete Knops. Hinzu komme die wirtschaftliche Ausbeutung, die gekoppelt ist an die Zerstörung der Umwelt - all diese Faktoren zusammen seien die Ursache für bittere Armut in Papua-Neuguinea.

Der Raubbau habe einen Namen: Palmöl. Die Nachfrage nach Palmöl sei riesig, da es auch als Ersatz für Sprit diene, hieß es. Tag für Tag würden große Flächen Urwald abgeholzt, um weitere Plantagen anzubauen, in denen die Bauern für ein Minimum an Bezahlung schufteten.

Beim Weltgebetstag der Frauen wurde auch über soziale Projekte gesprochen, die von den Kirchen gefördert würden. In Papua-Neuguinea soll der Bildungsbereich verstärkt in Angriff genommen werden, „die Frauen sollen nicht nur Lesen und Schreiben lernen, sondern vor allem begreifen, dass dies der Schlüssel für ihre Kinder ist, um der Armut und der sozialen Ungerechtigkeit zu entfliehen”, machte Nothburga Knops deutlich.

Bei der Kollekte in der Innenstadt kamen 494 Euro zusammen, was ein sehr gutes Ergebnis sei. Zum Abschied überreichte Knops den Frauen Kekse in Schweinchen-Form, dem Glückssybol der Menschen in Papua-Neuguinea.
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