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Frauchen lässt nicht alles mit sich machen

Von: Robert Flader
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Der Blick geht ins Ungewisse:
Der Blick geht ins Ungewisse: Anja Möbes mit ihren vier reuen Gefährten Jasper (9 Jahre alt), Rica (5), Marbo (2) und Noly (1). Ob sie bei einer Beibehaltung des aktuellen Hundesteuersatzes alle Vierbeiner behalten kann, weiß die Hundephysiotherapeutin nicht. Foto. R. Flader

Stolberg. Anja Möbes ist 38 Jahre alt, hat drei Kinder und vier Hunde. Doch irgendwann reichte es, nicht mit dem Nachwuchs, aber mit den Abgaben. Der nächste Bescheid, die nächste Steuererhöhung, die Breinigerin wollte sich das alles nicht mehr gefallen lassen.

Wenn es um ihre vierbeinigen Lieblinge Jasper, Rica, Marbo und Noly geht, versteht die grundsätzlich gut gelaunte und freundliche Frau nämlich keinen Spaß.

Und genau der wurde ihr Anfang des Jahres genommen, als der Bescheid über die wieder einmal gestiegene Hundesteuer und der freundliche Hinweis auf baldige Zahlung im Haus der Möbes eintrudelte.

Stolberg steht, was den Hundessteuersatz angeht, ganz weit oben im städteregionsinternen Ranking. „Ich dachte erst, die Erhöhung sei ein Scherz oder ein Fehler auf dem Überweisungsträger”, sagt die gelernte Hundephysiotherapeutin.

Vorliebe für Pflegefälle

Weil es aber von Seiten der Stadt alles andere als ein Witz war, blieb ihr nichts anders übrig, als insgesamt 816 Euro (aktuelle Gebühren siehe Info-Box) an die Kommune zu überweisen. „Unter Vorbehalt, weil ich keinen Zahlungsverzug riskieren wollte”, sagt sie zerknirscht.

Gerne hat sie es nicht gemacht, auch wenn ihr die vier Hunde ans Herz gewachsen sind und sie sich vor allem um Pflegefälle, Tiere mit Handicap, kümmert. In einem Brief an Bürgermeister Ferdi Gatzweiler hinterfragte sie Sinn und Zweck der abermaligen Erhöhung. In der Antwort stand unter anderem: „Die Stadt Stolberg befindet sich in einer extrem desolaten Finanzsituation. Sie ist verpflichtet, alle Einnahmemöglichkeiten auszuschöpfen.” Damit war der Schriftwechsel aus Verwaltungssicht erledigt.

Aus Anja Möbes Sicht hatte sich das nicht erledigt, und nachdem sich in den vergangenen Monaten zahlreiche Hundehalter aus dem Stadtgebiet über diese Form der „Abzocke” beklagten, war auch für die Hundeliebhaberin der Zeitpunkt gekommen, gegen die im Januar getroffene Ratsentscheidung vorzugehen.

Zunächst schlossen sich in der Interessengemeinschaft (IG) Hundebesitzer Stolberg frustrierte Freunde von Vierbeinern zusammen, um bei Tierärzten, Tierheimen und Tierschutzvereinen Unterschriften gegen die Hundesteuererhöhung zu sammeln. Doch weil damit allein wohl kaum ein Ratsentscheid rückgängig zu machen ist, werden die Tierfreunde am kommenden Dienstag, 22. Mai, um 17 Uhr vor dem Rathaus stehen und gegen die in ihren Augen Ungerechtigkeit protestieren.

Mit leeren Leinen, mit leeren Halsbändern. Ohne Hunde. „Das soll symbolisch dafür stehen, dass sich viele von uns schon überlegt haben, sich von ihren kleinen und großen Mitbewohnern zu trennen”, sagt Möbes. Sie hat die Hoffnung, dass dann, unmittelbar vor der Ratssitzung, der Bürgermeister und die Fraktionschefs der Rats­parteien zum persönlichen Gespräch bereit sein werden. „Sie sollen unsere Sorgen verstehen. Sie sollen mal sehen, was tierliebe Stolberger von ihrer Entscheidung halten.”

3352 Menschen besitzen im Stolberger Stadtgebiet genau 3854 Hunde (laut Bestandskontrolle 2010) und bislang sei kein Rückgang aufgrund von steigenden Steuersätzen festzustellen, sagt Roland Gillessen vom städtischen Steueramt. „Die Haltung eines Tieres macht man nicht von einer Steuer abhängig”, so der Amtsleiter, der selber in den städtischen Hundetopf einzahlen „darf”. Die Steuer habe auch nicht ausschließlich eine geldeintreibende Funktion. Gillessen: „Es geht natürlich auch um die Ordnung, der Bestand soll nicht Überhand nehmen.”

Die Hundesteuer ist ein klassisches Beispiel für eine politische Entscheidung, die, um es vorsichtig auszudrücken, polarisiert. Viele Hundebesitzer verstehen den Sinn der Abgaben nicht. Oder wollen ihn nicht verstehen. Oder beides.

Aufhebung gefordert

Auch Thomas Schröder fordert die umgehende Aufhebung der Steuer. „Die Hundesteuer ist eine reine Luxussteuer, die nicht zweckgebunden ist und daher abgeschafft gehört”, sagt der Präsident des deutschen Tierschutzbundes.

Sollte der Protest am kommenden Dienstag ungehört bleiben, die Hundesteuersätze auf dem aktuellen Niveau bleiben oder gar weiter steigen, weiß Anja Möbes schon, dass sie dann keinen weiteren Brief an die Stadt, keinen weiteren Protest organisieren wird. Frauchen will nicht alles mit sich machen lassen. „Wenn sich nichts tut, bin ich weg, sobald die Kinder groß sind”, sagt sie. Das würde sie nicht gerne tun, „aber als Hundebesitzer wirst du in Stolberg arm.”
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