Stolberg - Fleisch und Reis als paradiesische Verheißung

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Fleisch und Reis als paradiesische Verheißung

Von: Heike Eisenmenger
Letzte Aktualisierung:
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Großzügig: Nach dem vielen Fasten waren die Besucher in der Stadthalle sichtlich froh über die Mahlzeiten. Foto: Heike Eisenmenger

Stolberg. Es herrscht lärmende Geschäftigkeit in der Stadthalle Stolberg: Besteck klappert, Männer schaffen auf großen Tabletts Suppen heran, und Jugendliche sorgen für Nachschub an Limonade und Wasser auf den langen Tischen.

Lachen, Gesprächsfetzen in türkischer und deutscher Sprache und das Besteckklappern von rund 1300 Menschen verschmelzen zu einem angenehmen Grundgeräusch. Es steht für Geselligkeit und Miteinander zu leben. Miteinander und nicht nebeneinander. Ein immenser Unterschied.

Zum dritten Mal in Folge laden die türkisch-islamischen Gemeinden aus Stolberg ihre Mitbürger ein, mit ihnen das Fastenbrechen zu feiern.

Das Organisatorenteam besteht aus den Gemeinden IBV (Schneidmühle), IGMG (Eschweilerstraße) und Türk Federasyon (Schulstraße) sowie dem deutsch-türkischen Kulturverein Ditib (Rathausstraße). Es ist das Ende des Monats Ramadan, in dem es den Moslems verboten ist, tagsüber Nahrung zu sich zu nehmen.

Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang darf ein Gläubiger weder essen noch trinken. Nach dem vielen Fasten sind die riesigen Kessel mit dampfendem Reis und Kalbsfleisch gefüllt, das in einer schmackhaften Soße gekocht wurde, wie die Verheißung ins Paradies.

Großzügig werden die Portionen auf die vielen Teller gehäuft. Dazu gibt es frischen Salat nach türkischer Art. Die Einladung zum Essen basiert auf einer Jahrtausenden alten Erfahrung, dass der Akt der gemeinsamen Nahrungsaufnahme ideal ist, um einander kennenzulernen.

Mit dem „Tag der Moschee” versuchen die islamischen Gemeinden schon seit geraumer Zeit, Brücken zu schlagen, aber es kommen noch nicht so viele Interessierte, wie erhofft.

Darum gehen die türkischen-islamischen Gemeinden und die Geschäftsweltvereinigung auf die Deutschen zu. Wobei an dieser Stelle erwähnt sein muss, dass viele der türkisch-stämmigen Moslems einen deutschen Pass haben, dass viele von ihnen die deutsche Kultur adaptiert haben, vielleicht sogar deutscher sind als mancher gebürtige Deutsche.

Turgay Sacu, Vorsitzender der Ditib-Gemeinde, hat einen deutschen und türkischen Pass. "Meine Kinder haben mal scherzhaft bemerkt, dass ich der Einzige in unserer Familie bin. Meine Frau ist hier geboren und ebenso unsere vier Töchter."

Die Idee, auf die Mitbürger noch unmittelbarer zuzugehen, scheint zu funktionieren, es sind viele Deutsche gekommen. An einer Ehrentafel lassen sich geladene Gäste wie unter anderem Bürgermeister Ferdi Gatzweiler, Paul Kirch (CDU) und Pfarrer Hans-Rolf Funken das Essen schmecken.

Ein besonderer Ehrengast ist Religionsattaché Zekeriya Bülbül aus Köln. Er ist ein wichtiger Mann in der türkisch-islamischen Gemeindewelt.

"Mein Nachname heißt übersetzt in Ihre Sprache Nachtigall", erzählt der höfliche Attaché, der sich vorab für seine schlechten Deutschkenntnisse entschuldigt, die tatsächlich sehr fundiert sind.

Deutsch zu sprechen, ist ein Schlüssel, um die Tür zum Miteinander zu öffnen. "Es ist unbedingt notwendig, denn wie wollen wir uns verstehen, wenn wir nicht miteinander reden können?", sagt Turgay Sacu.

Es geht nicht darum, seine Identität abzulegen, sondern dass beide Seiten lernen, einander zu akzeptieren, das Fremde als Bereicherung verstehen, so das Fazit von Ahmet Ekin, Vorsitzender des Integrationsrates, beim abschließenden Kaffeetrinken.
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