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„Filet-Stück” für Camp Astrid greifbar nah

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Jenseits der Bahnstrecke Aachen - Köln zwischen Brücke und Steinbachstraße gelegen, gilt das Umschlagslager des früheren belgischen Camps als „Filet-Stück”, weil der frühere Gleisanschluss reaktiviert werden kann.

Stolberg. „Hier landen Sie im Grünen” heißt der Slogan für die Vermarktung des Gewerbegebietes Camp Astrid. Über einen Grundbesitz von rund 70 Hektar vefügt die Camp Astrid GmbH & Co. KG, die zur Hälfte von der Stadt Stolberg sowie von Städteregion und Sparkasse gehalten werden.

37 Hektar davon sind Waldflächen. Auf den 33 Hektar Gewerbeflächen haben sich erste Unternehmen angesiedelt und das Interesse an einer Adresse entlang der Königin-Astrid-Straße ist bei Unternehmen ungebrochen groß.

Und dennoch fehlt dem vor zwei Jahren eröffneten Gewerbegebiet noch das letzte „Filet-Stück”: Eine Fläche von insgesamt etwa 6,5 Hektar, die direkt an der Bahnlinie zwischen Aachen und Stolberg liegen, fehlt im Portfolio von Camp Astrid. Rund 4,3 Hektar davon wären gewerblich nutzbar, werden derzeit aber lediglich von Skatern für ihre halsbrecherischen Manövern in zerfallenden Hallen genutzt.

Dabei gab es vor zehn Jahren schon einmal große Pläne insbesondere mit diesem Gelände. Seine Pläne für ein Güterverteilzentrum als Umschlagplatz zwischen Schiene und Straße im Bereich des Stolberger Hauptbahnhof stellte Ewald Schmitz, Mitgesellschafter der Euregio Verkehrsschienennetz GmbH (EVS), im Sommer 2001 vor.

Dabei spielte das „Filet-Stück” im Camp eine große Rolle, weil es über einen mittlerweile zwar demontierten Gleisanschluss verfügt, aber der ließe sich selbst dann noch reaktivieren, wenn die Deutsche Bahn das Überholgleis für die Hochgeschwindigkeitsstrecke im Bereich des Stolberger Hauptbahnhofes gebaut hat, weiß heute Detlef Werry, Wirtschaftsförderer der Stadt und Geschäftsführer der Camp Astrid GmbH, nach seinen intensiven und langwierigen Gesprächen mit der DB.

Interesse der DB erwacht

Denn die Deutsche Bahn, die sich seinerzeit noch auf dem Rückzug aus dem regionalen Güterverkehr befand, zeigte vor einem Jahrzehnt plötzlich wieder Interesse an dem „Filet-Stück”, als Schmitz seine Pläne präsentierte. Auf bis zu 500.000 Tonnen schätzte der Stolberger das Potenzial an Gütern, die allein aus dem Bereich der Städteregion in der Kupferstadt umgeschlagen werden und dem Hauptbahnhof wieder eine Bedeutung verleihen sollten, die er in den 30er Jahren hatte: als „der größte Bahnhof Deutschlands überhaupt”, sagte der EVS-Gesellschafter und stellte den Vergleich mit dem großen DB-Umschlagplatz Köln-Eifeltor her.

Dimensionen, die der großen Konzernzentrale der DB in Berlin bewusst machten, welches Potenzial sie mit den 67 Kilometern Nebengleisstrecken an das vergleichsweise kleine Unternehmen in Stolberg verkauft hatte. Gerichtlich erwirkte die Bahn eine Rückabwicklung des Verkaufs des „Filet-Stücks” des Camps Astrid an die EVS.

Das liegt etwas sieben Jahre zurück, die die Deutsche Bahn aber selbst nicht nutzte, um die zurück erkämpften Möglichkeiten selbst auszuschöpfen. Bei der DB im Fokus standen der Ausbau von Hochgeschwindigkeitsstrecken und vor dem Hintergrund des geplanten Börsengangs strukturelle Veränderungen.

Wechselnde Zuständigkeiten und personelle Veränderungen bei der Bahn machten es fortan auch den Vertretern von Stadt und Camp nicht einfach, mit der DB über eine Übernahme des Geländes zu verhandeln. Denn seit Beginn der langwierigen Entwicklung des Gebietes nach dem Abzug der belgischen Logistik-Truppen aus dem Camp stand für die Stadt fest, dass das Filet Bestandteil der Gewerbeflächen sein sollte. Zeitweise hatte sogar der frühere Regierungspräsident Dr. Franz-Josef Antwerpes versucht, Stolberg mit diesen 6,5 Hektar als so genannte „kleine Lösung” abzuspeisen.

Der Durchbruch in den Gesprächen mit der Bahn gelang Detlef Werry erst vor einem halben Jahr. „Ende 2009 hat sich die DB bereit erklärt, die Flächen zum so genannten Nullwert an Stolberg zu übertragen”, freut sich der Geschäftsführer über diesen Erfolg.

Doch die Freude wird durch neues Ungemach getrübt, das nun wieder ausgerechnet aus dem Hause der Kölner Bezirksregierung aufzieht, die nach Antwerpes über Jahre die Konversion der Militärbrache begleitet und mit über acht Millionen Euro Landesmitteln gefördert hat. Aus dem Bereich des dortiges Umweltamtes wird plötzlich der Vorwurf erhoben, ungenehmigte Wassereinleitung in den Untergrund und in den Saubach durch die Baumaßnahmen im Camp geschaffen zu haben.

Wassereinleitung ungenehmigt?

„Bevor diese Vorwürfe nicht geklärt sind, macht es aus rechtlichen Gründen wenig Sinn, das Grundstück der Bahn zu übernehmen”, wundert sich Werry über die Probleme, die die Bezirksregierung heute macht, nachdem längst alle wasserrechtlichen Genehmigungen erteilt sind.

Erstaunlicherweise sollen die Entsiegelung der ehemals befestigten Flächen und die Fassung einer bereits vorhandenen Wassereinleitung nun dem Umweltamt ein Dorn im Auge sein. Unterstützt durch die Fachämter von Stadtverwaltung und Städteregion verhandelt Werry über diese Fragen mit Köln, ist aber zuversichtlich, auf einen guten Weg zu einer Lösung zu kommen.

Wenn diese gelingt, kann die Camp Astrid GmbH von der Bahn auch das „Filet-Stück” an der Gleisstrecke übernehmen, das sich ideal für eine Vermarktung an ein Logistik-Unternehmen eignen würde.
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