Stolberg - Festtagsgedicht, Erinnerungen an den Krieg und eine Paket-Aktion

Festtagsgedicht, Erinnerungen an den Krieg und eine Paket-Aktion

Von: Toni Dörflinger
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Stolberg. Weihnachtswerbung war vor 50 Jahren noch eine eher bescheidene Angelegenheit: Kleinformatige Zeitungsanzeigen, überwiegend in Schwarz-Weiß gehalten, wurden durch die Darstellung christlicher Symbolen, brennender Kerzen, vergoldeter Nüsse und abstrahierter Tannenzweige ergänzt. So wurde beispielsweise der Stern von Bethlehem genutzt, um den Weg zu „Vatis Weihnachtsgeschenken“ zu weisen, die es in Form von Oberhemden in einem Stolberger Bekleidungsgeschäft zu kaufen gab.

Vier Tage später, am 24. Dezember 1964, hatten diese Anzeigen längst Grußadressen verdrängt, die der verehrten Kundschaft ein gnaden- und segensreiches Weihnachtsfest sowie ein glückliches neues Jahr wünschen sollten. Ansonsten beherrschten vor 50 Jahren – ähnlich wie es heutzutage der Fall ist – die Tagespolitik und das Weltgeschehen das Pressewesen am Heiligen Abend.

Eine große Rolle spielte damals auf der politischen Bühne das zweite „Passierscheinabkommen“, das mehr als 800 000 West-Berliner dazu nutzten, um ihre Verwandten und Freunde im Ostteil der damals noch geteilten Stadt zu besuchen. Die Vereinbarungen zwischen dem Senat von Berlin (West) und der Regierung der DDR regelten in den Jahren 1963 bis 1971 den privaten Besucherverkehr innerhalb Berlins.

„Heimatblick“

Von ganz anderen Themen war der Lokalteil unserer Zeitung geprägt, der 1964 noch die Überschrift „Heimatblick“ trug. So prangte auf der Titelseite oben links ein Gedicht von André Franzen aus Vicht, das das Weihnachtsgeschehen rund um die „Hellije Naat“ beschrieb. Dazu passte, ebenfalls auf der linken Seite platziert, der Artikel, der in Kurzform die Weihnachtsgottesdienste in den katholischen und evangelischen Kirchen auflistete.

Mit dem Zustand des Gressenicher Gemeindewalds befasste sich ein anderer Artikel, der die Aufforstungsarbeiten im dortigen Waldgebiet beleuchtete. Umfangreiche Arbeiten waren erforderlich geworden, weil auch 19 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges noch nicht alle Bäume, die infolge der Kampfhandlungen Granat- und Geschosssplitter davon getragen hatten, durch Neuanpflanzungen ersetzt waren.

Außerdem wurde in dem Artikel deutliche Kritik am Verhalten der Gemeindeverwaltung geäußert, die es, so der Autor, bis dato versäumt habe, die Holzmengen zu ersetzen, die die Belgier in den ersten Jahren nach Kriegsende dem Stolberger Wald quasi als Reparationsleistungen entnommen hatten.

Passend zum Heiligen Abend wurde ein Artikel präsentiert, der der Paket-Aktion des damaligen Landkreises Aachen gewidmet war. Vergleichbar mit der aktuellen Weihnachtsaktion der Tafel hatte man die Bewohner der Senioreneinrichtungen – Marienheim Büsbach, Samaritaner- und Agnesheim – sowie die Mädchen und Jungen des an der Frankentalstraße gelegenen Kinderheimes (heute Kulturzentrum) mit Weihnachtspakete beschenkt. In den Genuss der mehr als 350 Pakete war auch das Personal gekommen, für dessen aufopferungsvolles Engagement man sich auf diesem Wege bedankte.

Dank gesagt wurde per Berichterstattung auch dem damaligen Stadtkämmerer Heinrich Willms, der sich nach mehr als 50 Jahren in Diensten der Stadt in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedete.

So rein gar nicht in den Heiligen Abend passen wollte unterdessen eine Meldung, die sich damit beschäftigte, dass Hans Prym, der damalige Seniorchef der William-Prym-Werke, die Belegschaft anlässlich seines 90. Geburtstages für den Sommer 1965 zu einer Schiffsreise an den Rhein eingeladen hatte.

Rückblick auf Kriegsweihnacht

Größer war der Anteil der weihnachtlichen Themen allerdings in der damaligen Beilage. Dort beschäftigte sich beispielsweise ein religiös- und kunstgeschichtlich ausgerichteter Artikel mit der Geburtsstätte Christi und ihre Darstellung in der Malerei. Sehr ernst wurde es bei der Lektüre eines Rückblickes auf die Kriegsweihnacht 1944. Denn 20 Jahre zuvor hatte in Europa noch der Zweite Weltkrieg das Weihnachtsgeschehen bestimmt. Entsprechend berichtete der Autor des Artikels von den Erlebnissen deutscher Soldaten in Russland anlässlich der Heilgen Nacht 1944, die sie ohne jegliche Feierlichkeit, in meterhohem Schnee, bei klirrender Kälte und in trostloser Einsamkeit verbracht hatten.

Zurück zum Jahr 1964: Wie es zu dieser Zeit in den Wohnstuben aussah und auf welche Art und Weise Mitte der 1960er Jahre das Weihnachtsfest auf privater Ebene gefeiert wurde, erfährt man in der damaligen Festtagsausgabe so gut wie gar nicht. Offenbar spielten diese Themen in der damaligen Berichterstattung noch keine oder allenfalls nur eine untergeordnete Rolle.

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