Stolberg - Festlicher Glanz barocker Musik

Festlicher Glanz barocker Musik

Von: H. J. Eulenpesch
Letzte Aktualisierung:
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Sehr stimmungsvoll und gekonnt: Voller und sauberer Chorklang wechselte mit gefühlvollen Arien und instrumentaler Harmonie.

Stolberg. Als Pastor Ulrich Lühring die Besucher begrüßte, konnte er voller Stolz feststellen: Es gab einfach keine freien Plätze mehr. Selbst alle zusätzlich aufgestellten Stühle waren besetzt. Er stellte die Aktiven des schon traditionellen Adventskonzerts vor.

Zu Beginn spielte die musikalische Gesellschaft Breinig unter Leitung von Dieter Beissel die Sinfonie Nr. 5 in D-Dur des hier wenig bekannten englischen Komponisten William Boyce (1711-1779) in drei Sätzen. Dabei erinnerte der hohe und reine Klang der beiden Piccolo-Trompeten an Werke wie „Feuerwerksmusik“ oder „Wassermusik“ von Georg Friedrich Händel. Boyce war neben Thomas Arne wohl der einzige englische Komponist seiner Zeit, der dem Vergleich mit seinen kontinentalen Kollegen standhielt. Schnell wurde den Besuchern klar, dass hier ausgezeichnete Musiker unter dem Dirigat von Dieter Beissel eine Musik hervorragend aufleben ließen, die man sehr lange nicht gehört hatte.

Beim Chorwerk „In dulci jubilo“ des deutschen Altmeisters der klassischen Chormusik, Dietrich Buxtehude (1637-1707), wegen dem ein gewisser Johann Sebastian Bach 1705 die etwa 400 Kilometer von Arnstadt in Thüringen nach Kiel zu Fuß zurücklegte, um ihn zu sehen und von ihm zu lernen, zeigten die fast 70 Sängerinnen und Sänger der Chorgemeinschaft St. Barbara und St. Hubertus, welch abgerundetes volles und gleichmäßiges Klangbild Chorleiter und Organisator Franz Körfer in den Probenwochen geformt hatte.

Die zahlenmäßige Überlegenheit der Soprane war nicht zu hören. Dr. Verena Fritz führte, von den Streichern sehr einfühlsam begleitet, mit voller Sopranstimme im „Ave Maria“ von Giulio Caccini (1551-1618) vor, was man unter „Monodie“ des frühen Barock versteht. Der Text besteht nur aus den beiden Worten „Ave Maria“, die mal vorsichtig, dann bestimmt die menschliche Stimme wie ein Musikinstrument zur Harmoniebildung mit den Streichern benutzt, dabei aber den Text betont.

Lebendiges Bild vom alten Venedig

In wunderbar klarer Weise spielte die musikalische Gesellschaft diesmal unter Leitung von Franz Körfer Tomaso Albinonis Konzert für zwei Oboen und Streicher (Op. 9, Nr. 3). In drei sehr unterschiedlichen Sätzen konnte sich der aufmerksame Zuhörer in etwa ein musikalisches Bild der Zeit zwischen 1671 und 1751 in Albinonis Venedig machen. Die Oboen, gespielt von Brigitta Pommerening und Bernd Schulz, führten meist das Thema an, das von den Streichern dann aufgenommen wurde. Sehr präzises und gefühlvolles Spiel machten die drei Sätze zu einem wunderbaren Klangerlebnis.

Die Chorgemeinschaft zeigte in Johann Sebastian Bachs Choral aus dem Weihnachtsoratorium BWV 248 „Ich steh an deiner Krippen hier“, welch ausdrucksstarkes Klangvolumen gekonnt gesungen werden kann. Corinna Heller stimmte die Sopran-Arie „Flößt, mein Heiland, flößt dein Namen“ mit ihrer klaren Sopranstimme erst zart, dann kräftiger und in den hohen Lagen spielerisch souverän an – mit den beiden Oboen, die im Wechsel mit Orgel (Günter Jansen) und Continuo (Peter Nickel) einfühlsam untermalt durch das Echo spielten. Dr. Verena Fritz antwortete mit weicher, voller Stimme von der Orgelbühne als stimmliches Echo, eine vom Komponisten gewollte spielerische Aktion, die den Raum des Gotteshauses voll einbezog.

Aus dem Weihnachtsoratorium von J.S. Bach sang der Chor „Jesus richte mein Beginnen“, begleitet vom Orchester. Das „Magnificat“, der Lobpreis Mariens, des Venezianischen Komponisten Antonio Vivaldi (1678-1741) zeigte in neun sehr unterschiedlichen Teilen eine Vielzahl gestalterischer Möglichkeiten, die die Sopranistinnen Corinna Heller und Dr. Verena Fritz, die Altistin Martina Küpper aus dem Breiniger Kirchenchor, die Chorgemeinschaft und das Orchester sehr stimmungsvoll und gekonnt ausspielten. Voller und sauberer Chorklang wechselte mit gefühlvollen Arien und instrumentaler Harmonie, dabei kam auch die von Günter Jansen gespielte elektronische Orgel als Cembalo zum Einsatz. Die Bläser hatten ihre Piccolo-Trompeten gegen Trompeten getauscht.

Der abschließende Choral „Ach mein herzliebes Jesulein“ aus Bachs Weihnachtsoratorium war ein furioser Abschluss eines fantastischen Klangerlebnisses für die Besucher. Ein wahrlich festliches Adventskonzert endete mit Ovationen für alle Aktiven.

Diese musikalische Delikatesse wird am 6. Januar um 17 Uhr in der Büsbacher Pfarrkirche St. Hubertus wiederholt. Wer also verhindert war, ist herzlich eingeladen, sich dies in der Büsbacher Kirche mit ihrer ausgezeichneten Akustik nicht entgehen zu lassen.

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