Stolberg - Ferdi Gatzweiler: Entspannter Rückblick auf den 25. Mai

Weltmeisterschaft Weltmeister WM Pokal Russland Fifa DFB Nationalmannschaft

Ferdi Gatzweiler: Entspannter Rückblick auf den 25. Mai

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
7973703.jpg
Den Bürgermeistersessel hat Ferdi Gatzweiler inzwischen gegen den Gartenstuhl getauscht. „Dieser Wechsel tut mir gut“, ist der 59-Jährige nach zehn Jahren im Amt überzeugt. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Das Votum der Stolberger war deutlich: Mit 51,75 Prozent der Stimmen wurde Tim Grüttemeier am 25. Mai zum neuen Bürgermeister gewählt – und somit zum Nachfolger von Ferdi Gatzweiler, der bei seiner dritten Kandidatur nur 28,97 Prozent erreichte.

Am Freitag endete für den Sozialdemokraten nicht nur eine zehnjährige Amtszeit, sondern auch seine Laufbahn als Beamter der Stadt Stolberg. Der 59-Jährige, der sich als Pensionär nicht zur Ruhe setzen möchte, hat im Gespräch mit unserer Zeitung einen entspannten Blick auf seine Zeit als Bürgermeister, auf den 25. Mai und auf die Zukunft geworfen.

Vor knapp vier Wochen sind Sie überraschend bereits im ersten Wahlgang gescheitert. Haben Sie diese Niederlage schon verkraftet?

Gatzweiler: Natürlich musste ich das Ergebnis zunächst einmal verdauen. Aber das ist mir schnell gelungen. Es geht mir sehr gut, nach der Wahl ist so einiges von mir abgefallen. Ich lebe privat wieder auf, kann alte Freundschaften jetzt wieder besser pflegen, habe einfach viel mehr Zeit. Als Bürgermeister lebt man in einem Tunnel. Ich glaube, dass mir diese Veränderung sehr guttut.

Dennoch wären Sie gerne noch einige Jahre in diesem Tunnel geblieben.

Gatzweiler: Eigentlich habe ich immer gesagt, dass ich nach zwei Wahlperioden gerne aufhören möchte, weil in einer Demokratie nach einer solchen Zeit ein Wechsel sinnvoll ist. Doch dann bin ich von meiner Partei sehr intensiv gebeten worden, noch einmal zu kandidieren. Das habe ich nach reiflicher Überlegung getan. Und wenn man sich einer Wahl stellt, will man natürlich auch gewinnen. Auch wenn ich nicht unbedingt die vollen sechseinhalb Jahre im Amt geblieben wäre.

Worauf führen Sie die Niederlage im Rückblick zurück?

Gatzweiler: Ich habe im Nachhinein festgestellt, dass es in Stolberg Probleme gibt, die immer an einer Person festgemacht werden. Und die war ich. Aus diesem Umstand ist dann eine gewisse Wechselstimmung entstanden, die die CDU mit einem sehr guten Wahlkampf für sich zu nutzen gewusst hat.

War der eigene Wahlkampf nicht gut?

Gatzweiler: Wir haben Wahlkampf gemacht wie immer und gehofft, dass die Erfolge, die wir erzielt haben, vom Wähler honoriert werden. Leider ist es uns nicht gelungen, diese Erfolge an die Bevölkerung zu bringen.

Welche Erfolge meinen Sie im Einzelnen?

Gatzweiler: Unter der Führung der SPD hat es in den vergangenen Jahren in unterschiedlichen Koalitionen Erfolge gegeben. Ich denke da beispielsweise an den flächendeckenden offenen Ganztag an den Grundschulen, die Neugestaltung der Schullandschaft, die Kitas und die Betreuung von unter Dreijährigen, die positiven Entwicklungen im Bereich von Kultur und Tourismus, und nicht zuletzt auch die Sanierung im Rahmen des Stärkungspaktes Stadtfinanzen. Das sind sehr vorzeigbare Ergebnisse, wir haben sie nur leider schlecht verkauft.

Haben Sie den Eindruck, dass Sie im Wahlkampf immer die 100-prozentig Rückendeckung Ihrer Partei hatten?

Gatzweiler: Bis zu meiner Entscheidung der erneuten Kandidatur war ich in die politische Arbeit des Koalitionsausschusses nicht eingebunden. Dieses Defizit war bis zur Kommunalwahl nicht mehr aufzuholen. Ich möchte mich aber bedanken bei allen Parteifreunden und Helfern, die mich sehr angagiert unterstützt haben.

Viele langjährige SPD-Vertreter werden im neuen Stadtrat nicht mehr vertreten sein. Wird es in der Partei jetzt einen Umbruch, einen Generationswechsel geben?

Gatzweiler: Alleine schon durch die Besetzung der neuen Fraktion wird es Änderungen geben. Allerdings werden die Erfahrenen sich weiter einbringen. So wird es möglich sein, einen vernünftigen Generationswechsel zu gestalten, ohne großen Bruch.

Sehen Sie für die Zukunft Hoffnungsträger in der SPD?

Gatzweiler: Wir haben erst in sechseinhalb Jahren wieder Kommunalwahlen. Wir müssen diese Zeit nutzen, um junge Leute für uns zu gewinnen und um den politischen Wechsel vorzubereiten. Ich glaube, da werden sich Perspektiven ergeben, die man jetzt noch gar nicht absehen kann.

Sie haben darauf verzichtet, sich in einer tragenden Rolle an der Arbeit der SPD-Fraktion zu beteiligen. Warum?

Gatzweiler: Ich möchte zeitlich nicht mehr zu stark eingebunden werden. Aber ich möchte meine ganze Erfahrung einbringen in den mir angestammten Bereichen Soziales, Jugend und Kultur. Hinzukommt noch das Thema Inklusion, in dem ich sehr gut drin bin. Das wird uns in den nächsten Jahren intensiv begleiten.

Ist für Sie eine Rückkehr in die vorderste Reihe denkbar?

Gatzweiler: Nein, ich habe keine Ambitionen auf weitere Ämter. Ich möchte meinen Ruhestand auch etwas genießen.

Sie haben im Wahlkampf immer wieder darauf verwiesen, dass Sie sich sehr intensiv und erfolgreich um das Zusammenleben der unterschiedlichen Kulturen in Stolberg bemüht haben. Würden Sie heute sagen, dass die Integration aller Menschen in Stolberg gelungen ist?

Gatzweiler: Wir haben in diesem Bereich mit mir als Bürgermeister sehr viel erreicht. Allerdings hätte ich nicht gedacht, dass es immer noch Leute gibt, die das negativ auslegen. Kürzlich bin ich auf der Straße gefragt worden, warum ich denn dem Islam beigetreten sei. Was natürlich nicht stimmt. Und bei einer anderen Gelegenheit wurde ich mit dem Vorwurf konfrontiert, dass ich, so wörtlich, mich um die Türken ja mehr gekümmert hätte als um die Deutschen. Beides hat mir gezeigt, dass es immer noch sehr viel Rassismus an den Stammtischen gibt. Und dass der Kampf für Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit noch längst nicht gewonnen ist.

Wie sehen Sie die weitere Entwicklung der Kupferstadt?

Gatzweiler: Mir müssen uns damit abfinden dass Städte in der Größenordnung von Stolberg keine Einkaufsstädte mehr sind. Das bereitet mir nicht nur Sorgen hinsichtlich des Steinweges, wo es uns vielleicht gelingen wird, Wohnraum zu schaffen. Im Blick habe ich auch die Rathausstraße mit ihrem zunehmenden Leerstand. Ich hoffe, dass es uns gelingen wird, dort mit Hilfe von Zuschüssen eine Verödung zu verhindern.

Das gehört in den Bereich der Stadtentwicklung. Ihre politischen Kontrahenten haben Ihnen im Wahlkampf vorgeworfen, diesen vernachlässigt zu haben.

Gatzweiler: Dabei wurde aber verschwiegen, dass der Personalbestand in der Verwaltung aufgrund der prekären finanziellen Situation der Stadt enorm heruntergefahren worden ist. Da sprechen wir im Planungsbereich von einer Reduzierung der personellen Ressourcen um 70 Prozent! Angesichts solcher Einschränkungen ist doch klar, dass es mit der Stadtentwicklung nur langsam vorangehen kann. Gleiches gilt für die Sauberkeit. Auch hier haben wir massiv Personal abbauen müssen. Ich bin gespannt, wie sich die Finanzen weiterentwickeln werden. Der Stärkungspakt mündet darin, dass wir die fünf Millionen Euro jährliche Hilfe nicht mehr bekommen werden. Und erschwerend kommt hinzu, dass uns die Soziallasten zusätzliche Millionen kosten werden.

Ein Wort zu Ihrem Nachfolger.

Gatzweiler: Ich hatte mit Tim Grüttemeier schon im Wahlkampf ein gutes Miteinander. Und wir haben auch eine vernünftige Übergabe gemacht. Ich bin der Überzeugung, dass es auch mal guttun kann, wenn es auf diesem Posten einen Generationswechsel gibt und nun ein junger Bürgermeister mit einer jungen CDU-Truppe die Verantwortung übernimmt. Meine Unterstützung in Sachfragen wird der neue Bürgermeister in jedem Fall haben.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert