„FDP kämpft wie Don Quichotte“ gegen neue Windräder im Wald

Von: -jül-
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Bildnummer: 58862509 Datum: 02.12.2012 Copyright: imago/PanoramiC Windräder in Deux Sevres bei Melles in der Region Poitou ILLUSTRATION : Eoliennes dans les Deux Sevres pres de Melles dans la region Poitou - Charentes - 02/12/2012 THIERRYBRETON/PANORAMIC PUBLICATIONxNOTxINxFRAxITAxBEL Wirtschaft Energiewende Regenerative Energien Windkraft Frankreich Windrad xdp x1x 2012 hoch 58862509 Date 02 12 2012 Copyright Imago Panoramic Wind turbines in Deux Sevres at Melles in the Region Poitou Illustration Eolienne Dans Les Deux Sevres Pres de Melles Dans La Region Poitou Charentes 02 12 2012 Panoramic PUBLICATIONxNOTxINxFRAxITAxBEL Economy Energy policy Regenerative Energy Wind power France Windmill XDP x1x 2012 vertical

Stolberg. Da wurde im Stadtrat sogar Paul Kirch (CDU) „Angst und Bange um die FDP“. Denn die Liberalen lehnten die weiteren Schritte zur Änderung des Flächennutzungsplanes ab, mit dem zusätzliche Konzentrationsflächen für Windenergieanlagen in Stolberg ausgewiesen werden sollen. Und die liegen nach ersten Untersuchungen vor allem im südlichen Stadtgebiet in Waldflächen – vor allem in den Bereichen, wo Stürme in der Vergangenheit großflächig Bäume gefällt hatten.

„Wir sind nicht gegen regenerative Energie“, argumentierte Bernd Engelhardt das Nein der FDP, „sondern wir sind dagegen, dass sie in den Wald gebaut wird, der das CO2 aus der Luft holt“. Und das auf dem Höhenrücken über Zweifall über 180 Meter hohe Windräder errichtet werden könnten, das mögen sich die Liberalen lieber auch nicht vorstellen. „Den Energiewandel in Stolberg vollziehen zu wollen, ist lachhaft“, meinte Axel Conrads (FDP); da müsse man sich eher der Frage stellen, wie Strom gespeichert werden könne.

Da wunderten sich die Liberalen mehr darüber, dass die Grünen sich für das Vorhaben aussprechen. Die Unterstellung Engelhardts, dass dies Lobbyismus geschehe, weil der grüne Fraktionsvorsitzende Geschäftsführer einer Gesellschaft zur Nutzung von Windenergie war, sorgte für Empörung unter den übrigen Ratsfraktionen. „Weil es vernünftig und zukunftsweisend ist“, hielt Dr. Franz-Josef Ingermann in der Sache dagegen. 30 Millionen Kilowattstunden Strom könnten in Stolberg durch Windenergie zusätzlich erzeugt werden, hatte der grüne Fraktionsvorsitzende hoch gerechnet. Mit der Ausbeute könnten 10.000 Haushalte versorgt werden. Das erspare der Umwelt 25 Millionen Kilogramm CO2, was 1000 Lkw-Ladungen im Jahr entspreche.

Darüber hinaus sei dies auch finanzpolitisch vernünftig, weil die Stadt jährlich rund 100.000 Euro einnehmen könne. „Mir kommt Herr Engelhardt eher wie ein Don Quichotte vor, der gegen Windräder kämpft“, hielt auch Hildegard Nießen (SPD) gegen. Ziel für die Energiewende müsse es sein, eine möglichst große Ausbeute aus Windenergie ins Netz einspeisen zu können. „Da kann man sich nicht alles aussuchen“, meinte Nießen.

„Erneuerbar sind auch derartige Argumente der FDP“, hieb Jochen Emonds (CDU) in die gleiche Kerbe. Immerhin sei der Anteil erneuerbarer Energie bereits von 20 auf 23 Prozent deutschlandweit gestiegen. Auch Stolberg solle seinen Beitrag leisten. Der „Wind des Wandels“ sei gefragt, so Patrick Haas (SPD), um dem Klimawandel zu begegnen. Dabei werden auch „immer Leute betroffen“ sein; „ich glaube nicht, dass fünf Prozent so wie die FDP denken“, sagte Haas. „Wir wollen gar keinen Wandel verkaufen“, verteidigte Bernd Engelhardt, „wir wollen nur keine Anlagen im Wald“, beteuerte der Liberale und fing sich harsche Kritik von Paul Kirch ein: „Sie spielen sich hier als Retter des Waldes auf“, merkte der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende an, „dabei hat die die FDP den Wald doch noch immer verkaufen wollen“.

Doch dies sei ja nur ein Prüfauftrag gewesen, wirklich verkaufen wollen, hätten sie ja nie, hielt der liberale Fraktionschef gegen. Und sein Kollege Conrads nannte die Politik der großen Koalition „unsozial und schmerzfrei“, denn zwei Mal werde die Grundsteuer angehoben, um den Energiewandel in Stolberg zu finanzieren. „Ich bin gespannt, wie sich SPD und CDU verhalten werden, wenn die ersten Proteste gegen Windräder laut werden“, sagte Engelhardt.

„Ganz Deutschland ist dankbar für die Energiewende, wir wollen in Stolberg dazu ebenso beitragen wie zur finanziellen Genesung der Stadt“, erklärte Dr. Tim Grüttemeier. Die breite Mehrheit des Rates folgte dem Vorschlag der Verwaltung, in die Änderung des des Flächennutzungsplanes zur Ausweitung der Konzentrationszonen einzusteigen und die Leistungen für die Artenschutzprüfung, die über eine komplette Vegetationsperiode laufen muss, und planerischen Leistungen auszuschreiben. Lediglich die FDP stimmte gegen dieses Vorgehen.

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