Stolberg - Familie einfach Strom abgedreht

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Familie einfach Strom abgedreht

Von: Ottmar Hansen
Letzte Aktualisierung:

Stolberg. Emine Ekinci hat eingekauft und will für sich und ihre drei Kinder das Abendessen zubereiten, dann kommt der Schock: In der ganzen Wohnung gibt es keinen Strom mehr. Das Versorgungsunternehmen EWV hat den Zähler abgeklemmt. Der Grund: Frau Ekinci soll für das abgelaufene Jahr Energiekosten in Höhe von 8000 Euro nachzahlen! Wenn das Geld nicht umgehend auf dem EWV-Konto eingeht, gibt es keinen Strom.

Die junge Mutter versteht die Welt nicht mehr. Woher soll diese riesige Rechnung kommen? „Ich besitze keinen Strom fressenden Trockner. Bei uns laufen Herd, Waschmaschine, Spülmaschine und Kühlschrank. Mehr nicht.“ In der Wohnung hängt nicht einmal in jedem Zimmer eine eigene Lampe.

Schon früh aus dem Haus

Die letzten Monate hat die komplette Familie das Haus immer schon morgens verlassen. Die Kinder gingen in den Kindergarten oder zur Schule, Emine Ekinci zum Deutschkurs. Erst abends traf man sich zum Essen in der Wohnung wieder. Wie soll es dann zu einem solchen Energieverbrauch gekommen sein, dass man 8000 Euro an EWV nachzahlen muss? Und dann wird plötzlich und ohne Vorwarnung der Strom abgedreht.

Abends sitzt die Familie in den Folgetagen bei Kerzenschein zusammen. Es gibt ja kein Licht mehr in der Wohnung. Und das bleibt auch zunächst so. Die Kleidung der Kinder zu waschen, ist nicht mehr möglich. Ihre achtjährige Tochter Ayca will nicht mehr zur Schule gehen. Die Mutter: „Das Kind hat sich geschämt, weil es mit verschmutzten Kleidern in die Klasse gehen musste.“ Auch die zehnjährige Irem und der fünfjährige Baris wissen nicht, wie sie mit der ungewöhnlichen Situation umgehen sollen.

Die arbeitslose junge Frau schaltet das Sozialamt ein. Doch die Behörde will nur einen kleinen Teil der EWV-Forderungen übernehmen. „Ich soll jeden Monat 600 Euro an EWV überweisen. Wo soll ich das Geld hernehmen?“, fragt die verzweifelte Mutter.

Zum Anwalt

Sie sucht Rat bei der Schuldnerberatung. Die kann nicht helfen. Dann geht Emine Ekinci zu einem Anwalt. Der hilft, aber er weiß, dass entsprechende Verfahren vor Gericht lange dauern können.

Auf Nachfrage der Lokalredaktion erklärt sich der Energieversorger am Freitagnachmittag immerhin bereit, den Zähler wieder frei zu schalten. „Damit den Kindern keine weiteren Nachteile entstehen.“

Die finanzielle Forderung hält EWV allerdings weiter aufrecht. Die Frage, wie ein einzelner Haushalt auf einen derartigen Energieverbrauch kommen kann, dass am Ende eine Nachzahlung von 8000 Euro fällig wird, will die Sprecherin des Unternehmens lieber nicht beantworten: „Da werden wir das juristische Verfahren abwarten müssen.“

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