Stolberg - Experimentierwerkstatt wechselt von Alsdorf an die Vicht

Experimentierwerkstatt wechselt von Alsdorf an die Vicht

Von: kol
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Stolberg. 5000 Euro für 40 Exponate, das kann nur ein symbolischer Kaufpreis sein. 5000 Euro, soviel hat das Stolberger Industriemuseum an das Alsdorfer Bergbaumuseum überwiesen, damit die dort errichtete - und leider schnell eingelagerte - Experimentierwerkstatt aus der Grubenstadt in die Kupferstadt wandert.

5000 Euro sind aber auch ein Zeichen dafür, dass euregionale Zusammenarbeit Vorrang vor Kirchturmdenken hat, dass gemeinsames Handeln in der Städteregion funktioniert. Denn der Wert der Experimentierwerkstatt wird um ein Vielfaches höher geschätzt. „Einige Pläne zur Herstellung einzelner Exponate, die wir damals gekauft haben, waren mehr wert als der jetzige Kaufpreis”, erklärt Dr. Georg Kehren, stellvertretender Geschäftsführer des abgebenden Bergbauvereins Alsdorf.

Einige Pläne hatten den Verein damals mehr als 10.000 D-Mark pro Stück gekostet. Weil die Mitmachausstellung aber in Alsdorf keinen Platz mehr fand, sind ihre Macher froh, dass sie nun woanders ihren pädagogischen Sinn erfüllen kann

Für sein Museum, das Bergbaumuseum Grube Anna II, hatte der Verein im Jahr 2000 mit den Planungen begonnen, eine Abteilung zu schaffen, die Kinder zum Mitmachen animiert. Entstanden ist die Experimentierwerkstatt nach dem Vorbild der interaktiven „Phaenomenta”, die es unter anderem im Flensburg und Lüdenscheid gibt.

„Im Vordergrund steht weniger das traditionelle Anschauen und lesen, sondern der haptische Effekt des Begreifens”, erklärt Kehren, der Macher der Ausstellung, das Prinzip. Lernen durch Ausprobieren also. Die Werkstatt, die so in Alsdorf entstand und bald in Stolberg zu Hause sein wird, besteht aus 40 Stationen, von Großexponaten bis hin zu kleinen Tischexperimenten ist alles dabei.

Gänzlich unbekannt ist die Mitmach-Ausstellung in Stolberg nicht - im Gegenteil. Schon zweimal wurde sie im Industriemuseum gezeigt, zuletzt im Herbst 2007, als sie zugleich ein Aushängeschild der Museumsnacht war. „Die Experimentierwerkstatt ist ein Renner”, erklärt Museumspädagogin Petra Grüttemeyer vom Zinkhütter Hof. „Die Grundschulen lieben sie, viele kommen immer wieder.”

Aber auch für Familien lohne sich ein Besuch, so Grüttemeyer. Es sind vergleichsweise einfache, mechanische Experimente, die die Werkstatt vornehmlich bietet, „mit einem ganz eigenen Charme”, sagt Kehren. Und nennt einen weiteren Vorteil der Sammlung, die auch unter Mithilfe von Schulklassen, Senioreninitiativen, Insassen der Jugendvollzugsanstalt Heinsberg und des Alsdorfer Vereins für allgemeine und berufliche Weiterbildung (VABW) entstanden ist: „Sie ist wenig anfällig und deshalb wenig wartungsintensiv.”

Neben mechanischen gibt es auch optische und akustische Experimente oder ein begehbares Kaleidoskop. Nun freut sich Stolberg auf die Werkstatt. Die Kupferstadt profitiert dabei von einer Entwicklung, über die sich die Macher der Ausstellung wohl eher ärgern mussten. „Das, was wir geschaffen haben, war politisch nicht mehr gewollt”, erklärt Kehren. In Alsdorf wurde das „Energeticon geplant, ein Wissenszentrum für Bergbaugeschichte und Zukunftstechnologien. Da passte die Experimentierwerkstatt nicht mehr ins Konzept, wurde schon 2005 eingelagert.

„Für uns ist die Experimentierwerkstatt der Bringer”, freut sich der Stolberger Museumsleiter Sebastian Wenzler. „Wir haben sofort gesagt, die nehmen wir gerne.” Und Professor Paul Thomes, Vorsitzender der Fördergesellschaft des Industriemuseums, die den Kaupfpreis gemeinsam mit der Kulturstiftung der Sparkasse Aachen hälftig übernommen hat, sieht noch einen anderen Aspekt: „Die Aktion hat für mich Symbolcharakter, weil die Partner, die in diesem Bereich engagiert sind, wirklich als Partner auftreten. Sie ist ein Beleg dafür, dass die Zusammenarbeit in der Region gut funktioniert.”

Und ausdrücklich nicht ausgeschlossen wird, dass die Experimentierwerkstatt, die in Alsdorf ihre Wurzeln hat, irgendwann einmal als Leihgabe auf Zeit dorthin zurückkehren könnte.
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