Stolberg-Büsbach - Essen in Kapelle, Küche im Keller, Kran im Garten

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Essen in Kapelle, Küche im Keller, Kran im Garten

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Baustelle Marienheim: Leiter Ewald Heup sorgt dafür, dass ein geregelter Tagesablauf und eine ordnungsgemäße Pflege der 65 Bewohner auch während der Bauzeit gewährleistet
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Die Tür wird gesondert entsorgt: Die Reste des Hubertushauses.
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Im Keller: Bernd Jakobs und Ewald Heup (r.) im Küchen-Provisorium.
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So wird sich das Marienheim im Jahr 2016 an der Bischofstraße präsentieren. An der Ecke zur Dell liegt der neue Aufenthaltsraum neben der Kapelle.
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Die Heilige Maria schaut von der Wand zu: Die Gebetsbänke sind Tischen und Stühlen gewichen. Nur für den Übergang dient die Kapelle des Marienheims als Aufenthalts- und Speiseraum. Mit der Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts können hier wieder Gottesdienste gefeiert werden.

Stolberg-Büsbach. Dass die Senioren gerne und regelmäßig die Kapelle aufsuchen, ist im Büsbacher Marienheim nichts neues. Außergewöhnlich ist nur, dass dort derzeit für sie aufgetischt wird. Die Gebetbänke haben Tischen und Stühlen Platz gemacht. Die 65 Bewohner an der Bischofstraße rücken ein wenig zusammen.

Das Marienheim ist für die nächsten drei Jahre eine Baustelle. Rund acht Millionen Euro investiert die Katholische Stiftung Marienhospital als Eigentümerin in die grundlegende Sanierung der Senioreneinrichtung, die sie vor fünf Jahren von der Pfarrgemeinde St. Hubertus übernommen hatte.

„Pastor Jürgen Urth hat natürlich zugestimmt“, erklärt Bernd Jakobs zur Zwischennutzung der Kapelle. Die Gottesdienste fallen dort derzeit aus, der Pastor besucht die Bewohner weiterhin und betet mit ihnen individuell oder in Gruppen, vor allem aber bleibt die Kapelle weiterhin erhalten. „Sie ist ein Kleinod und ein Mittelpunkt für das Leben in unserer Einrichtung“, betont der Geschäftsführer der Stiftung. Die Kapelle zu erhalten ist eine bewusste Entscheidung aus katholischen Grundsätzen heraus. Denn ein Neubau einer Kapelle ist heute in Förderrichtlinien nicht mehr vorgesehen. „Wir alle freuen uns schon wieder darauf, wenn wir 2016 hier wieder die Messe feiern können“, unterstreicht Heimleiter Ewald Heup. Dann finden auch die Gottesdienste der benachbarten Grundschule wieder in der Kapelle des Marienheims statt. „Die Begegnung zwischen Kindern und Senioren ist ein wichtiges Konzept unseres Hauses“.

Bis dahin werden die Bewohner noch mit einigen Einschränkungen und Veränderungen im gewohnten Umfeld leben müssen, denn der Umbau des Heimes erfolgt unter Vollbelegung. „Deshalb haben wir den Ausbau auch in drei Abschnitte aufgeteilt“, erläutert Bernd Hoffmann, der bei der Stiftung für das technische Projektmanagement verantwortlich ist.

Zum ersten Bauabschnitt gehört der Abriss des bislang angrenzenden alten Hubertushauses sowie des bisherigen Aufenthaltsraums nebst der Verteilküche. Letztere musste erst einmal in das Kellergeschoss ausweichen. Die Wäscherei an der Bischofstraße ist erst einmal geschlossen; die Arbeiten übernehmen die Kolleginnen im Eilendorfer Heim der Stiftung. „Die Mitarbeiterinnen haben sich alle wunderbar eingebracht in die Überlegungen, wie wir unsere Provisorien in der nächsten Zeit am besten bewältigen“, lobt Heup.

Und die Bewohner haben einen zusätzlichen Zeitvertreib hinzugewonnen – auch wenn sie gelegentlich über den Baulärm klagen. Von ihren Zimmern oder der gläsernen Brücke zwischen den heutigen Gebäudetrakten verfolgen sie mit Argusaugen die Arbeiten. Und staunen dabei ebenso wie die Mitarbeiter des Hauses, mit welcher Kraft der Bagger Wände einreißt, um dann ganz filigran aus dem Schuttberg einen Holzbalken herauszufischen und in einen Container zu bugsieren.

„Wir achten penibel auf die Trennung der Fraktionen“, erläutert Werner Keulen, der für das Aachener Architekturbüro Plischke & Lühring das Projekt betreut. Und während der Bagger die letzte Wand und die Tür des früheren Hubertushauses beseitigt, sorgt ein Bauarbeiter mit Wasser aus einem Feuerwehrschlauch dafür, dass es nicht zu sehr staubt.

Auch die Arbeiten sind generationenübergreifend – interessant: Während die Senioren aus dem „Horst“ zuschauen, gucken sich Kinder an der Baustellen-Umzäunung die Nase platt. Sie werden während der nächsten Wochen noch einiges erleben können. Ende des Monats beginnen die weiteren Vorbereitungen für den Aufbau. Der Baukran wird im Garten an der Dell aufgestellt und dann zuerst die Lücke zwischen dem heutigen Eingangsbereich und der verbliebenen Bebauung mit dem neuen dreistöckigen Wohntrakt gefüllt. Je Etage entstehen dort bis zum kommenden Frühjahr 13 barrierefreie Zimmer; hier wird später auch betreutes Wohnen möglich sein. Doch auch der Neubau wird zunächst provisorisch genutzt.

Heimbewohner werden vorübergehend dort untergebracht, wenn im Rahmen des dritten Bauabschnittes ihre bisherigen Wohnbereiche grundlegend saniert werden. Und die Verwaltung mit weiteren zentralen Diensten, etwa die Verteilküche, werden hier residieren, wenn im zweiten Bauabschnitt der heutige Eingangs- und Verwaltungsbereich neu gestaltet wird. Dass während der einzelnen Bauphasen immer wieder – natürlich erst einmal provisorische – Verbindungen und Zugänge zwischen den unterschiedlichen Trakten geben muss, wann, was von wo nach wo umgezogen werden muss, das ist zwar alles geplant, wird aber kontinuierlich von Keulen, Hoffmann und Heup überprüft und gegebenenfalls den aktuellen Entwicklungen angepasst.

Sicher ist heute jedenfalls, dass die drei Lärchen die Ecke zur Dell weiterhin markant zieren werden; aber ein neuer Blickfang wird der zukünftige Aufenthalts- und Speiseraum mit großer Glasfassade und Terrasse zur Bischofstraße hin sein. Wie zukünftig der Garten im Innenhof aussehen wird, ist dagegen noch nicht so recht gewiss. „Der Garten wird durch den Neubau ja etwas kleiner“, erzählt Heup und nimmt ein Areal ins Visier, auf dem sich früher der Büsbacher Kinderspielplatz befand, bis er wegen Vandalismus und anderer Umtriebe 2007 geschlossen wurde. Heute gehört das Freigelände zum Marienheim und soll in das zeitgemäße Betreuungskonzept integriert werden.

76 Pflegeplätze

Mit der Zeit geht die Stiftung auch bei der technischen Einrichtung. „Schon heute haben wir Bewohner, die das Internet vom eigenen Computer aus nutzen“, freut sich Heup. Und im Rahmen der Sanierung werden zwei Datenleitungen parallel verlegt: Eine, für das hausinterne Dokumentationssystem, die zweite für den Internetanschluss jeder Wohnung. Und wer nicht surfen mag, wird zukünftig auf ein umfassenderes TV-Angebot zurückgreifen können: Kabel-Empfang wird durch die Satelliten-Schüssel abgelöst.

Mit zeitgemäßen Standards, liebenswert und gemütlich wie auch funktional den Anforderungen entsprechend will sich das Büsbacher Marienheim 2016 präsentieren, wenn nach dem Umbau 76 Pflegeplätze und neun betreute Wohneinheiten von der Katholischen Stiftung angeboten werden.

Sie investiert das Projekt zunächst vor, erklärt Geschäftsführer Jakobs. Sechs Millionen Euro werden über die Jahre durch den Landschaftsverband refinanziert. „Zwei Millionen Euro bringt die Stiftung aus eigener Tasche ein“. 1,5 Millionen Euro davon alleine für das betreute Wohnen. Und stolz bleiben die Büsbacher darauf, dass ihnen die Kapelle erhalten bleibt und dort dann wieder der Gottesdienst gefeiert wird.

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